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Zwischenlager ist jetzt in Betrieb

Erst im Jahr 2027 werden die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle des Kernkraftwerks Neckarwestheims an Einrichtungen des Endlagers Konrad bei Salzgitter abgegeben. Bis dahin bleibt der Atommüll im GKN-Zwischenlager. Dies ist seit gestern in Betrieb.

Im neu gebauten Lager (Bildmitte) befinden sich nun schwach- und mittelradioaktive Abfälle des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Foto: Alfred Drossel
Im neu gebauten Lager (Bildmitte) befinden sich nun schwach- und mittelradioaktive Abfälle des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Foto: Alfred Drossel

Neckarwestheim/Gemmrigheim. Der Atomausstieg in Deutschland läuft bereits. Doch wenn am 31. Dezember 2022 die letzten Kernkraftwerke vom Netz gehen, bleibt langfristig eines übrig: Atommüll. Zwei Generationen haben von der Stromversorgung profitiert, unzählige Generationen werden mit dem Müll leben müssen.

Ein Standortlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, das sich auf dem Kraftwerksgelände in Neckarwestheim befindet, hat die EnBW gestern in Betrieb genommen und an die staatliche Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergeben. Dieser Vorgang ist im sogenannten „Entsorgungsübergangsgesetz“ geregelt, heißt es in einer Mitteilung des Energiekonzerns. Weitere Lager in Neckarwestheim, Philippsburg und Obrigheim wurden bereits übergeben. Dort werden Abfälle sowie verbrauchte Brennelemente der EnBW-Kernkraftwerke aufbewahrt.

Bereits seit Anfang 2019 zeichnet die BGZ verantwortlich für hoch radioaktiven Atommüll in den Castorbehältern, die auch in Neckarwestheim lagern. Nun ist das neue Zwischenlager des GKN gefolgt. „Seit Januar 2020 ist die Übernahme von kraftwerksnahen Lagern für schwach- und mittelradioaktive Abfälle durch die BGZ möglich“, sagt deren Pressesprecher Tobias Schmidt, nur sei das durch den Kraftwerksbetreiber zu errichtende Zwischenlager „noch nicht betriebsbereit gewesen“. Nachdem die Aufsichtsbehörde dessen Betriebsbereitschaft festgestellt habe, „konnte das Zwischenlager an die BGZ übertragen werden“. Die dort aufbewahrten Abfälle, wie zum Beispiel Schutzkleidung, Filter oder Anlagenteile, stammen aus Betrieb und Rückbau des Kernkraftwerks. „Diese Abfälle sollen beginnend ab dem Jahr 2027 an Einrichtungen des Endlagers Konrad bei Salzgitter abgegeben werden“, erklärt Schmidt. Das Abfallzwischenlager Neckarwestheim, kurz AZN und bislang von der EnBW als SAL (Standortabfalllager) bezeichnet, sei das letzte Zwischenlager, das der Energieversorger übergeben habe, bestätigt der Unternehmenssprecher.

Am Standort Neckarwestheim werde – wie in Philippsburg – ein Reststoff-Bearbeitungszentrum betrieben, teilt die EnBW weiter mit. Dort werden zukünftig Stoffe aus dem Rückbau der am Standort befindlichen Kernkraftwerke so bearbeitet, dass das Volumen radioaktiver Abfälle „auf ein Minimum reduziert wird. Gleichzeitig erhöht sich durch die Bearbeitung der Anteil der Wertstoffe, die wieder dem Stoffkreislauf zugeführt werden können“.

Das neue Zwischenlager stößt indes bei der AG Atomerbe Neckarwestheim auf heftige Kritik: Die EnBW schreibe, die Einrichtungen in Neckarwestheim, Obrigheim und Philippsburg seien für die „vorübergehende Lagerung von schwach- bis mittelaktiven Abfällen vorgesehen und verweise auf das vom Staat für diese Abfälle vorgesehene Endlager Schacht Konrad“. Das Energieunternehmen lenke aber von der „unbefristeten Genehmigung der Zwischenlager ab sowie von der Tatsache, dass der Schacht Konrad aufgrund bekannter und letztlich nicht behebbarer Mängel möglicherweise nie in Betrieb gehen werde“, erklären die GKN-Gegner.

Auch die Lagerung der Castoren verurteilen die Atomgegner, sie finde nämlich insgesamt solange statt, „bis der Staat für die jeweilige Abfallkategorie ein Endlager in Betrieb genommen hat“. Schon heute sei klar, dass es mindestens bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts, wenn nicht sogar bis nach 2100 dauern werde, bis es ein akzeptables Dauerlager für die Brennelemente geben könne.

„Aber um dieses Problem mag sich die EnBW nicht mehr kümmern, hat sie doch mit der von ihr dargestellten Übergabe ihrer drei Zwischenlager und ihrer zwei Castorenlager an die BGZ auch ihre Verantwortung für ihr dreckiges Erbe an den Staat abgeschoben“, kritisieren die Atomkraftgegner das Vorhaben scharf. Ausgeblendet blieben zudem auch die Gefahren der in „schlechte Geologie gebauten Castorentunnels in Gemmrigheim sowie das Überschwemmungs- und Grundwasserproblem des Zwischenlagers in Neckarwestheim“.

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