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Zwei Frauen kämpfen um Walter-Nachfolge

Nach dem Verzicht des Landtagabgeordneten Jürgen Walter (Asperg) hat gestern Edda Bühler aus Kornwestheim ihre Bewerbung als Landtagskandidatin Wahlkreis Ludwigsburg angemeldet. Die Mitglieder müssen heute zwischen der Tammer Bauamtsleiterin und der Ludwigsburger Stadträtin Silke Gericke entscheiden.

Edda Bühler (links) und Silke Gericke wollen heute Landtagskandidatinnen im Wahlkreis Ludwigsburg werden. Archivfotos: privat/Holm Wolschendorf
Edda Bühler (links) und Silke Gericke wollen heute Landtagskandidatinnen im Wahlkreis Ludwigsburg werden. Foto: privat/Holm Wolschendorf
Silke Gericke (Grüne) und Tobias Vogt (CDU). Archivfotos: privat
Silke Gericke (Grüne) und Tobias Vogt (CDU). Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Das Gerücht machte schon am frühen Morgen die Runde. Dann bestätigte Bühler gegenüber unserer Redaktion: „Ja, ich trete an.“ Sie wolle dafür sorgen, dass die Grünen-Mitglieder im Wahlkreis Ludwigsburg eine „echte demokratische Auswahl“ hätten. Die gelernte Architektin (59) ist Gemeinderätin in Kornwestheim, Kreisrätin und seit den 80ern Mitglied bei den Grünen. „Wir dürfen als Regierungspartei in Ludwigsburg nicht nur eine Frau anbieten, wenn wir die Wahl gewinnen und das Direktmandat verteidigen wollen.“ Das sei einer demokratischen Partei unwürdig. „Ich bin in der Anti-AKW-Bewegung und im Kampf gegen das Waldsterben groß geworden“, so Bühler, die seit 2006 als Bauamtsleiterin in Tamm arbeitet. Sie setzt auf die Themen Klimaschutz und Mobilität sowie Integration und Wohnen. Als Kornwestheimerin habe sie sich zudem klar gegen den Nord-Ost-Ring positioniert.

„Keine Marionette von Walter“

Wer glaube, sie sei von Jürgen Walter aufs Schild gehoben worden, dem sagt Bühler: „Ich bin keine Marionette, sondern habe meinen eigenen Kopf.“ Natürlich kenne sie Walter seit vielen Jahren. Aber die Entscheidung zur Kandidatur habe sie getroffen, als klar wurde, dass es nur noch eine Kandidatin gebe. Über ihre Wahlaussichten mache sie sich keine Sorgen: „Ich habe einen guten Job. Aber ich will auch politisch noch etwas bewegen.“

Das will auch Silke Gericke. Die 45-jährige Referentin der Landtagsabgeordneten Elke Zimmer möchte nun auch selbst ins Stuttgarter Parlament einziehen. Dafür muss die verheiratete dreifache Mutter heute die Nominierung durch die Grünen-Mitglieder gewinnen. Die gelernte Lektorin und Redakteurin, die unter anderem im Paniniverlag gearbeitet hat, war Kreisgeschäftsführerin und arbeitet seit 2016 im Landtagsbüro, damals noch eingestellt vom zwischenzeitlich verstorbenen Mannheimer Landtagsabgeordneten Wolfgang Raufelder. Gericke ist nach dem Verzicht von Swantje Sperling auf die Bewerbung in Ludwigsburg (sie tritt im Wahlkreis Waiblingen an) in den innerparteilichen Wahlkampf getreten, der auch bei den Landesgrünen viel Aufmerksamkeit erfahren hat. „Wir können mehr für Ludwigsburg bewegen“, ist sie sich sicher. Dafür habe sie in ihrer Landtagsarbeit auch schon die nötigen Kenntnisse erworben. „Das ist für mich kein Neuland.“

Den heutigen Wahlgang sieht sie als offen an. „Aber es ist gut, dass es eine demokratische Auswahl gibt“, sagt sie und kann den Vorwurf von Jürgen Walter, im Vorfeld der Nominierung sei es undemokratisch zugegangen, nicht nachvollziehen. „Wir sind alle eingebunden gewesen, es gab eine Sitzung mit allen Kandidatinnen und Kandidaten, bei der auch die Termine besprochen wurden. Das war vollkommen transparent.“

Kreisvorstand entsetzt

Das sieht auch der Kreisvorstand so: „Wir sind entsetzt, mit welcher Brutalität Herr Walter die Kleinigkeit einer Terminfindung ohne Rücksicht auf die Partei eskaliert“, schreibt das Team gestern. „Wir interpretieren sein Verhalten so, dass er die demokratische Selbstverständlichkeit einer Gegenkandidatur als persönliche Beleidigung empfunden hat.“ Nachdem der Rückhalt für ihn in der Partei seit Jahren schwand, schien er sich nach Einschätzung des Vorstands einer Wiederwahl durch die Mitglieder nicht mehr sicher. „Diesen persönlichen Frust nun an Ehrenamtlern auszulassen, die nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, ist nicht akzeptabel.“ Auch den Vorwurf einer Frauenkampagne gegen Jürgen Walter habe der Kreisvorstand erst am Mittwoch aus der Presse erfahren. „Er ist absurd.“

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