Ludwigsburg | 23. Oktober 2017

Am Ende bleiben Fragen offen

Zwei junge Besigheimer mussten sich vor dem Heilbronner Amtsgericht verantworten. Die Anklage gegen die 21- und 26-Jährigen lautete: gemeinschaftlicher Autodiebstahl, versuchter Computerbetrug, Vortäuschen einer Straftat sowie versuchter Diebstahl in einem besonders schweren Fall und weitere Delikte.

Richter Hans-Martin Dietrich verhängte die Strafen auf Bewährung: sieben Monate Jugendstrafe gegen den jüngeren, elf Monate Gesamtfreiheitsstrafe für den älteren Besigheimer. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis darf er ein Jahr lang keinen Führerschein machen. Beide haben die Auflage, dass sie ihre Tat aufarbeiten müssen. Zudem haben sie jeweils 500 Euro an die Sozialberatung in Ludwigsburg zu bezahlen. Der Autodiebstahl konnte den Angeklagten aber nicht nachgewiesen werden. Es bleiben Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten und damit der Eindruck, so Richter Dietrich nach der Verhandlung: „Alle wussten Bescheid über den Autodiebstahl, nur die Polizei nicht.“ Damit zitierte er den als Zeugen geladenen Polizisten vom Polizeiposten Besigheim.

Mit der Befragung der Angeklagten war Richter Dietrich zu Beginn der gut vierstündigen Verhandlung ins Rekonstruieren der Vorwürfe eingestiegen. Während der 21-Jährige nur Angaben zu seiner Person machte, beantwortete der 26-jährige Angeklagte die Fragen des Richters.

Dies ergab folgendes Bild: Die beiden Angeklagten waren vor rund zwei Jahren Freunde geworden. Nun sind sie entzweit. Der Jüngere habe bei ihm 1600 Euro Schulden, sagte der Ältere. Und: „Ich werde gerade reingeritten, obwohl ich beim Autodiebstahl nicht dabei war.“ Zwar habe er davon gewusst, doch die Ankündigung des Freundes nicht für bare Münze genommen. Als es eines Nachmittags klingelte, sei ein Audi in seiner Einfahrt gestanden, der Freund habe ihm den Schlüssel übergeben. Das Auto im Wert von 13 000 Euro gehörte einem Freund des Jüngeren. Die Mutter des Bestohlenen sagte aus: Am 23. November 2016 seien sie und ihre Kinder im Haus in Löchgau gewesen, als sie einen lauten Knall hörte, darauf einen aufheulenden Motor. Jemand hatte das Auto aus der Garage in Löchgau gestohlen. Beim Wegfahren war er am Blumenkübel hängen geblieben. Bereits zwei Tage vorher sei ihr aufgefallen, dass ein schlanker Mann das Haus beobachtete und ging, als sie ihn bemerkte.

Die Angeklagten entwendeten im Besigheimer Wohngebiet Schimmelfeld an einem anderen Auto die Nummernschilder, um sie am Audi anzubringen. Der Ältere, so dessen Aussage, sei dann mit seinem Bruder nach Mailand zur Mutter gefahren. Auch weitere Fahrten hatte er unternommen, konnte jedoch keinen schlüssigen Grund nennen. Die Frage des Richters, ob er das Auto als Ausgleich für die Schulden des Jüngeren bekommen habe, verneinte er. Schließlich war es ihm mit dem gestohlenen Fahrzeug zu stressig geworden. Er stellte es „Auf dem Kies“ ab, warf den Schlüssel in die Enz. Die Polizei fand es Anfang Dezember 2016.

Auch zu den weiteren Vorwürfen – wie Diebstahl des Schlüsseltresors in einer Besigheimer Gaststätte, um die Geldspielautomaten zu entleeren – sagten Zeugen aus. Lediglich die Beteiligung am Autodiebstahl konnte das Jugendschöffengericht keinem der beiden nachweisen. Sie gaben an, derzeit in einem geregelten Arbeitsverhältnis zu stehen. Das Urteil trug den Initiativen der beiden Angeklagten Rechnung, sich ins normale Leben einzugliedern.

Ines Franzke
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