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Porträt

Markus Rösler (Die Grünen) im Porträt: Ein Brückenbauer mit Bodenhaftung

Der Grünen-Politiker Markus Rösler will am 14. März das Direktmandat im Wahlkreis Vaihingen verteidigen – Dem Nabu stark verbunden

Markus Rösler hat erneut das Mandat geholt. Foto: Ramona Theiss
Markus Rösler hat erneut das Mandat geholt. Foto: Ramona Theiss

Kreis Ludwigsburg. Wer mit Markus Rösler spazieren geht, der muss festes Schuhwerk anziehen. Also die Wanderstiefel geschnürt, und los geht’s zum Leudelsbach in Markgröningen. Dort treffen wir uns. Zum Spaziergang und Gespräch. Über eines will der Landtagskandidat im Wahlkreis Vaihingen aber am liebsten nicht reden: Corona. „Das überlagert im Moment alles, da kommt man kaum noch zu den anderen Sachthemen.“

Lieber stapft er sicheren Schrittes den Berg hinauf, das Fernglas immer um den Hals, und bleibt plötzlich stehen: „Hören Sie das?“, fragt Rösler. „„Das ist eine Singdrossel, die kleidet ihr Nest mit Ton aus.“ Der 59-Jährige beschäftigt sich schon seit der Kindheit mit der Ornithologie. „Das ist mir in die Wiege gelegt worden, so Rösler, der 1961 in Gerlingen in eine vogelschutzbegeisterte Familie geboren wurde. „Die Vogelkunde und der Naturschutz ist eine der langen Linien meines Lebens“, sagt Rösler. Sein Vater war seit 1959 Mitglied im damaligen Bund für Vogelschutz und auch er selbst ist seit über 40 Jahren engagiert. Im Nabu ist Rösler seit 1973 Mitglied und Gründer sowie Leiter des Nabu-Umweltzentrums im Kreis Ludwigsburg. Seit 1982 ist Rösler in verschiedenen Funktionen auf Bundes- und europäischer Ebene im Nabu ehrenamtlich aktiv – zuerst in der Jugendorganisation Naturschutzjugend, dann für DDR-Kontakte, für Streuobst und Großschutzgebiete. Seit 2020 ist er Vorstandsvorsitzender der Gerlinger Johannes-Rebmann-Stiftung, die er 2002 mitbegründete. „Die Liebe zur Natur begleitet mich schon mein ganzes Leben“, sagt der gebürtige Gerlinger, der in Korntal das Gymnasium besuchte und heute mit Frau und drei Söhnen in Vaihingen-Ensingen lebt. Dort steht neben dem Naturschutz die Musik ganz im Vordergrund. Rösler spielt seit seiner Kindheit Klavier. „Unser Lehrer hat alle vier Kinder der Rösler-Familie seit 1959 unterrichtet, und auch mich“, erinnert sich der Grünen-Politiker. In den 90er Jahren hat er sich dann ein eigenes Instrument zugelegt, das sich durch voluminöse Bässe auszeichnet. Auch seine Kinder lernen jetzt auf diesem Klavier. „Ein paar Etüden zu spielen, das entspannt mich, da können die Gedanken fliegen.“ Eine dritte lange Linie ist das Interesse am Streuobst. „Ich komme aus einer alten Wengerter-Familie. Im Keller sind die Fächer voll mit Quittenbrei, Apfelkompott, Süßmost. „Wenn ich im Garten schaffe, dann weiß ich, was ich geschafft habe.“ In Ensingen hat er einen 18 Ar großen Garten, der gepflegt werden will. 1985 bis 1992 studierte Rösler Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin samt einem Praxissemester in Griechenland, einem Stipendienaufenthalt in der DDR am Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz in Greifswald und einem Werkvertrag mit der Gemeinde Bad Boll zum Thema Streuobst, der in die Diplomarbeit mündete. Promotion zum Thema Arbeitsplätze durch Naturschutz am Beispiel der Biosphärenreservate und der Modellregion Mittlere Schwäbische Alb an der TU Berlin. Von 1997 bis 2000 arbeitete er am Lehrstuhl für Landschaftsökonomie der Universität Greifswald. 2000 bis 2006 war er Geschäftsführer des saarländischen Nabu, dessen Stiftung Saarländisches Naturerbe er mitbegründete.

Rösler sieht sich aber vor allem als Brückenbauer. Zwischen Ökonomie und Ökologie, zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. „Es ist klar, dass ein Schäfer Panik kriegt, wenn der Wolf wieder zurückkommt“, versucht er für beide – Wolf und Schaf – Lebensraum zu finden. Aber auch in der Finanzpolitik. „Schwarze Zahlen passen durchaus zu grünen Ideen.“ Versorgungsrücklage aufbauen, Schulden zurückzahlen sind nur zwei Stichworte hierfür. Zum Brückenbauen gehört für ihn auch das Bemühen nach Überparteilichkeit. „Die Partei ist wichtig, die Sache ist wichtiger“, sagt er. Gut umgesetzt sei das in der Dialekt-Initiative aus der Mitte der Fraktionen, die Rösler mit initiiert hat.

In der Politik ist er ein Quereinsteiger. Vor seiner Wahl in den Landtag vor zehn Jahren hatte er keine Parteifunktionen inne. 2011 schaffte er den Sprung in den Landtag noch über das Zweitmandat. Fünf Jahre später gewann er den traditionell schwarzen Wahlkreis sensationell mit 33,1 Prozent direkt. „Damals lag ich 2,8 Prozent über dem Grünen-Landesschnitt. Diesmal will ich drei Prozent mindestens drüber liegen“, gibt er das Ziel für den Wahlgang am 14. März vor. Und das Direktmandat verteidigen. Wie dann eine Koalition aussehen kann, darüber mag er noch nicht spekulieren. Die Arbeit mit „den Schwarzen“ sei in den vergangenen Monaten aber sehr anstrengend gewesen. „Hauptsache, wir stellen den Ministerpräsidenten.“

Info: Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der verschiedenen Kandidaten in Videoform.

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