Logo

Wo laufen die Schäfermädchen denn?

Strand, Wüste oder doch Stoppelfeld: Das neue Schäferlaufdesign regt in Markgröningen offenbar die Fantasie an

Änderung nach 13 Jahren: Der Schäferlauf kommt jetzt mit neuem Erscheinungsbild daher. Foto: Philipp Schneider
Änderung nach 13 Jahren: Der Schäferlauf kommt jetzt mit neuem Erscheinungsbild daher. Foto: Philipp Schneider

Markgröningen. Als das Markgröninger Rathaus das neue Plakat für den Schäferlauf veröffentlicht, fragen sich in der Stadt anscheinend viele Menschen: „Ja, wo laufen sie denn?“ Das Plakat zeigt plötzlich nicht mehr ein Originalfoto, wie Schäfermädchen über das Stoppelfeld wetzen, sondern eine stilisierte Darstellung in den (Markgröningen-)Farben blau für den Himmel und gelb für – ja was eigentlich?

Im Rathaus meldet sich nach Angaben des Bürgermeisters Rudolf Kürner prompt ein Herr und will wissen, ob die Schäfermädchen ihr Wettrennen auf einmal an einem Strand absolvieren würden. Die leicht wellige Anordnung der gelben Fläche hätte bei ihm diese Assoziation geweckt.

Der SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes witzelte nun am Dienstagabend im Gemeinderat, dass hier wohl ein Wüstenrennen dargestellt werde. „Mal sehen, was der Klimawandel noch so mit sich bringt“, sagte er. „Wir wissen es nicht.“ Die CDU-Stadträtin Sabine Burgi attestierte dem neuen Layout, in der Sprache der Werber: Corporate Design, immerhin „ein sonniges Erscheinungsbild“.

Fernandes freute sich derweil, dass eines der Schäfermädchen einen in seinen Augen SPD-roten Rock auf dem Plakat trage. „Es läuft aber ganz hinten“, warf der Bürgermeister Kürner daraufhin schmunzelnd ein. Für den Fraktionschef der Freien Wähler, Matthias Reutter, war unterdessen schon vor der launigen Debatte im Gemeinderat klar: „Dieses Motiv wird zu Diskussionen in der Bevölkerung führen.“

Zumal der Schäferlauf in Markgröningen eigentlich eine ernste Angelegenheit ist. Änderungen am ältesten Heimatfest weit und breit, das immer rund um den Bartholomäustag am 24. August begangen wird, dürften den Menschen nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden, heißt es aus der Kommunalpolitik. Für eine Reihe von Markgröninger sei es schon schwer zu ertragen gewesen, dass die viertägige Sause in diesem Jahr zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wegen Corona ausfiel.

Zunächst sollte das neue Motiv, das künftig Plakate, Flyer, Anzeigen oder Tafeln schmücken wird, auch schon im März vorgestellt werden. Nun ändert die Stadt Markgröningen das Schäferlaufdesign also jetzt – erstmals seit 13 Jahren. Ausschlaggebend dafür sei vor allem der Kulturerbe-Titel gewesen. Vor knapp zwei Jahren nahm die deutsche Unesco-Kommission den 1445 erstmals urkundlich erwähnten Lauf bekanntlich in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. Die Auszeichnung erlaubt es der Stadt fortan, an prominenten Stellen mit einem Logo dafür zu werben. Der Markgröninger Fachbereichsleiter Frank Blessing: „Das Logo nimmt aber deutlich mehr Platz in Anspruch.“

Im Gemeinderat wird das neue Erscheinungsbild schließlich einstimmig durchgewunken. Blessing hält es für „modern und schwungvoll“. Für den SPD-Fraktionschef Fernandes ist „eine Dynamik erkennbar“. Die FDP, für Farben wie gelb und blau ohnehin offen, attestiert über ihren Ratsherrn Joachim Blank: „Das Plakat sieht gut aus.“

Die Markgröninger GAL hätte sich auch mit wechselnden Schäferlaufmotiven, wie etwa dem Hahnentanz, anfreunden können. Die Rathausspitze will aber nicht noch mehr ändern. Blessing sagte am Dienstagabend: „Das zentrale Element ist und bleibt der Lauf.“

Autor: