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Wo es den Twin-Buggy für 50 Euro gibt

Zwillingsbasar gibt es schon seit zehn Jahren – Großer Andrang im Haus der Christusgemeinde gleich zur Eröffnung

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Zwillinge mal Drei: Der Bedarf für Kleider ist groß. Foto: Andreas Essig

Hemmingen. Der „Zwillingsbasar“ im Haus der Christusgemeinde überzeugt mit Qualität und ist eine Attraktion für Zwillingseltern weit über Hemmingen hinaus.

„Gibt es hier eigentlich was umsonst?“ Die Frage liegt nahe angesichts des Andrangs, der kurz vor Einlass zum Hemminger Zwillingsbasar herrscht. 70 Gezählte stehen hier in den Startlöchern. Eine Mama will „ein paar Sachen für den Winter kaufen“, für die 15 Monate alten Zwillingsmädchen, „Schneeanzüge vorneweg“. Als die Pforten geöffnet werden, braucht es dringend Ellenbogenarbeit.

Klug hat es der werdende Papa gemacht, der schon mit einem Kaffee am Stehtisch ruht: „Da gehe ich nicht rein!“, sagt er energisch, „aber Klamotten macht eh meine Frau.“ Warum er trotzdem dabei ist? „Weil ich fürs Praktische zuständig bin! Aber den Kinderwagen, den wir wollten, den gibt es nur ohne Wanne. Jetzt halte ich mich an den Kaffee. Der ist gut!“

Mehr Glück hat im Untergeschoss Anita Wollny. Sie hat einen Twin-Buggy ergattert, für 50 Euro: „Guter Zustand, top gepflegt, die Räder drehen sich wie Butter!“ sagt die Oma von Zwillingen: „Wenn meine Tochter die Kinder bringt, muss sie ihren Buggy jetzt nicht mehr raus- und reinhieven.“ Klappbett, Laufräder, Kindersitze, Kinderwagen: „Alles muss raus!“, sagt ein 38-Jähriger aus Leonberg. Seine Zwillinge werden fünf, manches passt schon länger nicht mehr. Fast ein Jahr lang hatte er versucht, die Sachen auf Ebay loszuwerden. Vergeblich! Und nun? „Geht weg wie warme Semmeln!“, freut er sich.

Verena Jahnke aus Hochdorf verkauft „nur Sachen, die ich auch selber kaufen würde“. Sie sei auch schon einiges losgeworden. Jetzt sei es etwas entspannter. Zeit also für einen Plausch mit ihrer nach Heimerdingen weggezogenen Freundin, die sie hier zufällig trifft.

Seit zehn Jahren gibt es den Hemminger Zwillingsbasar, zweimal im Jahr wird er im Haus der Christusgemeinde organisiert. Ruth Keck hatte die Idee, „aus eigenem Bedarf heraus“. Mit vier anderen Zwillingsmüttern bildet sie das Organisationsteam. Verkaufen darf nur, wer Zwillinge hat, und um einen Tisch muss man sich bewerben. Für 30 ist Platz, 58 Interessenten gab es: „Eine Minute nach Freischalten war alles vergeben.“ Jetzt überlege man sich „einen anderen Modus“. Kurz vor Schluss resümiert sie: „Heute wurde sehr viel verkauft. Die Leute waren sehr zufrieden.“ Schlecht, dass es demnächst in Kornwestheim ebenfalls einen Zwillingsbasar geben wird? „Nein, der Bedarf ist da.“

Kurz vor Schluss ersteht Marco Friedring noch einen Packen Langarmbodies, zwei Pullover und Hosen für 20 Euro: „Der Winter kommt bestimmt!“ Die Familie Ackermann aus Ludwigsburg hat ihre ein halbes Jahr alten Mädchen vor der Brust und den größten Trubel erst mal verstreichen lassen. Der Vater genießt das „Shopping“: „Wir teilen uns die Arbeit soweit wie möglich. Ich habe Freude dran, ich will sehen, wie meine Kinder wachsen und gedeihen!“

Eine Frau aus Rutesheim hat schon zum sechsten Mal hier einen Stand: „Wir haben richtige Stammkunden, die Kinder in einem kleinen Abstand zu unseren Zwillingen haben. Sie wissen, sie kriegen Qualität und gepflegte Sachen. Ich glaube,“ sagt die Frau, „das ist das Geheimnis, weshalb dieser Basar jedes Mal so ein Riesenerfolg ist.“