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Wenn das Leben plötzlich Kopf steht

„Das Leben zu Hause ist ganz anders als in der Klinik, da sind nicht rund um die Uhr Krankenschwestern und Ärzte da. Die Eltern müssen allein klarkommen“, sagt Amelie Hallmann, Casemanagerin bei Aufwind. Eltern von Frühchen beispielsweise müssen dann selber nach dem Herzfrequenz-Monitor schauen, nach der Sauerstoffversorgung und nach Sonden. Sie bekommen eine ganze Liste von Terminen an die Hand, zu denen sie sich mit ihrem Kind einfinden sollen, und nicht immer wissen Eltern, was es damit alles auf sich hat, geschweige denn, wie sie das alles schaffen sollen.

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Amelie Hallmann (links) und Mirjam Trölenberg gehören zum Team des Vereins Aufwind, das Familien nach dem Klinikaufenthalt, das Leben im Alltag erleichtert. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Damit die Übergangszeit von der Klinik in den Familienalltag klappt, helfen die Mitarbeiterinnen von Aufwind. „Wir knüpfen schon im Krankenhaus Kontakt zu den Familien und begleiten sie die erste Zeit zu Hause“, sagt Hallmann. Der Verein baut gemeinsam mit den Eltern ein Netzwerk auf, „wir geben ihnen einen roten Faden in die Hand“, beschreibt es Aufwind-Teamleiterin Mirjam Trölenberg. Sie vermitteln Krankengymnastik oder Logopädie, nehmen den Kinderarzt mit ins Boot und organisieren mobile Kinderkrankenpflege. Sie vermitteln Kontakte zu anderen Eltern in ähnlichen Situationen, „das ist ganz wichtig“, sagt Trölenberg. Denn in normalen Krabbelgruppen können diese Kinder nicht mithalten und finden Eltern keine Familien mit gleichen Schwierigkeiten.

Rund 100 Familien pro Jahr betreut Aufwind im Landkreis Ludwigsburg. Das Angebot ist nicht verpflichtend, es ist den Eltern freigestellt, ob sie es annehmen oder nicht. Die Kosten werden zum Teil über die Krankenkassen, zum Teil über Spenden finanziert, so wurde der Verein unter anderem auch von der Weihnachtsaktion unserer Zeitung „Helferherz“ unterstützt. Eltern müssen für diesen Service nichts bezahlen. Noch bis vor sechs Jahren, als es Aufwind in Ludwigsburg noch nicht gab, waren die Eltern allein gelassen. Zwar hatten sie auch damals schon das Sozialpädiatrische Zentrum am Ludwigsburger Klinikum, eine Begleitung zu Hause fand aber nicht statt.

Ob Frühchen, chronisch krankes oder schwer krankes Kind, für Familien ist die erste Zeit nach einem Klinikaufenthalt eine schwierige Phase. Alles läuft plötzlich anders, nichts geht mehr seinen gewohnten Gang. In dieses Chaos bringen die Mitarbeiterinnen Struktur und Sicherheit. „Wir schauen ganz individuell, welche Hilfen eine Familie benötigt, bei uns geht nichts nach Schema F“, so Hallmann. Die Aufwind-Mitarbeiterinnen nehmen sich Zeit und rücken auch Eltern und Geschwisterkinder in den Fokus. „Manchmal benötigen auch die Hilfe, um mit der Situation klarzukommen.“

Wichtig sei ihnen, den sogenannten Drehtür-Effekt zu vermeiden, also den erneuten Klinikaufenthalt. Wenn Familien gestärkt und bestärkt sind, seien das gute Voraussetzungen für eine Versorgung des Kindes im häuslichen Umfeld – vorausgesetzt, es spricht aus medizinischer Sicht nichts dagegen. Irgendwann müssen sich die Familien selber zurechtfinden. „Unser Ziel ist es, die Nabelschnur, die wir lange aufgebaut haben, zu kappen“, sagt Mirjam Trölenberg. Aber das könne immer mit einem guten Gefühl geschehen.

Übrigens: Der Weltfrühgeborenentag findet am 17. November statt. Die Aufwind-Familie trifft sich zu einem Laternenumzug. Das Ludwigsburger Schloss wird an diesem Tag lila angestrahlt.

Info: Wer sich näher über den Verein Aufwind informieren möchte, kann dies unter www.aufwind-ludwigsburg.de tun. Direkten Kontakt gibt es unter Telefon (0 71 41) 9 99 65 80.