Ludwigsburg | 08. März 2018

Bewährungsstrafe wegen Socken und Zigaretten

Weil er sich mit einem Detektiv angelegt und einen Supermarkt in Freiberg in Aufruhr versetzt hat, landete ein Ladendieb vor dem Ludwigsburger Schöffengericht. Der Mann wollte seine Beute nicht einfach wieder hergeben, sondern leistete viel lieber Widerstand. Dafür kassierte er seine erste Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung.

Vor dem Ludwigsburger Amtsgericht legte der 39-jährige Bietigheimer nur ein Teilgeständnis ab, was ihm nicht zum Vorteil reichte. Denn das Personal des Supermarktes fand nach der Rangelei mit dem Langfinger am 10. Juli vergangenen Jahres gegen 20 Uhr alles wieder, was aus den Regalen verschwunden war: Zwei Schachteln Zigaretten und ein Paar Socken im Gesamtwert von nicht einmal 20 Euro. Das machte das Delikt erstmal zu einem Diebstahl geringwertiger Sachen. Weil er aber Widerstand gegen den Detektiv leistete, wurde daraus auch ein räuberischer Diebstahl.

Der Detektiv beobachtete den Ladendieb per Überwachungskamera und sah, wie der Mann die Zigaretten an der Kasse heraus- ließ und dann noch einmal zurück in den Laden ging, um sie in seiner Kleidung zu verstecken. Der Detektiv ließ ihn gewähren und sprach ihn erst an, als er an der Kasse lediglich eine Cola und ein Baguette bezahlt hatte. Der Dieb wollte flüchten, weshalb ihn der Detektiv am Arm festhielt. Der 39-Jährige riss sich los, worauf er vom Detektiv in den Schwitzkasten genommen und zu einem Zimmer geführt wurde. Vor dem Raum, so sagte der Detektiv als Zeuge vor Gericht aus, habe der Dieb plötzlich nach hinten gegriffen. Weil er die Befürchtung hatte, dass der Räuber ein Messer oder eine andere Waffe zieht, habe er ihn weggestoßen.

Im Büro landete der Dieb anschließend trotzdem. Dort habe er ihn, bis die Polizei eintraf, auf einem Stuhl fixieren müssen. Polizeibeamte schilderten als Zeugen vor Gericht das Verhalten des Ladendiebes ebenfalls als wenig kooperativ. Vor seiner Festnahme habe er ständig protestiert. Weder der Detektiv noch der Ladendieb seien bei ihrer Rangelei verletzt worden.

Der Angeklagte war zuvor schon dreimal in die Fänge von Detektiven geraten. Einmal hatte er sogar ein Taschenmesser dabei. Dafür flatterte ihm jedes Mal ein Strafbefehl mit einer Geldstrafe ins Haus. Im Freiberger Fall war es damit allerdings nicht mehr getan. Die Staatsanwältin erkannte ganz klar seine Absicht, seine Beute behalten zu wollen und bejahte den Tatbestand des räuberischen Diebstahls genauso wie später das Gericht.

Dem Urteil von zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung legte das Ludwigsburger Amtsgericht allerdings einen minderschweren Fall zugrunde. Die Begründung: Das Maß der Gewaltanwendung gegen den Ladendetektiv sei eher am unteren Rand anzusiedeln. Darüber hinaus wurde der 39-jährige Vater dreier Kinder, die bei der Mutter im Ausland leben, einem Bewährungshelfer unterstellt, weil er drogensüchtig ist und Probleme mit der Krankenversicherung hat.

Nach Deutschland sei er gekommen, um seine Leberzirrhose behandeln zu lassen, sagte der Mann. Aber er bekomme einfach keine Behandlung finanziert.

Heike Rommel
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