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Wo Roboter durch die Halle rauschen

Seit zwei Jahren ist es in Betrieb, das Ludwigsburger Logistik- und Dienstleistungszentrum des Kabelherstellers Lapp. Dort werden Bestellungen von Kunden in aller Welt bearbeitet. Die 120 Mitarbeiter sind auf die ein oder andere Innovation durchaus stolz.

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Im Hochregallager befinden sich besonders große und schwere Kabeltrommeln. Es wird noch klassisch manuell bedient.
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Die Regale in der mittleren Halle werden von den gelben Geräten völlig automatisch bedient. Sie bringen die Trommeln an die für sie vorgesehene Position.
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Ludwigsburg. Diese Weite. Das Logistikzentrum der Lapp Gruppe ist eine imposante Erscheinung, nicht nur von außen, etwa von der Autobahn 81 bei Ludwigsburg-Süd. Auf dem Papier klingen die Dimensionen nüchtern: drei Hallen mit 30 Lkw-Rampen fürs Be- und Entladen, je 100 mal 100 Quadratmeter groß und elf Meter hoch. Selbst der klassische Verweis auf die Größe von mehr als vier Fußballfeldern lässt kaum erahnen, welche Tiefe ein Blick in die Regalräume entfaltet. Die Größe des Gebäudes ist es auch, die immer wieder zum Missverständnis führt, dass Lapp hier seinen Firmensitz habe. Der ist aber in Stuttgart-Vaihingen, nur eben nicht so auffällig. Doch was passiert in Ludwigsburg eigentlich genau?

Vor zwei Jahren eröffnet, ist es nach eigenen Angaben das modernste Dienstleistungs- und Logistikzentrum dieser Art. Die Summe von 50 Millionen Euro sei die größte Einzelinvestition des Unternehmens gewesen, hieß es damals. Die bisherigen Lager in Freiberg und Kornwestheim wurden aufgelöst, und auch Kapazitäten aus dem französischen Forbach nach Ludwigsburg verlagert.

„Ein Hauptlager für Kabel und Leitungen in gängigen Größen sowie Produkten wie Steckverbinder, Kennzeichnungssysteme oder Werkzeuge an einem Ort hat auch für den Kunden Vorteile“, sagt Logistikleiter Joachim Ruck. Zum Beispiel eine schnellere, termingerechte Lieferung. Wer bis 18 Uhr bestellt, hat seine Waren garantiert binnen 24 Stunden. Viele Kunden bekommen nun eine einzige Lieferung mit allen bestellten Produkten. Früher wurden durch die unterschiedlichen Standorte oft mehrere Pakete versandt. Für Lapp selbst entfallen nun zahlreiche firmeninterne Lkw-Fahrten.

Der Standort Ludwigsburg zählt 120 Beschäftigte, Tendenz steigend. Großteils sind es Lageristen und Logistikfachkräfte, die das Unternehmen selbst ausbildet, aber auch Spezialisten wie Mechatroniker, Mitarbeiter mit Softwarekenntnissen sowie Speditionskaufleute im Versand.

Herzstück ist die mittlere Halle, das automatische Trommellager, erklärt Standortleiter Gerd Michler. Bis zu 70 000 Kabeltrommeln mit einem Durchmesser von 40 bis 80 Zentimetern sind dort untergebracht. Gabelstapler bringen die Trommeln zu einem Förderband, an dem vier Übergabestationen bereitstehen. Von da an läuft alles automatisch.

Ermöglicht wird dies durch zwei Innovationen, die sich Lapp patentieren ließ, so Michler. Zum einen sind das spezielle Greifarme, sogenannte Dorngreifer, die ins mittlere Loch der Kabeltrommel fahren und sich innen zum Anheben aufspreizen. Das eigentliche Produkt, das Kabel, wird dabei gar nicht mehr berührt. „Das vermeidet Beschädigungen, die beim Transport mit Gabelstaplern passieren können“, so Michler. Patent zwei ist eine von Mitarbeitern entwickelte Systempalette aus Kunststoff, auf die die Kabeltrommeln sicher und stabil zum Weitertransport gesetzt werden. Sie ermöglicht es, die Trommeln immer präzise zu platzieren – und schafft damit die Voraussetzung dafür, viele Prozesse im Logistikzentrum zu automatisieren.

Auch die Zuordnung im Lager selbst läuft vollautomatisch mittels Lichtschranken und RFID-Technik – einem Codierungssystem mit Magnetwellen, das die in der Logistik verbreiteten Barcodes ersetzen kann. Zwischen den 18 Regalgassen sausen Bediengeräte mit den Trommeln an die vorgesehene Position oder holen sie wieder ab. Das spart zusätzlich Platz. Früher mussten für die Gabelstapler die Gänge bis zu vier Meter breit sein. Jetzt genügen 1,20 Meter.

In Halle drei befindet sich das Standard-Palettenlager mit Platz für 17 000 besonders große und schwere Kabeltrommeln – ein klassisches, von Menschenhand bedientes Lager. Im automatischen Ringlager in Halle eins gibt es noch mal gut 8000 Plätze. In dieser Halle wird je nach Bestellung abgelängt, verpackt und gelabelt. Pro Stunde können hier nahezu 600 verschiedene Ringe versandfertig gemacht werden. „Das Kundenspektrum reicht vom kleinen Elektriker bis zum Weltkonzern“, so Michler. Und zwar branchenunabhängig. Denn Lapp-Produkte kommen in fast jeder Anwendung zum Einsatz, bei der Daten oder Strom getauscht werden müssen.

Ebenfalls in Halle eins grüßt die moderne Arbeitswelt mit fahrerlosen Transportsystemen – Stichwort Industrie 4.0. Neun Maschinen, die mit einer autonomen Navigationseinrichtung ausgerüstet sind, bringen die Kabeltrommeln zur Ablängerei, wo die Mitarbeiter die Trommeln bearbeiten, und transportieren sie zu den Förderbändern zurück. Die Roboter bremsen, sobald sich ein Mensch nähert. Das sei absolut sicher, noch nie sei etwas passiert, so Michler. Überhaupt habe die zunehmende Automatisierung dazu geführt, dass die Arbeit in der Logistik körperlich nicht mehr so anstrengend sei und attraktiver werde. „Weil man schwere Dinge heben musste, ist die Branche traditionell männerlastig.“ Lapp habe zuletzt in Ludwigsburg immer mehr weibliche Mitarbeiter eingestellt.