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Wieder freie Fahrt im Süden

Wichtigste Arbeiten für neue Eisenbahnbrücke bei Kornwestheim erledigt – Strohgäubahn soll nun leiser in den Kurven sein

Mithilfe eines riesigen Fahrzeugs sind die beiden Brückenteile an Ort und Stelle gebracht worden. Archivfotos: A. Becker
Mithilfe eines riesigen Fahrzeugs sind die beiden Brückenteile an Ort und Stelle gebracht worden. Foto: A. Becker
Zentimeterarbeit war für Thilo Fischer angesagt (hinten), der den Tausendfüßler steuerte.
Zentimeterarbeit war für Thilo Fischer angesagt (hinten), der den Tausendfüßler steuerte.
Für das Bähnle gibt es nun auch am Rührberg und in Hemmingen, wie in Korntal, Schienenschmieranlagen. Foto: Zweckverband
Für das Bähnle gibt es nun auch am Rührberg und in Hemmingen, wie in Korntal, Schienenschmieranlagen. Foto: Zweckverband

Kornwestheim/Strohgäu. „Wir sind soweit durch“ – diese Aussage von Frank Nowaczyk am Sonntag dürfte so manchen freuen, der zuletzt Kornwestheim als Start oder Ziel für seine Bahnfahrt hatte. Denn seit Ferienbeginn hatten dort keine S-Bahnen gehalten, die Linie 4 aus Richtung Marbach stoppte in Ludwigsburg, die S5 fuhr über den Güterbahnhof – denn nördlich des Personenbahnhofs lagen keine Gleise mehr, und wo einst eine rund 120 Jahre alte Brücke war, klaffte ein großes Loch. Nun sind die Gleise aber wieder verlegt, sodass wie angekündigt ab morgen früh, 4 Uhr, die Züge wie gewohnt verkehren können.

Am Sonntagmittag waren denn auch nur noch Mitarbeiter der Bahn auf der Baustelle, so Projektleiter Nowaczyk vom westfälischen Bahnbauspezialisten Klostermann, der seine Arbeiten im Zeitplan abgeschlossen hatte. „Die Fachdienste der Bahn müssen noch die Oberleitungen ziehen“, sagte er am Nachmittag, „aber dafür ist ja noch genügend Zeit bis Montagfrüh“.

Klostermann war für den spektakulärsten Teil des 13 Millionen-Euro-Projekts, das Ende August mit Vorarbeiten gestartet war und noch bis Jahresende dauert, verantwortlich: den Einschub zweier riesiger, bis zu 2000 Tonnen schwerer Betonteile, die nun die neue Eisenbahnbrücke formen. Sie waren Ende Mai von einem „Tausendfüßler“, einem Baufahrzeug mit 1200 PS und 132 Rädern, von jener Stelle direkt neben den Gleisen in der Bahnhofstraße, wo sie seit Januar gebaut wurden, im 90-Grad-Winkel an ihre neue Position „eingeparkt“ worden. Unzählige Zuschauer verfolgten die Aktion, bei der am Ende jeweils behutsam die Stahlstapelboxen entfernt werden mussten, auf denen das Bauwerk lag. Nur für das zweite Brückenteil gab es Verzögerungen, weil der „Tausendfüßler“ einen technischen Defekt aufwies, weshalb die Nacht hindurch gearbeitet werden musste. „Aber am Ende hat alles geklappt“, so Nowaczyk.

Neuer Schotter und Anlage

Schon einen ganzen Tag zuvor galt für die Strohgäubahn wieder freie Fahrt. Hier war in knapp anderthalb Wochen an mehreren Stellen gearbeitet worden: Im Bahnhof Korntal wurden Schotter und Schwellen erneuert, einige Hundert Meter weiter an zwei Bahnübergängen der Belag gewechselt und an einer Brücke zwischen der A81 und Münchingen repariert worden, was im Herbst witterungsbedingt nicht hatte umgesetzt werden können.

Besonders freuen dürften sich aber die Anwohner vom Haltepunkt Rührberg bis zum Freizeitbad und in der Hemminger Bahnhofstraße: Denn nach langem Warten wurden auch dort Schienenschmieranlagen eingebaut. Sie sollen das Quietschen der Züge reduzieren, das durch Reibung in den Kurven entsteht. Für einen Test wurde die Technik 2017 nahe der Betriebswerkstatt in Korntal installiert, und wegen des Erfolgs sollte erweitert werden. Corona und Einreisebeschränkungen für die niederländische Spezialfirma sorgten dann aber für eine Verzögerung – bis zum vergangenen Donnerstag und Freitag.

Info: Die Ausstellung zu 115 Jahren Strohgäubahn im Hemminger Etterhof kann wieder besichtigt werden, immer sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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