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Wichtig ist die Hilfe direkt vor Ort

Beschäftigte berichteten beim Eröffnungsgottesdienst zur Woche der Diakonie am Sonntag aus ihrem Alltag. Und sie erzählten von großen Problemen in ihren Gemeinden.

Der Eröffnungsgottesdienst in der Großbottwarer Martinskirche. Foto: Andreas Becker
Der Eröffnungsgottesdienst in der Großbottwarer Martinskirche. Foto: Andreas Becker

Großbottwar. Wenn Corona einem finanziell den Boden unter den Füßen wegzieht, die Sucht immer mehr zum Problem wird, nur das Tafelmobil hilft über die Runden zu kommen oder der Besuch des Pflegedienstes ein Lichtblick in der Einsamkeit ist: Die Hilfe vor Ort stand beim Eröffnungsgottesdienst zur Woche der Diakonie in der Martinskirche im Mittelpunkt. Diejenigen kamen zu Wort, die täglich ihren Dienst tun und bei allen Abstandsgeboten, die die Pandemie mit sich bringt, einfach dranbleiben an den Menschen, ihnen Zuwendung schenken.

„Dranbleiben“ lautet auch das Motto der diesjährigen großen Spendenaktion in der Woche der Diakonie. Gerade jetzt in Krisenzeiten heißt es, die Mitmenschen im Blick zu behalten, eben an ihnen dranzubleiben. Und dafür sorgen, dass die Schwächsten in der Gesellschaft sichtbar bleiben und teilhaben können. Wie die Beschäftigten der auch in Großbottwar ansässigen Theo-Lorch-Werkstätten, die den Gottesdienst mitgestalteten und deren Geschäftsführer Stefan Wegner im Gespräch mit dem Dekan des Kirchenbezirks Marbach, Dr. Ekkehard Graf, deutlich machte, wie wichtig es ist, Halt zu geben, Tagesstruktur zu schaffen und nach der Pandemie weitere große Schritte in Richtung Inklusion gehen zu können.

Der Geschäftsführer und Sozialberater der Diakonischen Bezirksstelle Marbach, Rainer Bauer nannte Zahlen, die aufzeigen, wie groß der Bedarf ist: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 400 Gespräche geführt, in denen es um Existenzsicherung ging. Manchmal gelte es erst einmal zu verhindern, dass der Strom abgestellt werde. Er sei froh, dass die Landeskirche einen Notfonds zur Verfügung gestellt habe, um jetzt in Krisenzeiten unbürokratisch helfen zu können, berichtete Bauer, der noch einen Wunsch äußerte: Dass mit der stark nachgefragten Ehe-, Familien- und Lebensberatung ein ständiges Angebot geschaffen werden könne. „Nur zusammen kann das Dranbleiben funktionieren“, machte Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, deutlich und würdigte in ihrer Predigt den Einsatz der Beschäftigten in der Diakonie. „Um Pandemie und Lebenskrisen zu bewältigen, braucht es Menschen die nicht aufgeben“ ,sagte Noller. Der Geist Gottes helfe und ermutige dabei, dranzubleiben. So wie das auch die Geschäftsführerin der Diakoniestation Großbottwar, Cornelia Jung und die Diakonin Margarethe Herter-Scheck tun, die im Gespräch mit Pfarrer Friedhelm Nachtigal von menschlicher und sozialer Not berichteten.

„Ohne Tafelmobil könnte ich keinen Monat überleben“, zitierte Margarethe Herter-Scheck eine ältere Frau, die jeden Cent umdrehen muss. Das Tafelmobil, das mittwochs in Großbottwar Station macht, ist einer von vielen Bausteinen eines guten Miteinanders im Zeichen der Diakonie. „Eine Stadt ist immer auch eine soziale Stadt, eine Gemeinde auch Gemeinschaft und das impliziert ein Miteinander“, betonte der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann. Die Pandemie habe vieles erschwert, die Einschränkungen seien aber ebenfalls Ausdruck der Solidargemeinschaft, um die Schwächsten zu schützen. Insofern begrüßte auch der Bürgermeister das Motto „Dranbleiben“.

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