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Wie viel Wärme braucht‘s in einer Stadt?

Sommerliche Gluthitze in den Straßen, schattige Plätze sind gefragt – doch auch wenn sich die Städte immer mehr aufheizen: Wärme benötigt man dennoch. Wie viel davon nötig ist und wie die Wohnungen warm werden, ohne dem Klima zu schaden, soll jetzt näher untersucht werden.

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Ludwigsburg. Eine Wärmebildkamera zeigt, dass die Hände warm sind. Wärmer als die Ärmel der Jacke. Ein Prinzip, das auch auf Häuser angewendet werden kann. Thermographie nennt sich das – die Klimaschützer der Stadt haben das schon bei Rundgängen durch die Stadtteile vorgeführt. Der Effekt dabei ist, dass genau gesagt werden kann, wo unnötig Wärme verschwendet wird. Meist sind es die Fenster, die Türen, nicht gedämmte Wände. Sind sie rot wie die Hände, bedeutet das Energieverlust.

Es ist ein erster Schritt zur Erkenntnis. Und ein erster Schritt, etwas dagegen zu tun. Denn gerade im Häuserbestand, in alten Reihenhäusern oder Wohnblocks, wäre die Energieeinsparung enorm, es könnte aber auch jede Menge CO2 eingespart werden. Genau das ist eines der großen Ziele, auf das sich die Stadt verpflichtet hat: Ludwigsburg will bis 2050 klimaneutral werden, und das geht nur mit den Bürgern, mit den Eigentümern, den Verwaltern großer Mehrfamilienhäuser und älterer Wohnblocks.

Schon seit Längerem hat sich die Stadt einige Quartiere genauer angesehen und dort mit Thermographie-Spaziergängen und Info-Veranstaltungen auf mögliche Sanierungen aufmerksam gemacht. Im Projekt „Wir Energiewender“ geht sie in die Stadtteile und bietet sich als Gesprächspartner an (siehe die Infotexte). Drei Quartiere hat sie sich vorgenommen, für die die Stadt Fördergelder vom Bund erhält. Weitere zwei Projekte ergänzen die Strategie: Im Schlösslesfeld ein „Drei Prozent Plus“-Programm, um das Sanierungsziel zu steigern. In Grünbühl-Sonnenberg geht es um Klimaschutz im Alltag.

Die einzelnen Ansätze sollen jetzt in einem großen Ganzen gebündelt werden. Diese Wärmeplanung – das Land wird diese bis 2023 für die Städte verpflichtend vorschreiben – will Ludwigsburg nächstes Jahr bereits angehen, so Steffen Weeber von der Stabstelle Klima, Energie und Europa. An erster Stelle steht dabei die Analyse: Wie viel Wärme braucht die Stadt? Wie werden die einzelnen Wohnviertel versorgt? Dann wird es darum gehen, mit welchen Maßnahmen die Wärmeversorgung sichergestellt wird. „Da werden dann verschiedene Szenarien entwickelt“, so Weeber.

Grund für diese Wärmeplanung ist: So einfach es sich anhört, man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Sprich: Die Fernwärme, die derzeit und in den nächsten Jahren von den Stadtwerken massiv ausgebaut wird, „wird nicht die ganze Stadt versorgen können“, betont Weeber. Größere Teile Ludwigsburgs können an das System angeschlossen werden, doch in vielen Fällen ist dies laut Weeber unwirtschaftlich. Gebiete mit kleinen Wohneinheiten und geringer Abnahmemenge fallen aus dem Raster. Außen vor sind große Stadtteile wie Oßweil, Neckarweihingen oder Hoheneck.

Die Fernwärme ist in Ludwigsburg eine Grundlage, auf der jedoch weiter aufgebaut werden soll. Sie ist vor allem deshalb interessant, weil die Wärme regenerativ erzeugt wird: mit dem Holzheizkraftwerk und in dem neuen Solarpark. Nicht alle Städte können so etwas vorweisen.

Ergänzt werden kann die Fernwärme durch dezentrale Angebote. So kann ein Nahwärmenetz in Verbindung mit einer kleineren Heizzentrale aufgebaut werden – ein Kraftwerk, das mit Biogas betrieben wird. In Grünbühl ist eine Geothermieanlage im Einsatz, die mehrere Mehrfamilienhäuser versorgt. Im neuen Baugebiet Schauinsland in Neckarweihingen ist ein Nahwärmenetz vorgesehen, der Fuchshof wird an die Fernwärme angeschlossen.

Weil vor allem Häuser im Bestand energetisch auf Vordermann gebracht werden müssten, sind viele Gespräche nötig. Da spielen Aspekte wie Sanierungen, der Einbau von Wärmepumpen, eine Photovoltaikanlage oder Wärmedämmung eine Rolle. Die Stabstelle setzt deshab auf Fachveranstaltungen und Vorort-Termine, bietet sich als Gesprächspartner an, die auf Beratungsmöglichkeiten mit der Ludwigsburger Energieagentur (Lea) oder die Stadtwerke verweisen. „Wir gehen Straße für Straße durch“, sagt Weeber.

Dass da noch harte Bretter zu bohren sind, weiß er. Doch er ist zuversichtlich. „Wir müssen es einfach ausprobieren, es gibt noch keine Stadt, die das so macht.“

Passivhäuser, die so gut wie ohne eine Heizung auskommen, sind nicht unumstritten. In Heidelberg gibt es mit der Bahnstadt die bislang größte Passivhaussiedlung weltweit. Gegen diesen Weg sprechen die Kosten, so Weeber. Das Teuerste sei, die letzten fünf Prozent an Energieeinsparung herauszuholen. Die größte Aufgabe warte in Ludigsburg vielmehr im Gebäudebestand. Bei den Neubaugebieten, für die jeweils ein Energiekonzept aufgestellt werde, erreiche man schon Werte, die völlig ausreichten.

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