Logo

Porträt

Ein Spaziergang mit dem SPD-Kandidaten des Wahlkreises Bietigheim-Bissingen - Daniel Haas will das Direktmandat

Zielstrebig unterwegs: Daniel Haas.Foto: Holm Wolschendorf
Zielstrebig unterwegs: Daniel Haas. Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg. „Treffen wir uns doch in Freiberg am Chinahaus. Da gibt es einen schönen Fußweg“, schlägt Daniel Haas vor, als die LKZ wegen eines Termins für ein Kandidatenporträt anfragt. Coronabedingt soll das Interview im Freien stattfinden – bei einem Spaziergang.

Daniel Haas tritt bei der Landtagswahl am 14. März im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen für die SPD an. Sein Ziel ist hochgesteckt: Er will das Direktmandat holen. „Kämpferischer Ehrgeiz muss sein, wenn ich für etwas brenne“, sagt Haas selbstbewusst. In den zurückliegenden zehn Legislaturperioden sicherte sich die SPD nie das Erstmandat. Darauf hatte die CDU bis 2016 ein Abo. Dann gewann Daniel Renkonen von den Grünen den Wahlkreis. Und der SPD-Abgeordnete Thomas Reusch-Frey, der bis dahin ein Zweimandat hatte, verlor seinen Sitz.

Es nieselt leicht zu Beginn des Spaziergangs. Das Outfit des SPD-Kandidaten wirkt wenig wettertauglich: Sakko, weißes Hemd, Jeans, schicke Sneaker. Immerhin hat er einen großen Schirm dabei. Die stetig dicker werdenden Regentropfen machen Daniel Haas aber nichts aus. Schließlich hat er schon mit ganz anderen Wassermassen zu tun gehabt. Rund 13 Jahre lang war er aktiver Feuerwehrmann und 2017 drei Wochen lang auf dem Mittelmeer als Seenotretter im Einsatz – als Teil der Crew auf der „Sea Eye“.

Sich für Mitmenschen einsetzen, Verantwortung übernehmen, das sei schon lange sein Anliegen, sagt Haas. Mit seiner Frau und dem eineinhalbjährigen Sohn lebt er seit rund fünf Jahren in Freiberg, davor etwa 20 Jahre in Pleidelsheim. Dort trat er auch in die SPD ein. Seit 2017 ist er Vorsitzender des Ortsvereins Pleidelsheim und stellvertretender Vorsitzender im SPD-Kreisverband Ludwigsburg. Erfahrungen in einem politischen Gremium bringt der 32-Jährige, der als Marketingleiter in der Druck- und Verpackungsindustrie arbeitet, nicht mit. Themen, die ihn umtreiben, könne man nicht allein auf kommunaler Ebene angehen, sagt Haas. Dafür müssten landespolitische Rahmenbedingungen gesetzt werden. Als Beispiele nennt er gute Bildungschancen für alle, ausreichend bezahlbaren Wohnraum, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts. „Außerdem gibt es im Landesparlament schon genug Juristen und Hochstudierte“, meint Haas. Da sei ein junger Familienvater wie er, der im Beruf steht und die Alltagsprobleme der Menschen kenne, doch genau richtig.

Lesen Sie hier alle wichtigen Infos zur Landtagswahl

Daniel Haas ist schon früh in den Wahlkampf eingestiegen. „Ich habe im September 2019 meinen Willen zur Kandidatur bekundet“, berichtet er. Ohne Nominierung habe er dann sofort losgelegt, mit vielen Menschen geredet, Kontakt mit Bürgermeistern und Firmen aufgenommen. „Ich wollte wissen, wo der Schuh drückt“, sagt Haas. Er hält nichts davon, wenn Kandidaten sich „nur drei Wochen vor der Wahl“ zeigen. Dieses frühzeitige Engagement komme ihm jetzt, wo persönliche Kontakte pandemiebedingt nur eingeschränkt möglich sind, zugute. Natürlich ist er nun viel online unterwegs. Doch da könnten Stimmungen schlecht wahrgenommen werden. „Deshalb versuche ich weiterhin, im Rahmen der Coronaregeln, möglichst viel vor Ort zu sein“, so Haas.

Was will er konkret in seinem Wahlkreis anpacken? Die Reaktivierung der Bottwartalbahn müsse gelingen. Beim ÖPNV sei ein verlässlicher 15-Minuten-Takt in ländlichen Bereichen und ein Fünf-Minuten-Takt in den Städten erforderlich. Für Unternehmen, die Gewerbeflächen suchen, müsse die passende Infrastruktur geschaffen werden. Und bis Ende 2023 sollen alle Schulen „vernünftig digital ausgestattet“ sein. Damit meint Haas nicht nur schnelles Internet und genügend Computer. Wartung und Betreuung der Systeme dürfe nicht länger den Lehrern aufgebürdet werden. Dafür müssten die Kommunen IT-Fachleute einstellen.

Gibt es außer dem Direktmandat noch ein ehrgeiziges Ziel? Durchaus: Daniel Haas will im Herbst beim Bottwartal-Marathon die volle Distanz laufen. Seit zwei Jahren joggt er leidenschaftlich und hat dadurch 30 Kilo abgenommen. „Das war auch dringend nötig“, gibt der 32-Jährige lachend zu. Einen Halbmarathon hat er schon geschafft. Aber halbe Sachen sind so gar nicht sein Ding.

Autor: