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Wie man klug mit Lügnern umgeht

Lügen ist menschlich. „Jeder, der behauptet, er habe noch nie die Unwahrheit gesagt, hat es in diesem Augenblick wieder getan“, sagt Hans-Gerd Kämmer. Der pensionierte Polizist aus Kornwestheim hat darüber ein Buch geschrieben.

Hans-Gerd Kämmer präsentiert sein 118-seitiges Werk.Foto: Ramona Theiss
Hans-Gerd Kämmer präsentiert sein 118-seitiges Werk. Foto: Ramona Theiss

Kornwestheim. Die Lüge kennt im Deutschen viele Namen, beispielsweise Flunkern, Schummeln, Ausrede, Schwindel oder Betrug. Anlässe, sich die Wahrheit zurechtzubiegen, gibt es noch mehr. Der eine will sich in besserem Licht darstellen, der andere sucht den persönlichen Vorteil oder er möchte etwas vertuschen.

Hans-Gerd Kämmer wurde schon allein seines Berufs wegen immer und immer wieder angelogen. Denn 40 Jahre war er im Polizeidienst. Lange Zeit davon als Kommissar vom Dienst – eingeteilt in Nacht- und Wochenendschichten. Bei der Kripo hatte der 64-Jährige auch mit schweren Fällen zu tun: Tötung, Erpressung, Vergewaltigung und Raub. Hier nehmen es die mutmaßlichen Täter mit der Wahrheit nicht so genau, hat Kämmer erfahren.

Als professioneller Ermittler kennt Kämmer Methoden, den tatsächlichen Dingen auf den Grund zu gehen. Und er konnte unter anderem Gegenmeinungen durch die Anhörung von Zeugen einholen, Beweismittel den Aussagen gegenüberstellen, um sich ein klareres Bild vom Geschehen zu machen. Vor allem aber hat er gelernt, Gesten und Mimik zu lesen sowie zwischen den Zeilen zu hören.

Für den privaten Bereich rät er, bei einem begründeten Verdacht ebenfalls besonders aufmerksam zu sein, die Lage zu erkennen, zu analysieren und schließlich zu deeskalieren. Dabei sei eine professionelle, möglichst emotionsfreie Distanz hilfreich. Egal, ob beim Kauf eines gebrauchten Autos oder ob man nach einem Seitensprung ertappt wurde.

„Wer lügt, zeigt immer Stresssymptome, gegen die er sich nicht wehren kann“, sagt Kämmer. Je nachdem, wie abgebrüht man sei, könnten diese Symptome Schweißausbrüche oder rote Ohren sein, steife oder fahrige Bewegung, ein wackelnder Fuß, ein ausweichender Blick, eine andere Stimmlage. Der Versuch, das Gespräch schnellstmöglich zu beenden oder durch das Stellen von Gegenfragen den Antworten auszuweichen, Entrüstung, seien ebenfalls auffällige Verhaltensweisen. „Irgendwann zuckt jeder, verheddert sich in Details seiner Aussagen“, sagt Kämmer. Lügen hätten immer kurze Beine.

Wer einen anderen der Lüge überführt zu haben glaubt, sollte keine Vorwürfe machen und schon gar nicht aggressiv werden, rät Kämmer. Eine klare, ruhige Sprache, in der die Fakten nachvollziehbar genannt werden, sei angebracht und mache weniger angreifbar. Miteinander über die Lage zu reden, sei für beide Seiten wichtig, um zu einer Annäherung zu finden und Konflikte friedlich zu entschärfen. Vor allem sollte man sich gegenseitig bestehen lassen und dem anderen die Chance geben, das Gesicht zu wahren. „Es ist ein Unterschied, einen Pappbecher umzustoßen oder Porzellan zu zerschlagen.“ Oft sei es für den Ertappten eine regelrechte Erleichterung, endlich aus seinem Lügenkonstrukt herauszukommen und reinen Tisch gemacht zu haben.

Hans-Gerd Kämmer warnt allerdings davor, jeden Gesprächspartner unter Generalverdacht zu stellen. Dazu brauche es immer eine begründete Motivlage. „Ansonsten wird das gegenseitige Vertrauen zerstört.“

Die beste Methode, peinliche Situationen zu vermeiden, sei, möglichst bei der Wahrheit zu bleiben. Anstatt Termindruck vorzuschieben, weil man keine Lust auf ein Treffen hat, sei es ehrlicher zu sagen, dass man Zeit für sich selbst brauche. Das sei authentischer und dafür ernte man in der Regel sogar Verständnis, rät Kämmerer.

Info: „Lügensituationen erkennen und aufrichtig verhandeln“ von Hans-Gerd Kämmer heißt das 118 Seite starke Buch. Es kostet 19,80 Euro. ISBN 9798619539691.

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