Logo

Wenn Kinder nicht feiern dürfen

Für Kinder ist der eigene Geburtstag etwas Besonderes. Eine Feier mit Freunden gehört einfach dazu. Doch seit Corona ist alles anders. Mit den aktuell geltenden Regeln ist ein Fest, wie wir es kennen, derzeit nicht möglich. Eine Mutter aus Bönnigheim erzählt, welche Auswirkungen das auf ihre Tochter hatte, die ihren sechsten Geburtstag eigentlich mit Freundinnen feiern wollte.

350_0900_28759_350_0008_2377386_AdobeStock_366152782.jpg

Bönnigheim. Anfang November wurden die Regeln verschärft, um die Coronapandemie einzudämmen. Sie betreffen auch private Kontakte und Feiern. Mitte dieser Woche riefen Bund und Länder die Bürger auf, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren und auf private Feiern zu verzichten. Eine zweifache Mutter aus Bönnigheim berichtet darüber, wie ihre kleine Tochter, die Anfang November sechs wurde, mit diesen Regeln klarkommen musste.

„Wir haben den Geburtstag in Raten abgesagt“, erzählt die Mutter der sechsjährigen Marie. Mit dem stetigen Anstieg der Corona-Infektionen in den vergangenen Wochen war für die Eltern des Mädchens aus Bönnigheim noch vor dem Geburtstag im November klar, dass nur mit Freundinnen aus Maries Kindergartengruppe gefeiert wird. Die Freundinnen, die schon in der ersten Klasse der Grundschule sind, sollten nicht eingeladen werden. „Das sind ja nur vier Kinder, ich werde aber sechs Jahre alt“, war Maries Antwort auf diesen ersten Abstrich. Maries Mutter steckte in einem Dilemma, denn sie musste von einer Familienregel abweichen: Die Kinder dürfen so viele Freunde zum Geburtstag einladen, wie sie alt werden. „Für Marie war es Stress, Ärger und Traurigkeit“, sagt ihre Mutter.

Dann kam Anfang November die neue landesweite Coronaverordnung. Und was zuvor noch erlaubt war, geht nun nicht mehr. „Maries Freunde konnten im Sommer ihre Geburtstage feiern. Sie durfte jetzt nicht“, so die Bönnigheimerin. Zur Sicherheit rief sie sogar beim zuständigen Polizeirevier an und bekam die Auskunft, dass die Beamten auch bei einem Kindergeburtstag kein Auge zudrücken dürften. „Ich habe Marie also darauf vorbereitet, dass es keine Feier mit den Freundinnen geben wird“, erzählt die Mutter. „Normalerweise sind alle zusammen da, wir singen ein Lied, es gibt Kuchen“, beschreibt die Bönnigheimerin. Und dann folge normalerweise der Kindergeburtstag mit den Freundinnen.

„Einmal im Jahr steht das Kind im Mittelpunkt“, sagt Maries Mutter. „Wie kann es inakzeptabel sein, ein Kind hochleben zu lassen?“, fragt sie. Es sei eine schwierige Situation gewesen, den Geburtstag nicht wie üblich – und vor allem ohne Freunde – feiern zu dürfen. „Ich hatte Angst davor, wie Marie reagieren würde, wenn ich ihr die Situation erkläre. Ich hatte mit Wut gerechnet. Aber sie hat komplett anders reagiert“, erzählt die zweifache Mutter. Die Tochter sei ganz ruhig gewesen, war nicht sauer, sondern habe nur geweint. Der Frau kommen bei der Erinnerung selbst die Tränen.

Erklärt hat die Bönnigheimerin ihrer Sechsjährigen das Feier-Verbot mit der Coronapandemie. Und damit, dass es wie im Kindergarten und bei der Arbeit Regeln gebe, an die man sich halten müsse. „Ich habe ihr aber auch gesagt, dass ich das nicht schön finde.“ Die Bönnigheimerin selbst empfand diese Situation als völlig absurd. „Die Kinder sind im Kindergarten ja auch zusammen, ohne Maskenpflicht und Abstandsregeln.“ Zudem hätten Kinder – wie die Erwachsenen auch – in diesem Jahr auf so vieles verzichten müssen. „Und nun musste ich auch noch sagen, dass es keinen Kindergeburtstag gibt.“ Die Mutter habe nicht versprechen wollen, ihn nachzufeiern. „Da sagt man vielleicht etwas, ohne zu wissen, ob es möglich sein wird“, so die Bönnigheimerin. „Wir hängen ja selber in der Luft. Ich möchte meiner Tochter aber Sicherheit vermitteln.“

Letztendlich hat die Familie aus Bönnigheim den sechsten Geburtstag von Marie, so gut es mit den Coronaregeln ging, gefeiert. Als der große Tag da war, kamen Oma, Uroma, Onkel, Tante und Pate: Allerdings nacheinander, mit eineinhalbstündigen Pausen dazwischen, während denen gelüftet wurde. „Sie hatte immer wieder mal eine Oma für sich und die Geschenke gab es nacheinander“, erzählt die Mutter über den Verwandtenbesuch. „Ich bin froh, dass es geklappt hat. Aber eine richtige Feier war das nicht“, resümiert die Frau. Sie habe übrigens die Geburtstagsgeschichte ihrer kleinen Tochter nicht aus Verärgerung über die Coronaregeln geschildert, sondern um zu verdeutlichen, dass in einer schwierigen Zeit und in einer solchen Situationen ganz viel Verzweiflung bei Kindern und Erwachsenen mitschwinge.

Autor: