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Zwei Großprojekte in der Planung

Das Freiberger Stadtzentrum aus der Vogelperspektive. Die gelbe Fläche skizziert grob den rund ein Hektar großen Kernbereich, der durch Abriss von alter OPS und Stadthalle frei wird und neu bebaut werden kann. Links ist die neue Schule zu sehen. Arch
Das Freiberger Stadtzentrum aus der Vogelperspektive. Die gelbe Fläche skizziert grob den rund ein Hektar großen Kernbereich, der durch Abriss von alter OPS und Stadthalle frei wird und neu bebaut werden kann. Links ist die neue Schule zu sehen. Arch
Die hohen Corona-Infektionszahlen in Freiberg veranlassten die Stadtverwaltung, für die Einwohnerversammlung am Mittwochabend einen neuen Weg zu wählen. Statt im Prisma fand die Veranstaltung digital statt. So konnten die Bürger die Ausführungen der Verwaltungsspitze von daheim aus online per Livestream verfolgen.

Freiberg. „Die Einwohnerversammlung fällt auf den 50. Geburtstag der Stadt. Da lohnt es sich, den Blick weit in die Zukunft zu richten, für die wir heute schon die Weichen stellen“, begrüßte Bürgermeister Dirk Schaible die Freiberger. Eines der Zukunftsprojekte, auf das der Erste Beigeordnete Stefan Kegreiß das Augenmerk lenkte, ist die Weiterentwicklung des Stadtzentrums, das er als „ein Projekt für Generationen“ bezeichnete. Von den ersten Überlegungen im Jahr 2011 habe es unter der Beteiligung der Bürger bis 2014 gedauert, ehe der Grundsatzbeschluss für das neue Zentrum erfolgte. Darauf aufbauend sei das Projekt neue Oscar-Paret-Schule (OPS) angegangen worden. Kegreiß erinnerte daran, dass im Januar 2017 der Siegerentwurf gekürt wurde und 2019 die Grundsteinlegung erfolgte. Im Sommer werde die Schule und damit bereits der erste Baustein der Entwicklung des Zentrums fertiggestellt. Mit dem Bau des zweiten Bausteins – der Sporthalle – soll Anfang 2023 begonnen werden. Sie soll im Herbst 2024 fertig sein. Mit dem Abriss der alten OPS und der Stadthalle wird laut dem Ersten Beigeordneten ein Hektar Fläche in bester Innenstadtlage frei. Es sei wichtig, diese weiterzuentwickeln, um gute Voraussetzungen für Einzelhandel, Dienstleistungen, Ärzte und Wohnen zu schaffen. „In den nächsten Wochen und Monaten werden durch die Auslobung des städtebaulichen Wettbewerbs die planerischen Grundlagen für die nächsten Realisierungsschritte erarbeit“, sagte Kegreiß.

Hoffnung auf Vorschläge aus dem Wettbewerb

Eine wesentliche Frage, zu deren Beantwortung sich Verwaltung und Gemeinderat Vorschläge aus dem Wettbewerb erhoffen, dreht sich um das Rathaus. Dort bestehe aktuell Handlungsbedarf hinsichtlich des Brandschutzes, der Haustechnik und der Gebäudesubstanz. „Das Gebäude aus den 70er Jahren kann die heutigen Erfordernisse nicht erfüllen“, so Kegreiß. Eine zweijährige Generalsanierung würde mit 17,5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Da im neuen Zentrum allerdings auch Räume für Kinderbetreuung, Bibliothek und Kultur benötigt würden, sei der Gedanke aufgekommen, alles in einem Haus der Bürger zu vereinen. Das Rathaus dort unterzubringen, verursache rund 18,5 Millionen Euro Kosten. Im Wettbewerb sollen Vorschläge für beide Varianten vorgelegt werden. Ende dieses Jahres muss sich der Gemeinderat für eine Variante entscheiden. Dann geht der Wettbewerb in die zweite Phase, ehe der Gemeinderat im Sommer 2024 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Zentrum fassen soll. Die ersten Gebäude könnten dann im Mai 2029 stehen.

Bürgermeister Schaible informierte über die Neuordnung der Grundschulen und erinnerte daran, dass der Bürgerentscheid vom September 2021 der Startschuss dafür war. Eine Mehrheit sprach sich dabei für zwei statt drei Standorte aus, wobei die Kasteneckschule und Flattichschule am Standort Kasteneck zusammengeführt werden. Dort wird eine 4- bis 4,5-zügige Ganztagsschule samt kommunaler Betreuung entstehen. „Es wird sich noch lange hinziehen“, kündigte der Verwaltungschef an, schließlich müssten die zwei Schulen nicht nur organisatorisch und pädagogisch, sondern auch rechtlich zusammengeführt werden. Die Gespräche dafür würden seit Ende 2021 laufen, die Einweihung der Schule sei für das Jahr 2027 geplant. „Alle Kinder in Freiberg können mit einer guten Versorgung rechnen“, sagte Schaible.

Pädagogisches Konzept nötig

Bevor so richtig in die Planung eingestiegen werden kann, müsse ein pädagogisches Konzept für die neue Schule, aber auch für die gesamte Grundschullandschaft der Stadt erarbeitet werden. Dieses sei Basis für die Entwicklung des Raumprogramms. „Erst wenn wir wissen, wie das Innenleben aussehen soll, ist die Stadt wieder am Zug“, sagte der Bürgermeister. Die Verantwortlichen hätten sich bereits Schulen in der Region angeschaut und mit den jeweiligen Rektoren gesprochen. Weitere Fahrten, an denen auch Eltern, Lehrer und Gemeinderäte teilnehmen dürfen, würden folgen. Zu den Kosten könne derzeit noch nichts gesagt werden, zumal nach dem Vorliegen des Raumkonzepts auch die Förderung durch das Land abgestimmt werden muss. Erst dann könne der Gemeinderat den Baubeschluss fassen.

Bezüglich des Verkehrs ist die Verwaltung insbesondere mit den Anwohnern am Kasteneck in Kontakt. So sei ein Stufenkonzept erarbeitet worden, laut dem erste Maßnahmen noch in diesem Schuljahr umgesetzt werden können, kündigte der Verwaltungschef an. In den nächsten Monaten stehe auch noch die Sporthalle am Kasteneck auf dem Prüfstand. Sanierung oder Neubau? Das gelte es zu klären. Auch über Interimslösungen während der Bauarbeiten müsse nachgedacht werden. Auf alle Fälle sollen die Bürger in den gesamten Planungsprozess mit eingebunden werden. „Uns geht es darum, eine gute Schule zu bauen, die bezahlbar sein muss und in kurzer Zeit realisiert werden kann“, sagte Freiberger Bürgermeister.