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Wohnungen sind nun barrierefrei

Gemeinde investiert 3,2 Millionen Euro in die Sanierung – Zuschuss von Land und Bund – Herausforderung Küchen

Das heutige Stiftsgebäude stammt aus dem Jahr 1713. In den Wohnungen sind Böden, Fenster und Küchen neu (rechts oben). Auch der Naturstein wurde gereinigt, wie Volker Wanner (links) Bürgermeister Markus Kleemann erklärt (unten Mitte). Der Katharinens
Das heutige Stiftsgebäude stammt aus dem Jahr 1713. In den Wohnungen sind Böden, Fenster und Küchen neu (rechts oben). Auch der Naturstein wurde gereinigt, wie Volker Wanner (links) Bürgermeister Markus Kleemann erklärt (unten Mitte). Der Katharinensaal dient gerade noch als Stuhllager, später aber wieder als Trauzimmer (rechts unten). Foto: Andreas Becker
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OBERSTENFELD. Kleine Steinchen auf den Balkons, fehlende Übergänge von Fassade zu Balkon und fehlende Sockelleisten in den Zimmern: Es sind noch kleine Schönheitsreparaturen, die fehlen, aber eben nur kleine Makel. Sonst hat sich die Investition von 3,2 Millionen Euro für die Sanierung des denkmalgeschützten Stiftsgebäudes gelohnt.

Neben der Stiftskirche und Burg Lichtenberg ist es das ortsbildprägende Gebäude in Oberstenfeld: das Stift, im Jahr 1016 als Wohn- und Rückzugsort – nicht Kloster! – für adlige Damen gegründet und inzwischen ein Seniorenheim. Das Stiftsgebäude ist natürlich nicht über 1000 Jahre alt: Es wurde im Jahr 1713 über den Kellern der Vorgängergebäude errichtet. Nach der Einweihung der betreuten Wohnungen 1993 war eine Sanierung nötig: Manche Wohnungen waren nicht barrierefrei, nur in einigen war eine Küchenzeile vorhanden, manche Bewohner hatten selbst einen Herd mitgebracht. Auch der Aufzug machte Zicken.

Also entschied sich der Gemeinderat für eine Sanierung. „Es gab aber auch Diskussionen, einige Gemeinderäte wollten die Sanierung nicht, um zu sparen“, erzählt Bürgermeister Markus Kleemann, der immer wieder auf die identitätsstiftende Funktion hinwies. Etwas leichter machte die Entscheidung der Zuschuss von 1,6 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“.

Alle Wohnungen erhielten neue Fenster, neue Böden, neue Heizungen, neue Türen und neue Bäder, das alte Gebäude wurde entkernt, es gab Decken- und Wanddurchbrüche. Im Dachgeschoss wurde die Zahl der Wohnungen reduziert. „Die waren durch die Dachschräge sehr unattraktiv, inzwischen gehören sie zu den begehrtesten“, sagt Kleemann. Insgesamt sind es jetzt 21 Wohnungen.

Die zwei Jahre dauernde Sanierung betreute der ehemalige Bauamtsleiter Volker Wanner, der die Aufgabe auch in seinem Ruhestand noch zu Ende bringen wollte. „Es war eine Herausforderung“, sagt er kurz vor Abschluss der Arbeiten. Immerhin mussten die Wohnungen im laufenden Betrieb saniert werden, die Bewohner zunächst aus dem rechten Gebäudeteil aus- und nach der Sanierung wieder einziehen. Knapp 30 Firmen mussten unter einen Hut gebracht werden, und dann musste auch noch spontan und individuell auf die Tücken eines alten Gebäudes reagiert werden. „Ein paar graue Haare hat es schon gekostet, aber jetzt ist es schön“, freut sich Wanner.

Dies zeigt sich beim Gang durchs Haus. Von außen wirkt das Gebäude wie neu, die Fassade wurde neu in Beige gestrichen, der dunklere Sandstein abgestrahlt, von Salpeter befreit, und mit Patina versehen. Die Holzläden wurden dunkelrot gestrichen, wo neue Balkone mit hohen Terrassentüren angebaut wurden, wurden auch neue rote Läden montiert. Die Briefkastenanlage wurde nach innen verlegt und stört nun nicht mehr die Postkartenansicht des Gebäudes.

Der Katharinensaal im Erdgeschoss wird derzeit als Stuhllager genutzt, ist aber mit seinen Stuckdecken ein wahres Schmuckstück, das als Trauzimmer genutzt wird. Die nicht ganz stimmigen Lampen – Kronleuchter wären schön – aus den 1990er-Jahren bleiben allerdings hängen. „Die waren damals sehr teuer, sie haben 2500 Mark gekostet“, erklärt Wanner.

Die bestehenden Parkettböden im Eingangsbereich wurden abgeschliffen und neu versiegelt. Richtig schick mit Laminat und neuer Küchenzeile sind die Wohnungen geworden, in den Bädern sind klassisch helle Fliesen an den Wänden und dunkle für den Boden verlegt.

Vor allem die obersten Wohnungen waren eine Herausforderung. Der ehemalige Flur ist als zusätzliche Wohnfläche integriert worden, wodurch sie jetzt größer sind. Die Installationen waren vor allem wegen der unterschiedlich tiefen Wände und Decken eine Aufgabe: „Wenn man bohrt, kommt man nicht da an, wo man denkt“, so Wanner. Die Küchen mussten teilweise ums Eck gebaut werden.

Die 21 Wohnungen sind bereits alle vergeben, für die Vergabe wurden Kriterien festgelegt, zum Beispiel das Alter, der Behindertengrad, die Bedürftigkeit, aber auch das ehrenamtliche Engagement. Für 44 Quadratmeter muss man 412 Euro Miete bezahlen, zuzüglich 22 Euro für einen Balkon. Den traumhaften Blick von manchen Wohnungen auf die Burg Lichtenberg und den Ort gibt es aber ganz umsonst!

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