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Porträt

Auf einen Spaziergang mit Walter Kubach (Die Linke) - Arbeitskampf als Lebensaufgabe

Walter Kubach kandidiert zum dritten Mal für die Linke und liebt den Wahlkampf – Jahrzehntelang als Betriebsrat aktiv

Walter Kubach ist ein alter Hase in der Politik.Foto: Andreas Becker
Walter Kubach ist ein alter Hase in der Politik. Foto: Andreas Becker

Mundelsheim. Walter Kubach ist ein alter Hase im Politikgeschäft, und so wählt der Landtagskandidat der Linken die Firma Bosch in Bietigheim als Ausgangspunkt des Spaziergangs mit unserer Zeitung. Hier fand am 14. September 2020 eine große Kundgebung mit einer Menschenkette statt, um gegen die Entlassung von 290 Mitarbeitern am Standort zu protestieren. An der Menschenkette konnte Kubach nicht teilnehmen, „also habe ich gedacht, wir laufen die Strecke ab“, sagt der 66-Jährige. Und schon bekommt der Spaziergang den politischen Dreh. Denn laufen ist sonst nicht so seins, auch nicht Sport allgemein. Er ist zwar Vorsitzender des DLRG-Ortsvereins Mundelsheim, der das dortige Freibad betreibt, aber nicht, weil er so gerne schwimmt, sondern weil er gut im Organisieren ist. Das und das Plaudern mit Menschen ist eher sein Ding, ebenso das Reparieren und Schrauben an alten Geräten.

Darin liegt auch sein beruflicher Werdegang begründet und später auch sein politischer. Schon als Kind interessierte er sich für alles Elektrische, schraubte Dinge auseinander, steckte auch mal die Stricknadel in die Steckdose. Es war klar, dass er eine Ausbildung zum Starkstromelektriker macht. Mitten in der Zeit, als Lehrlinge sich dagegen wehrten, nur Kaffee zu kochen und Vesper zu holen. Das Arbeitskampf-Gen war gelegt. „In den 70er Jahren gab es viele Verbesserungen arbeitsrechtlich, mit Helmut Kohl ging es bergab und unter Gerhard Schröder wurde es noch schlimmer.“

25 Jahre hat er Drucker und Kopierer repariert, 20 Jahre war Kubach gewerkschaftlich engagiert, machte bei einem amerikanischen Unternehmen als Betriebsrat Arbeitskampf im wahrsten Sinne des Wortes. „Ich bin zwar eher ein ruhiger Typ, aber da muss man auch mal lauter werden.“ Erst 2005 trat er in die Vorgängerpartei WASG ein – eine Folge aus den Hartz-IV-Gesetzgebungen der damaligen SPD- und Grünen-Regierung. „Mir war klar, dass es nicht mehr genügte, gewerkschaftlich etwas zu tun, wenn die Firmen Teile ihres Betriebs ausgliederten, sondern dass ichpolitisch aktiv werden musste.“

Und obwohl er friedenspolitisch sehr aktiv war und gegen Atomkraft demonstrierte, war auch klar, dass er kein Grüner werden wollte. „Die waren ja mitverantwortlich für den Schlamassel.“ 2005 wurde Walter Kubach arbeitslos, seit 2007 ist er Büroleiter im Bürgerbüro der Linken in Stuttgart. Für die Landtagswahl jetzt hat er extra Urlaub genommen. Kubach macht gerne Wahlkampf, wenngleich die Onlineformate nicht so sein Medium sind. „Ich diskutiere lieber mit den Leuten und bin im Austausch mit dem Bürger.“ Deshalb möchte er in den nächsten Tagen auch verstärkt mit seinem Wahlplakat als „werbende Litfaßsäule“ morgens an den Bahnhöfen stehen. Das macht ihm Spaß.

Es stört ihn auch nicht, dass er als Linker eher keine Chance auf ein Mandat hat, es geht ihm darum, dass die Linke genügend Stimmen bekommt, um über die Fünf-Prozent-Hürde zu klettern. Zum dritten Mal kandidiert er bereits. „Deshalb kennt man mich und ich bin nicht ganz auf verlorenem Posten“, sagt er. Die Linke habe durchaus etwas bewegt. Heute dürfe man wieder von Kapitalismus sprechen und es werde nicht mehr um den Mindestlohn an sich diskutiert, sondern nur noch um dessen Höhe. Er werde auch kaum noch wegen der Zugehörigkeit zu einer Partei, die ihren Ursprung in der früheren DDR hat, schief angesehen.

Lesen Sie hier unser Gespräch mit Walter Kubach zum Thema soziale Gerechtigkeit

Auch im beschaulichen Mundelsheim ist der 66-Jährige beliebt. „Ich bringe aber auch am Frauentag jeder Frau in der Nähe unseres Hauses eine Rose vorbei“, erklärt er mit einem verschmitzten Lächeln. Er habe auch gute Kontakte zu den Kirchen. Diese Kontakte, die Zeit mit der Familie – Kubach hat einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter – bieten eine willkommene Abwechslung zur Politik. Auch das Fotografieren, erzählt er dem Pressefotograf. „Es ist schade, dass man heute hauptsächlich nur noch mit dem Smartphone fotografiert, weil man es ohnehin dabei hat. Aber lieber ein schlechtes Foto als gar keines.“

Seine Schwäche sei vielleicht, dass er an zu vielem interessiert sei. Er würde am liebsten immer alles hinterfragen. Mit den Theorien zur Coronapandemie oder Studien zum Klimaschutz könne er sich unendlich lange beschäftigen. „Das wird nie langweilig“, sagt er. Deshalb ist neben arbeitsrechtlichen Fragen der Klimaschutz sein großes Thema. Es müsse hier in der Region darum gehen, den Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze zu erhalten und diese dann sukzessive ökologisch umzubauen. „Wenn die Arbeitsplätze erst einmal in Tschechien sind, sind sie endgültig weg. Und dann haben wir hier Zustände wie in Detroit.“ Der Staat müsse sich um den Wohlstand kümmern, nicht die Wirtschaft.

Das Schlimmste sei, dass die Krankenhäuser Gewinn machen müssten. „Da kriege ich einen Vogel“, sagt Kubach, der als Kreisrat von 2014 bis 2019 auch immer für den Erhalt der kleinen Krankenhäuser in Vaihingen und Marbach kämpfte. Und für den Kopfbahnhof in Stuttgart. Kubach gehört zu denen, die Tage vor dem Nordflügel des Bahnhofs verbracht haben und heute noch gegen den milliardenteuren Tiefbahnhof aktiv sind. Auch jetzt sei das Projekt noch zu stoppen, glaubt er. Die Tunnels könne man für den Transport von Gütern nutzen, sagt er. Und die Kämpferseele blitzt aus seinen Augen.

Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der verschiedenen Kandidaten in Videoform.

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