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Zwei Pfarrhäuser vor dem Verkauf

Die Pfarrer sind bereits ausgezogen, denn die evangelische Kirchengemeinde plant, zwei ihrer Pfarrhäuser zu verkaufen. Und das hat gute Gründe.

Das Pfarrhaus in der Bönnigheimer Olgastraße ist 1869 erbaut worden. Das Hofener Pfarrhaus (rechts) stammt aus dem Jahr 1631.Fotos: Alfred Drossel
Das Pfarrhaus in der Bönnigheimer Olgastraße ist 1869 erbaut worden. Das Hofener Pfarrhaus (rechts) stammt aus dem Jahr 1631. Foto: Alfred Drossel
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Bönnigheim. Kirchen im Land sehen sich zum großen Ausverkauf gezwungen. In den kommenden sechs Jahren soll beispielsweise jedes dritte Gebäude der Evangelischen Landeskirche in Baden verkauft werden. Bei den Protestanten in Württemberg und dem katholischen Bistum Rottenburg-Stuttgart sieht es wenig besser aus. Hauptgrund sind sinkende Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen sowie ein Abbau der Pfarrstellen.

In der evangelischen Kirchengemeinde Bönnigheim steht offensichtlich der Verkauf von zwei der drei Pfarrhäuser an. Bei den beiden kirchlichen Immobilien handelt es sich um das 1869 erbaute Pfarrhaus in der Olgastraße und das 1631 erbaute Pfarrhaus neben der Hofener Ottilienkirche. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz und haben einen hohen Sanierungsbedarf, vor allem im energetischen Bereich.

Beschleunigt wurde das Verfahren durch den vorzeitigen Auszug von Pfarrer Martin Burger aus dem Hofener Pfarrhaus, der in Freiberg eine neue Gemeinde übernommen hat. Pfarrer Ulrich Harst ist mittlerweile mit seiner Familie vom Bönnigheimer Pfarrhaus in der Olgastraße in das 1991 „Hinter den Gärten“ erbaute Pfarrhaus gezogen. Nur das Pfarrbüro ist in der Olgastraße noch verblieben.

Der Impuls zur Veräußerung kommt von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, die von ihren Gemeinden ein Konzept verlangt, sämtliche Gebäude auf den Prüfstand zu stellen, um den Bestand der demografischen und finanziellen Entwicklung anzupassen. Konkret bedeute dies, es gebe zu hohe Kosten, die im Bereich der gesamten Landeskirche um 30 Prozent gesenkt werden müssten. Diese im Jahr 2016 abgeschlossene Analyse förderte zutage, dass wenig genutzte Gebäude nicht mehr von der Landeskirche unterstützt werden sollen. Deshalb kam vom Oberkirchenrat in Stuttgart auch ein Nein bei der Anfrage, das Hofener Pfarrhaus zu sanieren. Pläne zu Veränderungen in Bönnigheim wurden schon vor der Amtsübernahme durch Pfarrer Harst angesprochen. In einem Gemeindebrief hatte er die Pläne erstmals angesprochen. Coronabedingt hat aber eine Gemeindeversammlung als Präsenzveranstaltung bisher nicht stattgefunden. Zuständig für die Bönnigheimer Immobilien ist allein die Kirchengemeinde, die jedoch ihre Entscheidungen mit dem Oberkirchenrat abstimmen muss. Von dort kommen nämlich die Gelder. Ende Oktober, so Harst, will sich der Kirchengemeinderat eingehend mit dem Thema beschäftigen und auch einen Beschluss fassen. Ziel ist es, laut Harst, Maßnahmen zu treffen, die Kirchengemeinde zukunftsfähig zu halten und ein lebendiges Gemeindeleben zu garantieren. Kostenintensive Maßnahmen sollen auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Die Kirchengemeinde habe die große Aufgabe, die drei Kirchen in Bönnigheim, Hofen und Hohenstein zu erhalten und zu pflegen. Diese Aufgabe habe Vorrang, sagt Ulrich Harst.

In Hofen sei vorstellbar, an die Kirche zum Tal hin im Norden einen Gemeinderaum anzubauen. Wichtig sei, dort auch sanitäre Anlagen einzurichten, die derzeit im Pfarrhaus sind. In Bönnigheim werde überlegt, Aufgaben, die bisher im Pfarrbüro erledigt wurden, ins Gemeindehaus zu verlegen. Aber auch das Gemeindehaus müsse ertüchtigt werden. Harst bestätigt, dass es schon Interessenten für die Pfarrhäuser gebe.

Wie sich die Kirchengemeinde weiterentwickele, ob Nachbargemeinden von Bönnigheim aus mitbetreut werden müssten und wie viele Pfarrer letztlich in Bönnigheim arbeiten würden, ist noch unklar. Zuletzt gab es in der Stadt noch eineinhalb Pfarrstellen.

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