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Daniel Haas (SPD) über das Thema Bildung

Daniel Haas bewirbt sich für die SPD um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Für das Interview mit unserer Zeitung hat er sich das Thema Bildung ausgewählt.

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Herr Haas, nach der Landtagswahl ist Corona noch nicht vorbei. Hat die SPD ein Konzept für Schulen in Pandemiezeiten?

Die SPD hat ein Konzept für den Pandemiefall mit dem Namen „Krisenfestes Klassenzimmer“ erstellt, das wir bereits im Mai 2019 der Kultusministerin vorgelegt haben. In dem Konzept haben wir uns auch mit der Frage auseinandergesetzt, wie der Unterricht in Pandemiezeiten aufrechterhalten werden kann. Das geht zum Beispiel mit Wechselunterricht, bei dem nur die halbe Klasse vor Ort ist und die andere Hälfte den Unterricht online mitverfolgt. Ein weiterer Ansatz ist, dass man zusätzliche Räume anmietet, zum Beispiel Veranstaltungsräume, die jetzt leer stehen, weil keine Events stattfinden. Durch den größeren Platz könnte die große Anzahl der Schüler innerhalb der Klassen entzerrt werden. Dabei gäbe es den positiven Nebeneffekt, dass man so auch Vereine oder Firmen unterstützen könnte, die aufgrund der Veranstaltungsausfälle gerade ihre Räume nicht vermietet bekommen.

Wie will die SPD schwächere Schüler unterstützen, die jetzt gerade durch Corona abgehängt werden?

Es ist sehr schwer, über den Online-Unterricht an diese Schüler heranzukommen. Gerade schwächere oder ganz junge Schüler brauchen Präsenzunterricht. Das sagen auch alle Lehrer, mit denen ich in den letzten Wochen gesprochen habe. Für sie müssten größere Räumlichkeiten angemietet werden, damit die Klassen entzerrt werden können. Jeder Schüler und Lehrer sollte die richtige Maske bekommen. Es könnten auch Luftfilter für jedes Klassenzimmer oder für die Räumlichkeiten angemietet werden. Und wir wollen Zusatzunterricht auf freiwilliger Basis für lernschwächere Schüler. Die Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, in den Ferien den Stoff nachzuholen, und dabei intensiv betreut werden.

Die SPD möchte, dass jeder Schüler ab Klasse 5 ein Tablet bekommt. Ist das der Coronapandemie geschuldet?

Ich denke, die Coronapandemie hat ganz gut aufgezeigt, wo wir Schwächen im Bildungssystem haben. Gerade im Bereich der digitalen Möglichkeiten sind wir weit abgeschlagen. Wir von der SPD sagen: Wir müssen eine flächendeckende Versorgung für Schüler und Lehrer anbieten. Da geht es zum einen um den Ausbau einer flächendeckenden Internetverbindung – damit jede Schule WLAN hat und es mindestens eine 1-Gigabit-Datenleitung gibt –, zum anderen um eine gute technische Ausstattung für jeden Schüler. Und da bietet sich ein Tablet an. Auch Lehrer und Vertreter der GEW meinten im Gespräch, dass Tablets völlig ausreichend sind, denn in erster Linie brauchen die Schüler ein Gerät, mit dem sie Arbeitsblätter lesen und mit dem sie live dazugeschaltet werden können. Die Digitalisierung im Bildungsbereich sollten wir nach Corona nicht wieder abschaffen. Wir müssen dranbleiben. Der Präsenzunterricht soll nach der Pandemie aber nicht ersetzt, sondern die Tablets sollen als unterstützendes Mittel zum Unterricht eingesetzt werden. Wir erleben es ja letztendlich in den Berufen: Wenn die Jugendlichen in die Ausbildung gehen, müssen sie mit digitalen Medien umgehen können. Das muss mehr im Bildungsplan forciert werden.

Bis die Lehrer ausgebildet sind, dauert es ein paar Jahre. Gibt es ein Konzept, damit der Lehrermangel in naher Zukunft behoben werden kann?

Erst einmal müssen wir auf Landesebene die Stellen zur Verfügung stellen, damit wir überhaupt mehr Lehrer einstellen können – und somit auch ausbilden können. Aber Sie haben recht, es dauert ein paar Jahre, bis die Studenten ihren Abschluss haben und lehren dürfen. Um dem ein wenig entgegenzuwirken, würde es helfen, Lehrer grundsätzlich unbefristet einzustellen und die Verträge nicht zu den Sommerferien zu kündigen. Das ließe sich auch kurzfristig umsetzen und hätte eine Wirkung. Generell müssen Anreize geschaffen werden, damit junge Leute sich für den Lehrerberuf entscheiden. Ich würde auch nicht in einem Beruf arbeiten wollen, wenn ich weiß, dass ich nach neun Monaten erst einmal wieder auf der Straße sitze.

Die SPD fordert gebührenfreie Kitas. Wie soll das finanziert werden?

Es geht nicht nur allein um Kitas, sondern darum, dass der ganze Bildungsweg in Baden-Württemberg gebührenfrei wird. Das ist unser Hauptziel. Die gebührenfreie Kita schafft Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig davon, wie dick der Geldbeutel der Eltern ist. Ja, das ist teuer. Aber uns allen muss letztendlich auch wert sein, dass die Kinder eine vernünftige Bildung erhalten. Wir haben seither immer einen ordentlichen Haushaltsüberschuss, 3,4 Milliarden Euro war der letzte. Um die Gebührenfreiheit einzuführen, bräuchten wir landesweit 500 Millionen Euro.

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