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Zug um Zug ins Stadtbahnglück

Das Stadtbahnprojekt im Kreis schleicht nach Einschätzung des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) dem Fahrplan rund zwei Jahre hinterher. Der Landesvorsitzende Matthias Lieb fordert nun, die Markgröninger Bahn rasch zu reaktivieren. Was müsste noch getan werden?

Eine Stadtbahn hält am Zentralen Omnibusbahnhof in Ludwigsburg: Ein Aktionsbündnis aus VCD, BUND und ADFC will die Niederflurzüge aus Markgröningen und Möglingen durch die Weststadt über eine neue Keplerbrücke in die Innenstadt führen. Fotomontage: W
Eine Stadtbahn hält am Zentralen Omnibusbahnhof in Ludwigsburg: Ein Aktionsbündnis aus VCD, BUND und ADFC will die Niederflurzüge aus Markgröningen und Möglingen durch die Weststadt über eine neue Keplerbrücke in die Innenstadt führen. Fotomontage: Werner Bischof (p)

Kreis Ludwigsburg. Der Markgröninger Bahnsachverständige Rainer Christmann hat in seinem Berufsleben nach eigenen Angaben aus nächster Nähe erlebt, wie vier stillgelegte Trassen erfolgreich wiederbelebt worden sind – nur auf eine Strecke wartet er bislang vergeblich: Auf die vor seiner Haustür nach Ludwigsburg, der Gutachter des Landes im vergangenen Herbst ein phänomenales Fahrgastpotenzial bescheinigt haben.

Als Geburtshelfer der Markgröninger Bahn kommt Christmann, Jahrgang 1948, aus Altersgründen wohl nicht mehr infrage. Auf einer Onlineveranstaltung des VCD am Donnerstagabend forderte der Fachmann aber, die Trasse schnell zu reaktivieren. „Wenn jetzt ewig weiterdiskutiert wird, passiert nichts.“ Christmann hält es für realistisch, dass auf den vorhandenen Gleisen 2023 Züge fahren könnten.

Er ist damit auf einer Linie mit dem VCD-Landeschef Matthias Lieb. Der erinnerte daran, dass im Landkreis seit mehr als 30 Jahren über eine Stadtbahn von Markgröningen über Möglingen bis Ludwigsburg und Remseck debattiert wird – und schon mehrfach ein Durchbruch in Aussicht stand. Zum Beispiel 2018, als der Kreis und die Anlieger im Verkehrsministerium eine Verständigung unterzeichnen. Oder vor kurzem, als der Landrat Dietmar Allgaier verkündet, dass die Strecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg langfristig gepachtet werde.

Den Projektpartnern wirft Lieb vor, dass seit der Verständigung im Ministerium vor rund zweieinhalb Jahren im Landkreis zwar weiter fleißig diskutiert worden sei, „ohne dass das Stadtbahnprojekt aber konkreter geworden ist“. Ursprünglich sollten bereits die Planungen beauftragt sein und eine standardisierte Bewertung vorliegen. Das sei aber nicht der Fall. „Das Vorhaben liegt zwei Jahre hinter dem Zeitplan“, so der Verkehrsexperte.

Woran es hakt, macht am Donnerstagabend Klaus Arnoldi deutlich, der Sprecher des Ludwigsburger Aktionsbündnisses Stadtbahn. „Es gibt in der Stadt und im Kreis keinen, der für die Stadtbahn brennt“, so Arnoldi. Er findet, dass die „politisch Verantwortlichen endlich zum Laufen gebracht werden“ müssten.

Das soll mit einem Vier-Stufen-Plan gelingen. Der Startschuss wäre die Reaktivierung der Markgröninger Bahn bis Ludwigsburg im 30-Minuten-Takt. Daran würde sich die Verlängerung zu W&W in Kornwestheim und eine Ausdehnung über die Schusterbahn nach Esslingen im Viertelstundentakt anschließen. Stufe drei wäre laut Lieb die Erschließung der Markgröninger City und der Ausbau der gelben SSB-Stadtbahnen über Remseck-Aldingen hinaus nach Pattonville. Als letzter Schritt soll laut VCD die Ludwigsburger Innenstadtstrecke gebaut werden.

Die Rahmenbedingungen sind für Lieb aktuell „so gut wie nie“. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, winkt der Bund mit fetten Förderungen, das Land schießt die Betriebskosten dazu. Rund 250 Millionen Euro würde eine Stadtbahn derzeit kosten, die kommunale Seite wäre mit 15 bis 20 Millionen Euro dabei, die Markgröninger Bahn wäre schon für 30 Millionen Euro zu haben.

Die neue Ludwigsburger Landtagsabgeordnete Silke Gericke (Grüne) kritisierte zwar, dass der VCD die Stadtbahn mit einer Verlängerung der Schusterbahn vermische. Lieb sieht allerdings eine „Win-win-Situation für alle Seiten“.

Nach Ansicht des Bahnexperten Christmann müsste der Landkreis jetzt schleunigst einen Projektleiter einstellen. Er prophezeit: „Wenn wir weitermachen wie bisher, erleben auch unsere Kinder die Inbetriebnahme nicht mehr.“

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