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Zwei oder drei Schulstandorte?

Am Sonntag wählen die Freiberger nicht nur den neuen Bundestag, sie sind auch zum Bürgerentscheid aufgerufen. Es geht darum, ob es künftig zwei oder drei Grundschulen in der Stadt geben wird. Beim Online-Talk der LKZ tauschten Befürworter und Gegner ihre Positionen aus.

Der Online-Talk der LKZ wurde live bei Youtube übertragen. Foto: Holm Wolschendorf
Der Online-Talk der LKZ wurde live bei Youtube übertragen. Foto: Holm Wolschendorf
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Freiberg. Harald Schönbrodt, Stadtrat der Grünen, ist bei der Gesprächsrunde, die von Ressortleiter Stephan Wolf und LKZ-Redakteur Frank Elsässer moderiert wurde, der Einzige, der für den Erhalt aller drei Standorte ist. Bürgermeister Dirk Schaible, der geschäftsführende Schulleiter René Coels und die Sprecherin der Elterninitiative zukunftsfähige Grundschulen, Sibylle Schick, plädieren für eine Fusion der Kasteneck- mit der Flattichschule am Standort Kasteneck in Heutingsheim. Hier sollen die Eltern auch frei zwischen Ganztags- und Halbtagsschule wählen können. Die Grünlandschule in Geisingen bleibt nach diesem Modell als Halbtagsschule erhalten. Die Flattichschule in Beihingen soll anderweitig genutzt werden.

Mit nur zwei Standorten könnten die gestiegenen Anforderungen für optimales Lernen an der Grundschule besser umgesetzt werden, meinte Schaible. Die Bildung und Betreuung der Kinder könne flexibler gestaltet werden. Die Nachfrage nach Ganztagsschulen nehme stark zu, prognostiziert er angesichts der Situation an den Kitas. Während der Bauzeit laufe alles auf eine Containerlösung hinaus oder es würden Räume der Oscar-Paret-Schule genutzt, für die derzeit gebaut wird. Die neue Schule werde bestimmt kein unpersönlicher Betonklotz, sondern optisch ansprechend und klar gegliedert sein. Sanieren sei so teuer, wie neu zu bauen. Mit den Anwohnern am Kasteneck sei man in gutem Kontakt und man arbeite an einem Verkehrskonzept, sagte Schaible. Angestrebt werde, dass die meisten Schüler zu Fuß gehen. 90 Prozent würden fußläufig zur Kasteneckschule wohnen. Für die, die einen weiteren Weg hätten, werde ein Bus eingesetzt, zudem würden „Küss- und-Tschüss-Zonen“ eingerichtet.

„Wer glaubt, dass in einer zweizügigen Grundschule sowohl Halbtag als auch Ganztag möglich ist, befindet sich auf dem Irrweg“, sagte Coels. Die Gefahr von Mischklassen sei an kleinen Schulen größer, in der Halbtags- und Ganztagsschüler unterrichtet werden. Wichtig sei die Rhythmisierung des Tages in einer Mischung aus Lernen und musischem und sportlichem Angebot. Das halte die Konzentration hoch. Dafür seien auch die geeigneten Räume nötig. Das sei an einer vierzügigen Schule besser umsetzbar. Außerdem koste die kommunale Ganztagsbetreuung die Eltern Geld, während die Ganztagsschule kostenlos sei. Die Befürchtung, dass Kinder an einer großen Schule Probleme mit der Orientierung haben könnten, zerstreute er: „Das hat sich mit einem entsprechenden architektonischen Konzept spätestens nach zwei Wochen erledigt.“

Das Lehrerkollegium und die Schüler hätten ein modernes Lernumfeld verdient, betonte Schieck. Mit einer größeren Schule wachse das Raumangebot. Dies fördere die Arbeit in kleineren Gruppen, die individuellere Beschulung und unter anderem auch die Inklusion. Je mehr Züge eine Schule habe, desto besser könne Halbtag und Ganztag getrennt werden, die Effektivität steige. Schließlich sei es einfacher, verlässliche Partner für das Nachmittagsband zu finden. Damit werde eine größere Vielfalt an Angeboten möglich.

Schönbrodt argumentierte, dass Kinder mit kleineren Schulen nicht nur kürzere Wege hätten, sondern auch in überschaubarerem Rahmen behütet und im persönlicheren Kontakt zu den Lehrern lernen könnten. Alle Bildungsangebote könnten an allen drei Standorten angeboten werden, Kindergartenfreundschaften blieben. Außerdem befürchtet er durch eine Schule mit 400 Schülern nahezu unlösbare Verkehrsprobleme im Wohngebiet und Eingriffe in die Natur. Die Ertüchtigung von drei Schulen sei mit 560000 Euro nur drei Prozent teurer als die Zweiervariante, rechnete er vor. „Die Ganztagsbetreuung in Wahlform ist zum Scheitern verurteilt, weil die Klassenteiler zu Mischklassen zwingen“, so Schönbrodt weiter. Bereits heute sei die pädagogische Qualität an allen drei Schulen hoch. Nur bei den Gebäuden müsse sich etwas tun. Hier habe die Verwaltung versäumt, den Beschluss des Bürgerentscheids von 2016 umzusetzen.

„Wir haben eine Million in den Brandschutz investiert“, konterte Schaible und attackierte. Auch wenn Schönbrodt seine Halb- und Unwahrheiten ständig wiederhole, würden sie dadurch nicht richtiger. Es sei die Rede von 330 Schülern. Nicht von 400. Die Unterstellung, die Verwaltung würde hier etwas aussitzen wollen, wies er von sich. „Wir blicken in Richtung Zukunft, während Sie mit dem Fernrohr in die Vergangenheit schauen.“ Er könne sich nur wundern, wie Empfehlungen von Experten und die Marschrichtung der Grünen im Landtag ignoriert würden.

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