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Zwischen Spießrutenlauf und Party

Nach den Demos gegen die Veranstaltung der AfD ziehen die Organisatoren ein positives Fazit. Die Rechtspopulisten hingegen wollen juristische Schritte prüfen.

Vor der Halle gibt es kurzzeitig Rangeleien zwischen Antifa und Polizei.
Vor der Halle gibt es kurzzeitig Rangeleien zwischen Antifa und Polizei.
Viele Teilnehmer der Demos haben Plakate dabei – oder Freibier. Fotos: Theiss
Viele Teilnehmer der Demos haben Plakate dabei – oder Freibier. Foto: Theiss

Hemmingen. Immer mal wieder kommen am Mittwochabend Mitglieder der AfD, allen voran der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier, aus der Gemeinschaftshalle, gehen in Richtung der Absperrungen. Pfeifkonzerte gehen los, ebenso ertönen Buhrufe und „Nazis raus“-Sprechchöre. Und auch wer von draußen in das Gebäude will, wird derart empfangen. Man wolle der AfD-Bundestagsfraktion zeigen, dass sie „bei uns nicht willkommen ist“, wie SPD-Gemeinderat Ralf Horwath auf der Gegendemonstration zum „Bürgerdialog“ der Rechtspopulisten sagt und die Teilnehmer dazu aufruft, „als Mannschaft friedlich zusammenzustehen“. Es werden Fahnen geschwenkt, an vielen Stellen mutet das Ganze wie eine Party an.

Doch Horwaths Appell wird nicht von jedem gehört, gegen 18 Uhr rücken Antifaschisten aus Ludwigsburg an. Zielstrebig ziehen sie mit ihrem Banner an die Gitter. Wer nun in die Halle will, hat – bis die Polizei eingreift und die 15 jungen Menschen auf ihren zugewiesenen Bereich drängt – eine weitere Hürde vor sich.

Die AfD spricht deshalb für ihre Zuhörer von einem „Spießrutenlauf durch die Meute“, von Gruppen wie der Antifa, die eigentlich hätte verboten gehört, so der Wahlkreisabgeordnete Martin Hess, der seine Rede der Bedrohung der inneren Sicherheit durch den Islamismus und einer Zunahme an Straftaten durch Flüchtlinge widmete. Kritik an den Geschehnissen vor der Halle fangen sich auch andere ein: „Es ist eine Schande, wie sich Polizei und Ordnungsamt verhält“, denn die seien eigentlich dafür zuständig, dass es einen freien Zugang gibt. Man werde deshalb rechtliche Schritte prüfen, so Marc Bernhard.

Bürgermeister Thomas Schäfer weist das zurück. Man habe mit der AfD besprochen, dass die Parkplätze an den Sporthallen und der Fußweg von der westlichen Seite her genutzt werden können. „Sie hatten von allen Besuchern die Mailadressen, das hätten sie ihnen ja mitteilen können“. Denn dass der Weg von der anderen Seite her schwierig wird, hätte man sich denken können. Er wie auch die jungen Organisatoren von der SPD und der „Partei“ sind nach der ersten Demo im Ort insgesamt zufrieden. „Ein Festtag der Demokratie“ sei das, so Schäfer am Mittwochabend, auch mit Blick auf die Tatsache, dass aufgrund einer geänderten Benutzungsordnung der Gemeinschaftshalle die Presse doch zugelassen war.

Corona wichtiges Thema

Den „Festtag“ sieht die AfD unterdessen nicht so. Immer wieder fällt zu Beginn der Reden der vier Bundestagsabgeordneten der Begriff Meinungsdiktatur, auch in der Hemminger Facebook-Gruppe war das der Fall gewesen und eine Diskussion darüber losgegangen, ob hier demonstriert werden sollte, nicht zuletzt aufgrund der – nicht genannten – Kosten für den Polizeieinsatz. Diktatur sei aber auch vieles von dem, was von den Regierungen komme, könnte man das übersetzen, was in den Reden folgt.

Alle Abgeordneten thematisieren Corona: Da habe die Regierung zunächst verharmlost, dann viel zu spät reagiert – und vor allem zu drastisch. Taiwan habe früh eine Maskenpflicht eingeführt und vor allem den Reiseverkehr mit dem Nachbarn China unterbunden. Ein Lockdown sei nicht nötig gewesen und deshalb gehe es der dortigen Wirtschaft viel besser als der hiesigen, so Bernhard. Die habe aber auch Probleme, weil Deutschland meine, mit E-Mobilität und neuen Vorschriften im Alleingang das Weltklima retten zu müssen. Die Zeche dafür zahlten Firmen, die mit der asiatischen Konkurrenz nicht mithalten könnten, und der Bürger über neue Steuern. Und anstatt sich um die heimische Wirtschaft zu kümmern, kümmere sich die Regierung um „Gender-Netzwerke“ im Ausland oder zwänge Handwerker, sicherzustellen, dass ihre Nägel aus fairer Produktion seien. „Die Linken da draußen werfen uns vor, unsere Themen seien nationale Egoismen – ich nenne das Verantwortung“, so Markus Frohnmaier.

Den meisten Applaus der gut 30 Zuhörer – unklar bleibt, ob es nicht mehr Interesse gab, ob der „Partei“-Aufruf zu Fake-Anmeldungen für viele leere der 63 Stühle sorgte oder der Livestream eine zu gute Alternative bot – erhält aber Corinna Miazga. Die bayrische AfD-Chefin arbeitet sich in ihren 20 Minuten an der EU ab, ebenso an den Grünen.

Sie wie auch ihre Bundestagskollegen und ein Teil der Zuhörer verlassen die Halle am Ende durch den Hintereingang. Die verbliebenen Demonstranten, die noch das letzte Freibier der „Partei“ vernichten, bekommen das erst später mit – eingeschlafen war ihr Protest aber zwischenzeitlich nicht. Denn auch wer wieder aus der Halle geht, wird ausgepfiffen und -gebuht.

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