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LKZ-Frühjahrs-Leserreise

Reif für die Insel

Über 100 Reisende erleben das Inselparadies Jersey.

Jersey. Man stelle sich folgendes Rechteck vor: Im Westen Pulverdingen an der B 10, im Osten Poppenweiler am Neckar, im Süden Pattonville und im Norden die Altstadt Bietigheims. So groß – oder klein – ist Jersey. Kaum zu glauben, denn die engen Sträßchen der Insel, die zerklüftete Küstenlinie und die weiten Sandstrände, zumindest bei Ebbe, lassen die Insel viel größer erscheinen.

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LKZ Leserreise Jersey

 

Jersey liegt wie die anderen Kanalinseln vor der französischen Küste in der Bucht von Saint-Malo. Ihr Tidenhub, der Unterschied zwischen Ebbe und Flut, beträgt bis zu zwölf Meter. Bei Ebbe sehen weite Teile des Meeres aus wie eine felsenübersäte Mondlandschaft. Der 1792 erbaute Seymour Tower, zwei Kilometer draußen im Meer, kann bei Ebbe zu Fuß erreicht und für 400 Euro die Nacht gemietet werden.

 

Im Lauf ihrer wechselvollen Geschichte gehörte Jersey mal zu Frankreich, mal zu England. Heute sind die Kanalinseln zwar britisch aber autonom, also weder Teil Großbritanniens noch des Vereinigten Königreichs. Es gehörte auch vor dem Brexit-Referendum noch nie zur EU.

 

Ihre nachhaltigste Zäsur erlebten die Kanalinseln im Zweiten Weltkrieg, als sie von 1940 bis Kriegsende 1945 von den Deutschen besetzt waren, also auch noch nach dem D-Day, der Invasion der Alliierten in der Normandie. Versteckte, aber auch weithin sichtbare Bunkeranlagen aus dieser Zeit säumen in nahezu unverändertem Zustand auch die Küstenlinien Jersey. Die ersten Jahre nach dem Krieg störte man sich noch daran. Heute nimmt man sie wahr als Teil der Geschichte, wie die 31 Wehrtürme aus napoleonischer Zeit.

 

Mit einem Mehrwertsteuersatz von gerade einmal fünf Prozent ist Jersey nach wie vor ein so genanntes Steuerparadies. Viele Jerseyaner sind in der Finanzbranche tätig und keiner käme auf die Idee, über Beilhilfe zur Steuerhinterziehung zu reden: Wir beraten und helfen doch nur, nothing else!

 

Nicht minder berühmt ist Jersey für seine rehäugigen Kühe mit den langen Wimpern. Die relativ kleine Jersey Cow gibt zwar nur rund 5000 Liter Milch pro Jahr, dafür liegt deren Fettgehalt bei sechs Prozent und jede Kuh trägt einen eigenen Namen.

 

In siebzig Minuten rast die 800 Personen fassende Schnellfähre von Jersey nach Saint-Malo, der alten bretonischen Korsarenstadt. Sie ist Ausgangspunkt für den Besuch eines achten Weltwunders, dem im Meer gelegenen Klosterfelsen Mont-Saint-Michel. Ein Ausflug, den die meisten der über hundert Reiseteilnehmer genießen; schwäbisch-pragmatisch: Wenn man schon mal in der Nähe ist …

 

Schließlich ließen sich fast alle von der erstaunlichen Vielfalt Jerseys und ihrem subtropischen Klima überraschen – und überzeugen. Kein Wunder; während es vorige Woche zu Hause häufig regnete, erlebten die Gäste acht Tage Sonnenschein.