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Zu teuer und wenig nachhaltig?

Antrag von Grünen und SPD wird im Gemeinderat diskutiert – In Bauklausur soll weiter beraten werden

Tiny Houses benötigen wenig Platz, sind aber teuer und wie normale Häuser geltendem Baurecht unterworfen. Foto: ParamePrizma /stock.adobe.com
Tiny Houses benötigen wenig Platz, sind aber teuer und wie normale Häuser geltendem Baurecht unterworfen. Foto: ParamePrizma /stock.adobe.com

Erdmannhausen. Kleine, leicht versetzbare, auch Tiny Houses genannte Modulbauten für junge Berufsstarter, die in ihrem Heimatort keine bezahlbare Wohnung finden? Eine Idee, die ihre Tücken hat, wie jetzt die Sitzung des Gemeinderates zeigte. Der Antrag von Grünen und SPD, mit einer Planungsrate von 40000 Euro im diesjährigen Etat in das Vorhaben einzusteigen, wurde kontrovers diskutiert. Eine Ratsmehrheit für ein solches Projekt scheint jedenfalls wenig wahrscheinlich, weshalb SPD und Grüne schließlich auch nicht auf eine Entscheidung drängten. Der Ende Februar eingebrachte Antrag wurde also lediglich beraten, in der Bauklausur soll weiter diskutiert werden.

Ein Angebot des örtlichen Unternehmers Martin Probst ließ dabei aufhorchen. Seine Familie verfüge über ein 5,6 Ar großes Grundstück in der Bahnhofstraße. Sie wäre bereit, dieses für fünf Jahre für ein solches Tiny-House-Projekt zur Verfügung zu stellen, so Probst. Er könne sich eine solche privatwirtschaftliche Lösung vorstellen, meinte Bürgermeister Marcus Kohler. Das war auch indirekt eine Absage an ein von Grünen und SPD gefordertes finanzielles Engagement der Gemeinde.

Die nochmals von Grünen-Gemeinderätin Marina Glees-Brück vorgestellte Idee: Die Gemeinde pachtet für fünf bis zehn Jahre bereits erschlossene, aber unbebaute Privatgrundstücke und erstellt dort mobile, in die Erde verankerte Minihäuser nach neusten Standards. Als geeignet für ein Pilotprojekt nannte sie das Gemeindegrundstück in der Kirchenfeldstraße neben dem Friedhof.

Nur ein Haus pro Grundstück

Die Tücken eines solchen Vorstoßes liegen im Detail. Haupt- und Bauamtsleiterin Larissa Claus verwies auf das Baurecht. Auch für Tiny Houses werde eine Genehmigung gebraucht, und was für Wohnhäuser gelte, treffe ebenfalls auf Tiny Houses zu. Sie nannte als Beispiel die Schaffung von Stellplätzen für Autos und Fahrräder. Außerdem müsse ein solches Vorhaben dem Bebauungsplan entsprechen. So dürfe das Grundstück am Friedhof gar nicht bebaut werden, und örtliche Bebauungspläne sehen nur ein Haus pro Grundstück vor. Larissa Claus bezifferte die Kosten für ein 29 Quadratmeter großes Tiny Haus für zwei Personen auf rund 140000 Euro, wobei in dieser Summe noch nicht die Ausgaben für Transport, Montage und Baugenehmigung enthalten seien. Was die Nutzung der Baulücken im Ort angehe, werde eine Umfrage unter Grundstückseigentümern gestartet. Larissa Claus verwies dabei auf die Stadt Schorndorf, die lediglich ein schmales, für andere Bauten nicht geeignetes Grundstück für Tiny Houses zur Verfügung stellt. Alles andere sei privatwirtschaftlich gelöst. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Berufsstarter hielt Bürgermeister Marcus Kohler generell für eine tolle Idee, aber das könne auch Geschosswohnungsbau sein. Tiny Houses erachtete Kohler nicht als nachhaltig.

Sechs-Familien-Haus wirtschaftlicher

„Wir wollten eine Debatte anstoßen, wie wir es hinbekommen, mehr Wohnraum zu schaffen“, sagte SPD-Rat Hans-Georg Götz. Es gebe in der Gemeinde zu viel unbebaute Grundstücke, gab Grünen-Rätin Martina Glees-Brück zu bedenken. Auf die hohen Kosten für ein Tiny House verwies Uwe Förster von den Freien Wählern und begrüßte einen privatwirtschaftlichen Ansatz. Das kurz vor der Fertigstellung stehende Sechs-Familien-Haus mit bezahlbaren Wohnungen in der Piemonteser Straße sei da deutlich wirtschaftlicher, so Förster. Der Hintergrund: Wie Kämmerer Eberhard Immel auf Nachfrage unserer Zeitung informierte, kostet das soziale Wohnungsbauprojekt 1,2 Millionen Euro, die Kommune erhält dafür eine Fördersumme von mehr als 500000 Euro, was Ausgaben pro Wohnung von rund 112000 Euro bedeutet. Die Idee mit den Tiny Houses habe Charme. Doch ein kleines Haus auf einem großen Grundstück sei problematisch, meinte CDU-Rätin Vanessa Gruber. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Kleinknecht sprach von einer verheerenden Energiebilanz.

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