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Wenn ein E-Auto brennt, ist die Herausforderung groß

25 Fahrzeuge sind bei einem Brand im Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen ausgebrannt. Das Feuer könnte beim Laden eines Elektrobusses ausgelöst worden sein.Archivfoto: dpa/Christoph Schmidt
25 Fahrzeuge sind bei einem Brand im Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen ausgebrannt. Das Feuer könnte beim Laden eines Elektrobusses ausgelöst worden sein.Archivfoto: dpa/Christoph Schmidt
Was passiert genau, wenn ein Elektroauto in Brand gerät? Welche Gefahren entstehen? Der Marbacher Feuerwehrkommandant, Alexander Schroth, informierte jüngst in der Gemeinderatssitzung.

Marbach. 25 Busse wurden bei einem Brand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) Ende September total zerstört. Das Feuer könnte nach Einschätzung der Stuttgarter Polizei beim Laden eines Elektrobusses ausgelöst worden sein. Auch beim Autoveredler AMG in Affalterbach hatte es im November gebrannt. Der technische Defekt war laut dem örtlichen Kommandanten, Sascha Hänig, beim Montieren der Batterien für E-Autos entstanden, In einer Entwicklungswerkstatt, wo daran gearbeitet und getestet werde, dass die Batterien leistungsstark und sicher sind, könne so etwas schon passieren, hatte er beruhigt.

„Das ganze System ist eine Hochvoltanlage mit mehr als 1000 Volt Gleichspannung und das birgt Gefahren“, betonte der Marbacher Feuerwehrkommandant, Alexander Schroth. Die Batterien seien in der Regel in wasserdichte Gehäuse verpackt. Die gesamte Anlage sei gegen Auswirkungen von außen wie zum Beispiel Unfälle geschützt, aber damit auch gegen Wasser. „Dadurch haben wir einen größeren Aufwand, was Löschdauer und Löschmittel anbelangt“, so Schroth. Auslöser für einen Brand können Unfälle sein, durch die es zu Kurzschlüssen in den einzelnen Zellen kommt, auch während des Ladevorgangs kann es zu einem Kurzschluss in der Batterie kommen.

Trotz der Gefahr Elektrizität ist Wasser das gängigste Löschmittel, Sondermittel braucht es in der Regel nicht, so Schroth. Mit Wasser wird die Batterie gekühlt, um weitere Kettenreaktionen aufzuhalten. Die größte Gefahr ist dabei die starke Rauch- und Wärmeentwicklung. Bei großer Hitze können Löcher im Batteriegehäuse entstehen, durch die aber dann das Löschmittel eindringen kann. Richtig gefährlich kann es werden, wenn die Batterien aufplatzen. Dann können durch Verdampfen der brennbaren Elektrolyte Stichflammen entstehen. Die freigesetzten Elektrolythe können sich unter Umständen mit dem Löschwasser zu Flusssäure entwickeln. „Das ist eine der gefährlichsten und toxischsten Säuren, die es gibt“, so Schroth. Im Freien lasse sich ein Brand aber noch relativ gut beherrschen. Man könne das Auto zum Beispiel kontrolliert ausbrennen lassen. „Da es in der Batterie aber weiter zu Kurzschlüssen kommen kann und wir nicht in die Batterie sehen können, muss das Auto mindestens einen Tag kontrolliert werden“, so der Marbacher Kommandant.

Möglich sei auch, das Auto in einem großen Havariebehälter zu versenken, derzeit haben die großen Autohersteller in der Region solche Behältnisse, die Feuerwehr darf darauf zugreifen. „In diesen Behältnissen wird die Batterie so geflutet, dass sie abkühlt“, so Schroth. Dieser Vorgang dauert ebenfalls längere Zeit und muss kontinuierlich beobachtet werden. „Bei ausreichender Kühlung im Wasserbad entladen sich die Batterien“, so Schroth. Danach ist das Löschwasser kontaminiert und es muss aufgefangen und entsorgt werden.

Richtig schwierig wird es, wenn das Auto in einer Tiefgarage brennt. Während ein normales Auto in der Garage verbleiben kann, muss ein E-Auto immer schnellstmöglichst aus dem Gebäude transportiert werden, da sich die Batterien erneut entzünden können. „E-Autos brennen schneller und es entwickeln sich höhere Temperaturen“, erklärt Schroth. Die Statik kann darunter leiden. „Der Stahl dehnt sich aus, der Beton platzt ab“, so Schroth. Um das Auto schnell aus dem Gebäude zu bekommen, gibt es zwar Spezialfahrzeuge, aber die Garage muss rauchfrei, der Brand fast gelöscht sein. Möglicherweise ist das Gebäude zu diesem Zeitpunkt bereits einsturzgefährdet. Vor allem bei mehrstöckigen Gebäuden ist das eine große Herausforderung. „Ab fünf Plätzen spricht man schon von Mehrfachgaragen“, erläutert Schroth.

In Marbach gebe es mehr als 100 Tiefgaragen mit mehr als fünf Plätzen. Der Supergau wäre ein Brand in der Ludwigsburger Straße18. Hier ist die Tiefgarage dreigeschossig und mit Autoaufzügen erschlossen. Da kann es dauern, bis man das brennende Auto aus der Gefahrenzone bringt. Die Rauchentwicklung kann schnell zur Bedrohung für die Bewohner werden. Außerdem ergibt sich wieder die Problematik mit der Statik. Einfacher sei die Garage in der Grabenstraße, da der Rauch nach oben abziehen könne.