Logo

Zeitweise etwas Zukunft herholen

Mit dem Projekt „Pop-Up-Innenstadt“ sollen Straßen und Plätze neu belebt werden – Wilhelmstraße für zwei Tage gesperrt

Die Stadt hat verschiedene Gebiete ausgemacht, in denen Aktionen stattfinden können. Auch Bürger dürfen sich mit Ideen beteiligen. Grafik: Stadt Ludwigsburg/LKZ
Die Stadt hat verschiedene Gebiete ausgemacht, in denen Aktionen stattfinden können. Auch Bürger dürfen sich mit Ideen beteiligen. Foto: Stadt Ludwigsburg/LKZ

Ludwigsburg. Berlin hat es schon vorgemacht. Da wurden in Coronazeiten Straßen und Plätze temporär für Spiele und Sport umgewidmet, sie wurden den Bürgern und damit dem Leben in der Stadt zugeschlagen. Was so alltäglich klingt, beschäftigt viele Städte: Wie können sie auf den Klimawandel reagieren? Müssen sich Städte verändern? Wie sieht es nach Corona mit dem Einzelhandel aus? Der Bund hat dazu ein Programm aufgelegt, Ludwigsburg ist von 222 Bewerbern eine der 13 Kommunen, die mit ihrer Idee gefördert werden.

Ziel des Ludwigsburger Projekts „Pop-Up-Innenstadt“ ist es, sich den Herausforderungen zu stellen und – allerdings zeitlich begrenzt – manches im öffentlichen Raum auszuprobieren. Gedacht ist an Sport- und Kulturaktionen über die Sommermonate, der Schiller- und Arsenalplatz soll aufgewertet werden. Planungen und weitere Entwicklungen, die nötig sind, sollen „sichtbar gemacht“ werden, so die Projektplaner im städtischen Bürgerbüro Bauen. Sichtbar sollen auch Überlegungen zur Bus-Rad-Trasse oder zur weiteren Nutzung des Franck-Areals werden. Wasserelemente, mehr Grün und Ideen der Bürger werden eine Rolle spielen.

Das alles soll „dazu einladen, sich in der Innenstadt aufzuhalten“, erklärt Joanna Wilke vom städtischen Team Stadtentwicklung und Stadterneuerung dem Gemeinderat in seiner Sitzung. Erste Aktionen seien schon dieses Jahr geplant, das Projekt läuft bis 2024.

Der Arsenalplatz ist ein zentraler Angelpunkt, ein Teil des Platzes soll in diesem Jahr begrünt werden, auch Sitzmöglichkeiten werden aufgestellt. Zuletzt hatte der Gemeinderat beschlossen, den gesamten Platz entsprechend dem Wettbewerb ZIEL (Zentrale Innenstadtentwicklung) umzugestalten. Der Siegerentwurf sieht ein Wäldchen aus chinesischen Blauglockenbäumen vor, der Parkplatz verschwindet. Weil es die Finanzen nicht zulassen, soll eine provisorische Umgestaltung 2023 folgen. Die Aktion Pop-Up-Innenstadt greift dem etwas vor.

Aktuell muss die Stadt allerdings auch die weitere Entscheidung über das Projekt ZIEL (Zentrale Innenstadtentwicklung) und die konkrete Ausgestaltung des Arsenal- und Schillerplatzes verschieben. Am vergangenen Freitag hätten eigentlich eine Fachjury und der Ausschuss für Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften die überarbeiteten Entwürfe der drei Preisträger-Büros bewerten sollen. „Aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen“ hat die Stadt die geplante Sondersitzung erneut abgesagt und in den Herbst verschoben, wie sie mitteilt.

Ein weiterer Ansatzpunkt des Pop-Up-Projekts ist die Bus-Rad-Trasse, die durch die Innenstadt führt. Derzeit kümmern sich Ingenieurbüros um konkrete Planungen für die einzelnen Abschnitte. Verschont bleibt bei dem Projekt denn auch nicht die Wilhelmstraße. Sie soll an zwei Sonntagen für den Autoverkehr gesperrt werden und, sofern dies in der Pandemie möglich ist, zusammen mit Einzelhandel und Gastronomie belebt werden. Möglicherweise wird die Wilhelmstraße auch zur Tempo-20-Zone.

Plätze, die sich im Sommer aufheizen, sollen mehr Grün erhalten. Zusammen mit der Gemeinde der Friedenskirche wird auf dem Karlsplatz ein Vorplatz gestaltet, der zum Aufenthalt einlädt. Bäume, Büsche und Hochbeete sollen aufgestellt werden, mehrere Parkplätze entfallen, um Kindern einen Spielbereich zurückzugeben. Die Kirche wird verschiedene Aktionen anbieten. Das kleine Projekt soll letztlich ein Fingerzeig dafür sein, was der Karlsplatz sein könnte – eben mehr als ein Parkplatz. Die Idee wird auch in Zukunft virulent bleiben und auch die Stadtplaner weiterhin beschäftigen. Schließlich hatte Ludwigsburgs OB Matthias Knecht schon mehrfach darauf verwiesen, dass der Karlsplatz mehr bieten müsse als bisher.

Das gesamte Programm, für das die Stadt 300000 Euro vom Bund erhält, soll auch im Austausch mit den Bürgern diskutiert werden. Am Schillerplatz werden dazu ab Mai Infotafeln aufgestellt, dort und auf der Internetseite meinLB.de kann man sich einbringen. Das Projekt wird online begleitet und aufgearbeitet.

Obwohl keine Pflichtaufgabe, wie Linken-Stadtrat Jürgen Müller anmerkte, gab es im Gemeinderat doch vorwiegend Lob für das Engagement. „Öffentliche Erholungsräume werden immer wichtiger“, befand Silke Gericke (Grüne), die sich gleich bereit erklärte, sich beim Karlsplatz auch ganz praktisch einzubringen. Das Projekt eigne sich dazu, auch manches im Bereich Mobilität zu testen. „Die Pandemie hat die Probleme offengelegt“, befand Edith Klünder. Die CDU-Stadträtin möchte mehr die Einzelhändler und Gastronomen berücksichtigt wissen. Weniger begeistert ist sie von der Sperrung der Wilhelmstraße. Als „spannend“ bezeichnete Reinhard Weiss (Freie Wähler) das Vorhaben, „neugierig“ ist Stefanie Knecht (FDP), „reizvoll“ findet es Dieter Juranek (SPD), der die Wilhelmstraße zu „einer der überflüssigsten Durchgangsstraßen“ erklärte.

Autor: