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Zu viele Jubilare, zu wenig Zeit

Immer mehr Menschen werden immer älter – und das stellt auch manche Verwaltung vor Herausforderungen, wenn es um eine angemessene Beachtung des Ehrentags geht.

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Ditzingen. Wenn der OB, Bürgermeister oder Ortsvorsteher zum Gratulieren vorbeischaut, ist das für viele Betagte eine große Ehre und Freude. Mit Blick auf ihre wachsende Aufgabenfülle und die zunehmende Zahl der 80-Jährigen wollte die Ditzinger Stadtverwaltung nun gerne kürzer treten und erst ab 85 Jahren persönlich gratulieren. Über eine entsprechende Änderung der Richtlinien über Glückwünsche und Ehrungen beriet der Ausschuss Finanzen, Kultur und Soziales – und machte der Verwaltung mit seiner Ablehnung kein Geschenk.

Die Stadtverwaltung hatte als Grund für ihren Antrag nicht allein den zeitlichen Aufwand durch die steigende Zahl der 80-Jährigen angegeben. Die Altersgruppe sei heute ja weitaus mobiler als früher, sprich, nicht unbedingt zu Hause erreichbar, um einen Termin für einen Besuch zu vereinbaren. Oft seien mehrere Anrufe nötig. Danach müsse jemand gefunden werden, der Zeit habe. Und ein Geschenk oder Blumenstrauß organisiert werden.

Der Ratsherr Wolfgang Gommel plädierte im Namen der CDU-Fraktion dafür, bei der bisherigen Regelung zu bleiben. Es steige ja nicht nur die Zahl der Jubilare, sondern auch derer, die keine Ehrung wünschten. Zudem ruhe die Aufgabe nicht allein auf einer Schulter, wenn man alle stellvertretenden Ehrenamtlichen dazurechne. „Es ist auch eine Art der Bürgernähe, wenn die Stadt sich hier weiter zeigt.“

UB-Ratsherr Dieter Schnabel schloss sich seinem Vorredner an. „Es sind einfach Leute, die sich riesig freuen, wenn Bürgermeister oder Stadtrat kommen. Die sprechen noch vier Wochen später drüber“, sagte er und blickte hinüber zu Bürgermeister Ulrich Bahmer, der fast rote Ohren bekam. „Lasst es, wie es ist, das müssen wir schaffen“, schloss Schnabel.

Durchaus kontrovers habe man das Thema in der SPD-Fraktion diskutiert, räumte deren Vorsitzende Sabine Roth ein. Vielleicht sei der Zeitpunkt aber noch zu früh. Wenn man die Richtlinien änderte, sollte man aber Vorlauf gewähren. „Es gibt Leute, die freuen sich jetzt schon auf einen Besuch.“ Die Freie Wählerin Iris Ehinger merkte noch an, dass die Besuche auch für sie selbst eine Bereicherung bedeuteten.

Dem Verwaltungsantrag stimmten nur Wolf-Dieter Karle (FDP), Frank Hagenlocher (Freie Wähler) und OB Michael Makurath zu. Manfred Grossmann (Freie Wähler) und Andreas Birkefeld (Grüne) enthielten sich.

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