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Zähe Gespräche mit der Bahn

Landrat Dietmar Allgaier hat mit der Bahn erste Gespräche über einen Kauf der Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen geführt. Dabei wird klar: Zunächst müssen die Projektpartner im Kreis einig werden, was sie wollen.

Die Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen soll als erstes reaktiviert werden. Archivfoto: Alfred Drossel
Die Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen soll als erstes reaktiviert werden. Foto: Alfred Drossel
Dietmar Allgaier (0 71 41) 130 323
Dietmar Allgaier (0 71 41) 130 323

Kreis Ludwigsburg. Auf diesen Termin blickten die Kreisräte mit großen Erwartungen. Im vergangenen Monat hatten die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik und später auch der Kreistag Landrat Dietmar Allgaier beauftragt, mit der Deutschen Bahn über den Kauf oder die Verpachtung der stillgelegten Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen, zu verhandeln. Hier soll ein Vorlaufbetrieb für die Stadtbahn eingerichtet werden. Denn allen ist klar – die Reaktivierung dieser Strecke ist am schnellsten zu bewerkstelligen. Außerdem winkt eine weitere Förderung durch das Land für den Betrieb, wenn man jetzt ganz schnell die Züge auf die Gleise schiebt.

Allgaier, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht und sein Baubürgermeister Michael Ilk berieten am 28. Juli im Kreishaus mit Thorsten Krenz, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn im Südwesten sowie Thomas Kaspar, Bereichsleiter bei der DB Netz, wie eine Lösung für die Reaktivierung der Strecke aussehen könnte.

Für die Bahn ist es ein Novum, dass Kreis und Stadt die Gespräche gemeinsam führen. Das war in der Vergangenheit nur ganz selten der Fall. Laut Allgaier machte Krenz in dem Gespräch deutlich, dass es für die Bahn zwei Optionen gibt: Zum einen eine Zusammenarbeit, wenn die Strecke nach Bahnordnung betrieben werden solle. Dann würde die Verbindung weiter in Besitz der DB Netze bleiben. Zum anderen eine Verpachtung oder Verkauf, wenn sich der Kreis und die Anrainerkommunen dafür entscheiden, eine Straßenbahn dort fahren zu lassen. Dies müsse im Vorfeld geklärt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt, das stellte Krenz laut Allgaier klar, wird es keinen Verkauf geben. Die Bahn sei aber offen für weitere Gespräche und signalisierte Interesse, das Projekt eventuell gemeinsam voranzutreiben.

Allgaier sieht damit seine Position bestätigt. Er fordert, dass spätestens im Herbst im Kreistag festgelegt wird, wie es jetzt weitergehen soll. „Wir müssen entscheiden, ob wir wie ursprünglich beschlossen, eine Niederflurstadtbahn fahren lassen – wenn nötig mit der Zweisystemtechnik wie in Karlsruhe.“ Oder ob man die Reaktivierung nach der Bahnordnung vornehmen will. Dies hat unter anderem die Stadt Markgröningen gefordert. In einem Gemeinderatsbeschluss vom Frühjahr 2019 heißt es, dass der Betrieb nach der Eisenbahnordnung weiter gewährleistet werden muss. Dennoch hatte Markgröningen auch der Niederflurbahn zugestimmt.

Für Allgaier ist in der Debatte zentral, ob die Realisierung des Teilprojektes mit der Strecke Ludwigsburg-Markgröningen, die Förderfähigkeit der gesamten Stadtbahnplanung gefährdet. Dazu wird es möglichst noch vor Ende des Sommers ein Gespräch mit dem Verkehrsministerium geben. „Ich werde auf keinen Fall einer Lösung zustimmen, die das Stadtbahnprojekt gefährdet“, ist Allgaier unmissverständlich. Es gehe dabei nicht nur darum, eine Verbindung zwischen Ludwigsburg und Markgröningen herzustellen. „Das könnte man notfalls auch als interkommunale Vereinbarung realisieren“, so der Landrat. Für ihn ist auch die Stadtbahnführung in der Stadt Ludwigsburg ein zentraler Teil der Planung. Dabei schwingt die Sorge mit, dass Ludwigsburg sich am Ende doch auf eine Buslösung zurückziehen könnte, wenn einmal die Bahn zwischen dem Bahnhof und Markgröningen pendelt. Außerdem will er nicht, dass Remseck abgehängt wird. Denn die eigentliche Idee war von Anfang an, dass die Stadtbahn von Remseck über Ludwigsburg und Möglingen bis nach Markgröningen fährt. So wurde die Förderung des 220-Millionen-Euro-Projektes auch vom Bund in Aussicht gestellt. Immer wieder wird ins Spiel gebracht, dass es für Remseck ausreichend sei, wenn es eine Verlängerung der Stadtbahn von Stuttgart bis nach Pattonville gebe. Es muss dabei aber auch die Frage beantwortet werden, ob sich dies für die SSB als Betreiber überhaupt rentiert, wenn es keine weitere Verbindung nach Ludwigsburg gibt.

Im Moment haben fast ausschließlich die Politiker das Wort. Allgaier wünscht sich, dass bald auch die Techniker wieder eingebunden werden. „Wir dürfen nicht nur diskutieren, sondern brauchen auch Fakten, ob das alles so machbar ist.“ Ein wichtiger Schritt dorthin ist die Gründung des Zweckverbandes im Herbst. Gesucht wird schon jetzt ein Geschäftsführer, der dann als Taktgeber in der Debatte fungieren kann.

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