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Elvira Nägele (FDP) über das Thema Bauen

Elvira Nägele bewirbt sich für die FDP um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Für das Interview mit unserer Zeitung hat sie sich das Thema Bauen ausgewählt.

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Ihre Partei will die Landesbauordnung entrümpeln. Was ist nach Ihrer Ansicht das drängendste Problem?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Es sind so viele Gesetze und Regelungen, die das Bauen erschweren und teuer machen: Auflagen zu Brandschutz, Schallschutz, Immissionsschutz, Gewässerschutz, Arbeitsstättenrichtlinien – die Landesbauordnung ist ja nur eine davon. Als Architektin könnte ich fast einen Anwalt einstellen, so dicht ist mittlerweile der Gesetzesdschungel. Und ich brauche somit für alles einen Fachplaner, den der private Bauherr sich meist nicht leisten kann. Ich bin dafür, zu einfacheren und auch zu mehr bundeseinheitlichen Regeln zu kommen. Dazu kommt, dass die Bebauungspläne der Kommunen oft veraltet sind, sie stammen teils aus den 60er oder 70er Jahren. Da stimmen die ganzen Geschosshöhen nicht mehr. Auch die vielen DIN-Normen, die von der Industrie gemacht werden, bereiten oftmals Probleme. Jetzt sollen bei Neubauten auch noch Photovoltaikanlagen als Pflicht verankert werden, das finde ich nicht gut. Die Häuslebauer sind ja oft junge Familien, für die die Finanzierung sowieso schwierig ist. Da bedeuten viele Auflagen zusätzliche Kosten. Und das, wo sich viele heutzutage nicht einmal mehr das Grundstück leisten können.

Was bieten Sie Leuten an, die sich ein Eigenheim gar nicht leisten können?

Vor allem muss man nachverdichten, gerade im ländlichen Raum. Beispielsweise gibt es viele Baugebieten aus den 60er und 70er Jahren mit riesigen Gärten, die gar nicht mehr nebenbei vom Eigentümer bewirtschaftet werden können. Da gibt es einige Bauherren, die gerne ein kleines Mehrfamilienhaus realisieren würden. Auf diese Weise könnten günstige Mietwohnungen angeboten werden, weil der Bauherr Grund und Boden nicht erst kaufen müsste. Das wäre eine Möglichkeit. Eine andere wäre, bestehende Gebäude einfacher aufzustocken: Wenn man prinzipiell im Bebauungsplan erlauben würde, noch ein Stockwerk draufzusetzen, oder Gauben und Dachflächenfenster prinzipiell von einer Genehmigung freistellt. Denn eine Gaube verschattet keinen Nachbarn, schadet ihm also nicht, macht aber ein ganzes Dachgeschoss nutzbar. Auch auf diese Weise könnten Privatleute günstig neuen Wohnraum bauen und zur Verfügung stellen – ohne Mietpreisbremse, damit es für die Bauherren attraktiv bleibt. So könnte man sehr schnell zu mehr bezahlbarem Wohnraum kommen – und das, ohne Gebäudekolosse hinzustellen.

Lesen Sie hier das persönliche Porträt von Elvira Nägele

Könnte man so auch den Widerspruch zwischen Bauen und Flächenfraß aufzulösen?

Genau. Weil wir ja diese Flächen schon haben, die nicht mehr anders genutzt werden. Das wäre eine sehr pragmatische Lösung, die schnell gelingen kann, wenn die Gemeinden dabei mitziehen.

Immer mehr Gemeinden kaufen Bauland selber auf, um Preisspekulation zu verhindern. Der richtige Weg?

Das würde ich nicht unbedingt sagen. Es kann angesichts der hohen Grundstückspreise einerseits sicher sinnvoll sein. Andererseits will ich aber als Verkäufer mit meiner Investition auch einen gewissen Preis erzielen. Da muss man also beide Seiten betrachten.

In Zeiten des Klimawandels gelten veraltete Heizungen und schlechte Isolierung als großer Posten beim CO-Ausstoß. Wie ist das Problem zu lösen?

Ich finde es grundsätzlich gut, dass im Gebäudeenergiegesetz (GEG) Vorgaben bundeseinheitlich verankert worden sind und der Wirrwarr von Bund und Land auf eine Basis gestellt wurde. Nur sind die energetischen Anforderungen teilweise viel zu hoch. Wir haben doch im ländlichen Raum viele gar nicht gedämmte Dachgeschosse mit sehr hohem CO-Ausstoß. Wenn man eine Erlaubnis für eine geringere Mindestdämmung bei Altbauten hätte, wäre viel mehr erreicht, als wenn gar nichts gedämmt ist, damit würde man viel mehr für den Klimaschutz bewirken. Den hohen Anforderungen für eine staatliche Förderung zufolge muss man heute mit einer zirka 30 Zentimeter dicken Schicht dämmen. Ein altes Haus hat oft nur 16 Zentimeter hohe Sparren, da muss ich also das ganze Dach abdecken. Ich verstehe nicht, dass man da nicht eine Zwischenlösung findet. Ich habe selber, als das noch erlaubt war, einfach Zellulose unter die Ziegel eingebracht und mit dieser Art Dämmung ungefähr die Hälfte des Ölverbrauchs eingespart. Das hat also einen großen Nutzen, wäre aber heute gar nicht mehr zulässig. Wir brauchen individuellere Regeln. Denn wenn die Kosten zu hoch sind und sich am Ende nicht rechtzeitig amortisieren, dann werden viele Eigentümer die Sanierung einfach nicht in Betracht ziehen.

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