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Zweiter Anlauf für einen „Profinachbarn“

Die Quartiersentwicklung im Buch soll durch ein Projekt des Kreisdiakonieverbands gefördert werden. Auch die Stadt beteiligt sich an den Kosten von jährlich 100000 Euro.

Viele Hoffnungen in das Buch und sein Zentrum haben sich nicht erfüllt, so der Tenor der Analysen. Archivfoto: Alfred Drossel
Viele Hoffnungen in das Buch und sein Zentrum haben sich nicht erfüllt, so der Tenor der Analysen. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. „Ins Buch geht man nicht, von dort kommt man“ – das heiße es landläufig über den größten Bietigheimer Stadtteil samt dessen Zentrum, für den sich viele Ziele nicht erfüllt hätten, erinnerte Dr. Georg Mehrle (FDP) im Gemeinderat an die Geschichte. Doch nun soll ein neues, besseres Kapitel dazukommen. Samt einem Quartiersmanager und einer Begegnungsstätte als Teil eines auf zunächst drei Jahre angelegten Konzepts, um den anstehenden Wandel vor allem mit Blick auf die Demografie und neue Bewohner „zu gestalten“. Dafür kooperiert die Stadt mit dem Kreisdiakonieverband, der bereits beim Deutschen Hilfswerk eine Förderung über gut 200000 Euro einwerben konnte, ebenso haben weitere Institutionen schon Unterstützung zugesagt – und nun auch der Gemeinderat, wenngleich es durchaus kritische Stimmen gab.

Denn auch wenn sich die Stadt – nach der Zusage einer jährlichen Förderung durch die Fernsehlotterie über 69000 Euro, die Spende der Mietkosten über 12000 Euro durch ihre Tochter Bietigheimer Wohnbau sowie voraussichtlich 3000 Euro durch einen nicht genannten Sponsor – nur noch mit rund 19000 Euro beteiligen muss, ist das doch eine Belastung für den Etat, wie CDU-Stadtrat Claus Stöckle anmerkte. Aus Sicht der Verwaltung müsse angesichts der coronabedingten Finanzlage zwar jedes neue Projekt „ganz speziell auf Sinnhaftigkeit geprüft werden“. Doch das im Buch sei von so großer Wichtigkeit, dass man die Kosten tragen wolle, so OB Jürgen Kessing. Und abzuspecken ist nicht möglich, denn die Inhalte sind nun an den schon vor Monaten gestellten Förderantrag gekoppelt. Er war übrigens nicht der erste, schon 2017 hatte sich die Stadt um Mittel aus dem Landesprojekt Quartier 2020 beworben, jedoch erfolglos.

Die CDU hatte aber aktuell noch mehr Kritik, da nicht geklärt sei, wie man die Arbeit des Quartiersmanagers bewerte, erst nach drei Jahren sei zu spät, so Stöckle, der sich immerhin eine Attraktivierung des Stadtteils erhofft. Auch FDP-Rat Mehrle zeigte sich mit den Plänen nicht ganz einig, auch weil die Basis eine „wenig tiefgründige Analyse“ von Studenten der Evangelischen Hochschule war.

Erster Schritt: Befragung und Analyse

Dem war als erster Schritt der Kooperation zwischen der Stadt und dem Kreisdiakonieverband ein Workshop vorausgegangen, in dem Stärken und Schwächen des Gebiets herausgearbeitet wurden. Von März bis Dezember 2019 folgte dann eine Befragung der Bewohner, die in eine Sozialraumanalyse mündete, finanziert von der Stadt mit 14600 Euro. Diese Studie sei der erste Schritt gewesen, so Michaela Buchholz (GAL), und nun sei es Pflicht, auch den zweiten zu tun und konkret etwas umzusetzen, warb sie um Unterstützung. Das tat ebenso Thomas Reusch-Frey (SPD), denn ein Quartiersmanagement könne ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen und „treibende Kraft für ein gelebtes Miteinander werden“; seine Fraktion halte das angesichts des Wandels für nötig. Die Entwicklung neuer Wohnflächen sei schließlich nicht allein mit Beton und Asphalt getan, der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen – und wenn sich das Konzept bewährt, könne es auch Vorbild für andere Quartiere der Stadt werden.

Reusch-Frey warf zudem einen Blick auf die Zeit danach – „denn wir wissen alle um die Problematik von Projekten. Da gibt es auf einmal kein Geld mehr und alles hört auf. Das darf bei der Quartiersentwicklung im Buch nicht passieren, und deshalb ist es für uns gleich von Beginn an wichtig, dass ehrenamtliche Strukturen aufgebaut werden.“

OB Kessing sicherte schließlich zu, dass es nach einem und nach zwei Jahren Zwischenberichte über die Arbeit des Quartiersmanagers geben wird. „Ich glaube, das ist ein vernünftiges Vorgehen.“ Das sah auch die Mehrheit des Gemeinderats so und stimmte bei zwei Neinstimmen und zwei Enthaltungen für das Projekt.

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