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Wenn die Musik nur online spielt

Akkorde mit der Gitarre, trommeln auf dem Schlagzeug, Übungen zur Notation – im Corona-Lockdown sind Jugendmusikschulen ganz besonders gefordert, um ihre Schüler bei der Stange zu halten. Abmeldungen sind dennoch keine Seltenheit.

Ein Mädchen spielt Geige. Der Unterricht dafür findet an der JMS Freiberg/Pleidelsheim derzeit ausschließlich online statt.Foto: Angelika Warmuth/dpa
Ein Mädchen spielt Geige. Der Unterricht dafür findet an der JMS Freiberg/Pleidelsheim derzeit ausschließlich online statt. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Freiberg. Bei der Familie Witowski in Freiberg geht es sehr musikalisch zu. Alleine die beiden Kinder lernen jeweils zwei Instrumente. Während sich der 14-jährige Julis am Schlagzeug sowie am Klavier austobt, lernt seine elfjährige Schwester Jarah Trompete und E-Bass. Seit dem zweiten Lockdown gibt es den Musikunterricht seitens der Jugendmusikschule (JMS) Freiberg/Pleidelsheim allerdings nur noch digital. „Das ist natürlich kein Vergleich zum Präsenzunterricht, bei dem Schüler und Lehrer gemeinsam improvisieren können“, sagt Doris Witowski, die Mutter der beiden Musikschüler. Doch der Unterricht per Videokonferenz sei eine gute Alternative, auch wenn die so wichtige persönliche Beziehung zur Lehrkraft fehle.

Ein Problem, das Jens Müller, Leiter der Jugendmusikschule Freiberg/Pleidelsheim, zu gut kennt. Normalerweise begrüßt er seine Schüler persönlich, führt mit ihnen Smalltalk und kann so sehr schnell die Gemütslage der Schüler ausloten und darauf eingehen. Beim Unterricht per Videokonferenz ist das anders. „Da sitzt der Schüler vor dem Bildschirm und hat Anspruch darauf, dass es direkt losgeht“, sagt Müller. Das Zwischenmenschliche sei dabei schon sehr begrenzt. Das erfordere vom Musiklehrer, gut vorbereitet in die Stunde zu gehen. Ein ordentlicher Musikunterricht sei online durchaus möglich. Insbesondere an der Rhythmik sowie an der Spielgenauigkeit könne dabei gut gefeilt werden. „Dafür lässt sich die klangliche Komponente nicht so gut erarbeiten“, sagt Müller. Keine Frage: Sitzt der Musikschüler vor ihm, hört er dessen Instrumentenspiel direkt, während die Töne über Smartphone und Laptop mitunter recht verzerrt bei ihm ankommen. Und: Duette fallen ebenso aus wie Ensemblearbeit, Orchesterproben und Konzerte. Dennoch ist Müller froh, dass alle Instrumente gelehrt werden können. Wo zu Hause das Equipment fehlt, kann die Jugendmusikschule mit Leihinstrumenten aushelfen. Außerdem sei der Onlineunterricht sehr effektiv. Weil die Jugendmusikschule das Wechselspiel von Öffnen und Schließen in Abhängigkeit der Inzidenzlage nicht mitmachen möchte, hat der Vorstand beschlossen, die Einrichtung erstmal geschlossen zu lassen.

Nicht alle Musikschüler wollen in der Pandemie weitermachen. Vor der Krise waren es noch 1040, jetzt sind es 991. Vor allem im Bereich der musikalischen Früherziehung fehlen die Kinder, „weil wir seit dem ersten Lockdown nicht mehr in die Kindergärten dürfen“, sagt Müller. Die Kooperationen mit den 13 Netzwerkpartnern vom Zwergenstüble bis zum Musikverein Stadtkapelle Freiberg liegen seither brach. „Das ist unsere größte Sorge“, sagt JMS-Leiter Jens Müller.

Mit den fehlenden Schülern sind freilich auch die Unterrichtsentgelte zurückgegangen – pro Monat um rund 3000 Euro. Der Fehlbetrag kann größtenteils aufgefangen werden, da der Landeszuschuss von zehn auf 12,5 Prozent erhöht wurde. Auch wenn der Jahresabschluss für 2020 noch aussteht, kann Jens Müller verhaltenen Optimismus verbreiten: „Wir werden kein Minus haben und sind wirtschaftlich noch nicht in eine existenzbedrohende Situation gekommen.“

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