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Wohnraum für mehr als 1000 Bürger

Rahmenplan für das ehemalige Werzalit-Gelände – Zwei Kindertagesstätten und ein Pflegeheim vorgesehen

Auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände entsteht das Neubaugebiet Bottwarwiesen.Foto: Andreas Becker
Auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände entsteht das Neubaugebiet Bottwarwiesen. Foto: Andreas Becker

Oberstenfeld. Der Oberstenfelder Gemeinderat hat den Rahmenplan zur Entwicklung eines Neubaugebiets auf dem ehemaligen Werzalit-Gelände beschlossen. Auf zwölf Hektar soll Wohnraum für 1275 Bürger, zwei Kitas und ein Pflegeheim entstehen.

„Es ist DAS Thema, das die Gemeinde Oberstenfeld über Jahre mehr als alles andere beschäftigen wird“, verdeutlichte Bürgermeister Markus Kleemann die Bedeutung des Projekts. Mehrmals ist der Einstieg in die Planung verschoben worden, da Verwaltung und Gemeinderat die Bevölkerung umfassend beteiligen wollten. „Da machte uns die Coronapandemie einen deutlichen Strich durch die Rechnung“, bedauerte er.

„Für die Gemeinde ergibt sich eine einmalige Chance, ein Gebiet dieser Größe zu entwickeln“, sagte Bauamtsleiterin Melanie Zimmer. Die Hälfte des durch die Bottwar zweigeteilten Areals ist für Wohnen, je ein Viertel für gemischt genutztes Gewerbe und für Gewerbe vorgesehen – mit einem Spielraum von zehn Prozent. Die Umsetzung soll in einzelnen Bauabschnitten erfolgen, wobei der Bau eines Pflegeheims mit 40 Plätzen laut Zimmer wohl schon im ersten Realisierungsabschnitt erfolgt, da der Kreispflegeplan einen Bedarf ausweist.

Wichtig ist weiter, dass mit einem Bautypen-Mix die unterschiedlichen Wünsche, und finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt werden. Vorgesehen sind je 6,5 Prozent für freistehende und verdichtete Bauformen (etwa Reihenhäuser) sowie 87 Prozent für Geschosswohnungsbau, der auch betreutes Wohnen mit einschließt. Unter dem Strich rechnen die Planer mit etwa 30 Reihenhäusern und 30 Mehrfamilienhäusern à zehn Wohnungen. Für 150 Personen mit Wohnberechtigungsschein soll verbilligter Wohnraum geschaffen werden. Auch besondere Wohnformen wie Mehrgenerationen-Wohnen stehen auf der Wunschliste für einzelne Baufenster.

Wie berichtet, werden vier Stadtplanungsbüros im konkurrierenden Verfahren auf der Grundlage des Rahmenplans ihre Ideen entwickeln.

Redebedarf gab es beim Punkt Verkehrserschließung, für die das Stuttgarter Ingenieurbüro Karajan das Plangebiet untersucht hat. Auf der L1100 im Bereich Oberstenfeld werden demnach pro Tag durch die Neubebauung im Zwischenzustand (2025) 1500 zusätzliche Fahrzeuge und zum Endzustand (2035) 5000 zusätzliche Fahrzeuge erwartet. 13000 Fahrzeuge pro Tag sind es heute in der Abendspitzenstunde. Bei den Prognosen ist die Bottwartalbahn nicht berücksichtigt – hier wäre mit Verlagerungseffekten von Kfz auf die Bahn zu rechnen.

Die Knotenpunkte K1 und K2 (Gronauer Straße und Lichtenberger Straße) auf der L1100 hält Dr. Jürgen Karajan zunächst für ausreichend leistungsfähig. Allerdings könnte es im Endzustand zu Engpässen, das heißt mehr Wartezeiten und Rückstaus kommen. Kreisverkehre sind seiner Einschätzung nach zwar möglich, er empfiehlt wegen der fehlenden Steuerungsmöglichkeit des Verkehrsabflusses aber den Ampel-Ausbau. Durch optimierte Fußgänger- und Radquerungen soll eine attraktive Verbindung zwischen den „Bottwarwiesen“ und dem Ortskern entstehen. Das Neubaugebiet soll über zwei von der Bottwar getrennte Ringstraßen zu erreichen sein. Querungen über die Bottwar ist laut der Planer-Empfehlung nur für Fuß- und Radverkehr vorzusehen, wodurch attraktive Achsen im Neubaugebiet, zum Ortskern Oberstenfeld, zum Wohngebiet „Hauäcker“/„Am Wiesenrain“ und zur Bushaltestelle „Lichtenberger Straße“ entstehen.

Freie Wähler-Rat Michael Meder äußerte sich als „Freund von Kreisverkehren“ skeptisch, ob im untersuchten Abschnitt Lichtsignalampeln wirklich effektiver seien. Über die Gronauer Straße komme man heute schon normalerweise nicht bei Grün rüber. Auch SPD-Ratsherr Rolf Lutz klang von einer Ampellösung noch nicht überzeugt. Er dankte aber „allen, die das Projekt vorangetrieben haben“. CDU-Rat Oliver Beck wünschte sich mit Blick auf die heute schon teilweise langen Wartezeiten bei der Querung ein ausgereiftes Konzept für eine „richtig gute Anbindung“ an die Ortsmitte. Insgesamt aber waren alle zufrieden.

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