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Roland Zitzmann (FDP) zum Thema Mobilitätswende

Roland Zitzmann bewirbt sich für die FDP um ein Landtagsmandat im Wahlkreis Vaihingen. Für das Interview mit unserer Zeitung hat er das Thema Mobilitätswende gewählt.

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Herr Zitzmann, bedeutet die Mobilitätswende das Ende des Individualverkehrs?

Nein. Zur Mobilitätswende gehören alle Arten der Fortbewegung, also Pkws, Bus und Bahn genauso wie das Fahrrad. Zur Mobilitätswende gehört auch, dass wir uns breit aufstellen und nicht nur auf Elektro setzen, nicht nur auf Wasserstoff, nicht nur auf den Verbrennungsmotor, sondern auf alle Antriebsarten einschließlich Gas und alles, was es sonst gibt oder in Zukunft geben wird. Wir dürfen nicht nur eine Antriebsart – Elektro – mit Puder zuckern, ein Haufen Geld reinschieben und alle anderen vernachlässigen. Wir müssen alle Antriebsarten bis zu einem gewissen Punkt gleich behandeln – bis sie selbst laufen können. Dann wird das ein oder andere sowieso nicht weiterverfolgt werden. Denn am Ende entscheidet der Kunde, welches Modell sich durchsetzt.

Dann sehen Sie das Ende des Verbrennungsmotors noch nicht gekommen?

Nein, zum heutigen Zeitpunkt mit Sicherheit nicht. Aber wir müssen auf synthetische Kraftstoffe umschwenken. Wir haben den großen Vorteil, dass wir das vorhandene Netz der Tankstellen nutzen können. Ob ich in den Tank fossile oder synthetische Kraftstoffe fülle, ist ja egal. Aber für den Elektroantrieb muss ich nach wie vor die ganze Infrastruktur aufbauen – was ja gut ist und was auch gemacht wird. Aber das reicht momentan noch nicht. Wenn es 2025 oder 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr gibt, dann sehe ich uns in Deutschland vor einem Stillstand, weil es in dieser Zeit einfach nicht möglich ist, das Ganze aufzurüsten.

Denken Sie, dass manche auf ihr Auto verzichten würden, wenn der ÖPNV gestärkt wird?

Ich denke, das ist eine Generationsfrage. Die ältere Generation wird sich damit schwertun. Die junge Generation denkt anders, kann ich mir vorstellen. Wir müssen unsere Gedanken für den ÖPNV öffnen. Aber mit den jetzigen Strukturen ist der ÖPNV nicht leistungsfähig. Wir haben zum Beispiel große Busse mit 50 Sitzplätzen. Die fahren auf dem Land relativ leer herum. Zu Stoßzeiten brauche ich die großen Busse. Die kommen aber nicht in die Wohngebiete rein, weil die Straßen zu eng sind. Um die Leute auf den ÖPNV zu holen, muss ich sie quasi zu Hause abholen. 100, 200 Meter hin oder her ist ja nicht das Problem, aber momentan sind die Haltestellen teils einen Kilometer oder weiter weg. Und wir müssen uns fragen, ob wir die großen Busse brauchen. Es gibt ja kleine Busse, die halb so groß sind wie die mit 50 Sitzplätzen, an denen zu Stoßzeiten ein Anhänger mit weiteren Sitzplätze gekoppelt werden kann. Und wenn ich diese Kapazitäten nicht brauche, dann lasse ich den Anhänger stehen und kann mit dem kleinen Bus in die Wohngebiete reinfahren – vielleicht auf Abruf, vielleicht auf Taktung, darüber müssen wir diskutieren. Ich denke, da brauchen wir die Offenheit und die Flexibilität. Nicht in jeder Gemeinde ist jedes System gleich gut anwendbar.

Der Ausbau des ÖPNV würde aber sicherlich einiges kosten ...

Die Frage ist doch: Was wollen wir? Wollen wir die Menschen auf den ÖPNV bringen oder wollen wir so weitermachen wie bisher? Wenn ich die Leute zum ÖPNV bringen möchte, dann muss ich auch das Angebot steigern. Man muss sich Gedanken machen und sich mit der Kommune und den Anwohnern darüber unterhalten, was sinnvoll ist. Vielleicht ist auch ein Rufbus geeignet, den man anrufen kann, wenn man abgeholt werden will. Ich bin dafür, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie die Mobilität in Zukunft aussehen soll, wie wir es umsetzen können und welche Maßnahmen wir jetzt ergreifen müssen, damit wir zum gewünschten Ziel kommen.

Werfen wir einen Blick in Ihren Wahlkreis Vaihingen: Welches Verkehrsprojekt ist Ihrer Ansicht hier am dringendsten?

Dringlich ist die S5-Verlängerung von Stuttgart über Bietigheim und Vaihingen bis nach Mühlacker. Nachfolgend dringlich ist die Stadtbahn Richtung Markgröningen und nach Möglichkeit nach Schwieberdingen und die Verlängerung der Strohgäubahn nach Stuttgart. Wichtig ist auch der Ausbau der B10 und die Umfahrung von Enzweihingen. Selbst wenn wir den ÖPNV ausbauen und Verbrennungsmotoren abschaffen würden: Die Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge brauchen auch Straßen. Wir müssen dafür sorgen, dass der Verkehrsstrom auf die B10 kommt, wo er hingehört, und nicht durch die anliegenden Gemeinden durchführt. Was noch dazukommt, ist der Ausbau von Radwegen. Wir haben verschiedene Strecken, die gefährlich sind, aber stark genutzt werden. Was die Dringlichkeit angeht, möchte ich zwischen Auto, ÖPNV und dem Fahrrad keinen Unterschied machen, denn wir müssen den Verkehr in seiner Gesamtheit sehen und ein einheitliches Konzept entwickeln.

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