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Wiederbelebung oder Irrweg?

In der Region poppt erneut die Diskussion über eine Verlängerung der Strohgäubahn auf. Den Anrainern und dem Landkreis gehen die Überlegungen allerdings nicht weit genug.

Eine Strohgäubahn zwischen Münchingen und Korntal: Die Region hat jetzt erneut eine Verlängerung ins Wohngebiet Salzweg in Zuffenhausen ins Spiel gebracht. Archivfoto: Oliver Bürkle
Eine Strohgäubahn zwischen Münchingen und Korntal: Die Region hat jetzt erneut eine Verlängerung ins Wohngebiet Salzweg in Zuffenhausen ins Spiel gebracht. Foto: Oliver Bürkle

Strohgäu. Die Runderneuerung der Strohgäubahn lassen sich der Landkreis Ludwigsburg und die Anrainer Ditzingen, Hemmingen, Schwieberdingen und Korntal-Münchingen eine hübsche Summe kosten: mehr als 50 Millionen Euro. Mittlerweile ist das Vorhaben auf der Zielgeraden angekommen. Auf dem Programm stehen noch Arbeiten in den Bahnhöfen Korntal und Heimerdingen. Der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath sagt unserer Zeitung: „Die Strohgäubahn hat sich etabliert. Die Frequenz ist hervorragend.“

Doch richtig fertig sind Bahnprojekte offenbar nie. Im Verkehrsausschuss des Stuttgarter Regionalverbandes VRS hat in der vergangenen Woche eine Diskussion an Fahrt aufgenommen, die zuletzt 2018 intensiv geführt wurde: ob die Strohgäubahn über den Korntaler Bahnhof hinaus geführt werden soll. Die Regio-Grünen wollen mehr Informationen über eine mögliche Verlängerung zum Porsche-Ausbildungszentrum in Zuffenhausen und ins Wohngebiet Salzweg, wo ein Umstieg in die Stadtbahnlinie U15 möglich wäre.

Für eine Verlängerung setzen sich bekanntlich auch der Landkreis und die vier Anliegerkommunen ein. „Grundsätzlich stehen wir Erweiterungen der Strohgäubahn positiv gegenüber und freuen uns darauf, wenn der VRS mit diesem Thema auf uns zukommt“, sagt ein Sprecher des Landrats Dietmar Allgaier.

Allerdings haben die Ludwigsburger und die Rathauschefs im Strohgäu immer wieder klar gemacht, dass sie eine Verlängerung der Bahn mindestens bis Feuerbach anstreben – und daran hat sich nichts geändert. „Eine Verknüpfung zur Stadtbahn ist auf jeden Fall wünschenswert“, lassen zwar der Schwieberdinger Nico Lauxmann und der Hemminger Thomas Schäfer ausrichten. „Allerdings ist jede Alternative schlechter als die Anbindung an Feuerbach, da hier drei Stadtbahnlinien und drei S-Bahn-Linien erreicht werden könnten.“

Ähnlich sieht das der Korntal-Münchinger Bürgermeister Joachim Wolf. Er bezweifelt, ob eine Durchbindung zum Salzweg spürbar positive Wirkungen entfalten kann. „Eine nachhaltige Verbesserung der Versorgungssituation wird in erster Linie durch die Anbindung der Strohgäubahn an die Arbeitsplätze in Neuwirtshaus und Zuffenhausen erreicht sowie optimalerweise in der Folge an das Stadtzentrum Stuttgart.“ Der Ditzinger OB Makurath, der vergangene Woche als Einziger im regionalen Verkehrsausschuss dabei war, er ist Mitglied der SPD-Fraktion, will zumindest nicht ausschließen, dass der Salzweg ein Revival erleben könnte.

Eine Wiederbelebung für einen Strohgäubahn-Halt in Feuerbach ist aber nach wie vor nicht in Sicht – aus mehreren Gründen. Im dortigen Bahnhof soll das Gleis 130 für die Anforderungen des S-Bahn-Verkehrs hergerichtet werden. Zudem hat sich der Regionalverband entschieden, die hochfrequentierte S6, die auch in Ditzingen und Korntal hält, mit einer Verstärkerlinie S62 auszustatten, die bis Feuerbach geführt wird. Der Hemminger Schultes Schäfer räumt ein: „Durch diese Taktverdichtung auf angestrebte 7,5 Minuten, die eine bessere verkehrliche Wirkung hat als die Strohgäubahn-Verlängerung, wird unser Unterfangen unmöglich.“

Blieben also die beiden Haltepunkte in Zuffenhausen – und die Frage, wer das bezahlen müsste. Im Kreis Ludwigsburg scheinen sich die Entscheidungsträger bei diesem Punkt einig zu sein: Bestellen müsste der Regionalverband. Nach Ansicht des Schwieberdinger Schultes Lauxmann wäre zudem „ein großer finanzieller Anteil des Landes notwendig“, um weitere Umbauarbeiten sowie die Anschaffung zusätzlicher Züge schultern zu können. „Darüber hinaus müssten wir über das Verhältnis der Kosten zum Nutzen reden“, sagt der Ditzinger Makurath. Den Salzweg hat er vor zwei Jahren mal als Irrweg bezeichnet.

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