Amtsgericht
Ludwigsburg | 28. November 2017

Beziehungsende der handfesten Art

Angeklagter wird zu 90 Tagessätzen verurteilt, nachdem er seine Ex-Freundin in seiner Wohnung geschlagen hat

Eigentlich wollte der Angeklagte an einem Abend im März einfach nur etwas trinken. Diesen Plan setzte er zunächst auch in die Tat um. In einer Kneipe am Ludwigsburger Bahnhof lernte er dabei einen kroatischen Landsmann kennen, den er gemeinsam mit einer weiteren Bekannten zu sich nach Hause einlud. Der weitere Verlauf des Abends endete mit einem Polizeieinsatz. Gestern musste sich der Mann vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Staatsanwalt legte ihm eine schwere Körperverletzung zur Last. Als der Mann nach der Kneipentour mit seiner Begleitung nach Hause kam, befand sich auch seine damalige Lebensgefährtin, ebenfalls gebürtige Kroatin, in der gemeinsamen Wohnung. Zu später Stunde hatte sie sich bereits im Schlafzimmer aufs Ohr gelegt, fühlte sich aber schon bald nach Eintreffen des Trios durch „Geräusche der pornografischen Art“ in ihrem Schlummer gestört, wie die Übersetzerin der Richterin mitteilte. Im Wohnzimmer stieß sie dann auf ihren Freud und dessen Anhang. „Die saßen alle auf dem Sofa, haben einen Pornofilm geschaut und sich gegenseitig angefasst.“

Die Zufallsbekanntschaft aus der Bahnhofskneipe habe sich die Hose angezogen und die Wohnung verlassen, nur der Freund und die zweite, ihr unbekannte Frau seien geblieben. Schnell eskalierte die Situation, es habe Schläge von ihrem Freund gesetzt. „Ich lag auf dem Boden, er saß auf mir, riss mir Haare aus und schlug meinen Kopf auf den Boden.“ Auch die „junge Dame“ habe ihr mit Tritten zugesetzt. Schließlich habe sie aufstehen können. Als sie die Wohnung verlassen wollte, habe ihr Freund sie in Richtung der offenstehenden Glastür des Wohnzimmers geschubst. Daraufhin sei sie in die Tür gelaufen, die Glasscheibe dabei zersplittert. Dann sei sie aus der Wohnung geflüchtet und habe die Polizei alarmiert.

Etwas anders fiel die Darstellung des Angeklagten aus. Der Mann räumte ein, dass er seine jetzt getrennt von ihm lebende Freundin an den Haaren gezogen und auch geschlagen habe. „Ich bedauere das, ich habe einen Fehler begangen“, räumte er ein. „Der Abend hätte aber anders ausgehen können, wenn alle Beteiligten ein wenig zurückhaltender gewesen wären.“

Seine damalige Freundin, der er „pathologische Eifersucht“ unterstellte, sei nach ihrem Erscheinen im Wohnzimmer unvermittelt auf seine Bekannte losgegangen, es sei zu „gegenseitigen Handgreiflichkeiten“ gekommen. Auch habe er seine Freundin nicht in die Glastür geschubst, „sie ist durch die Tür gefallen“.

Nach der Beweisaufnahme forderte der Staatsanwalt eine zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung, der Verteidiger hielt eine Geldstrafe für angemessen.

Die Richterin sah es genauso wie der Verteidiger und verurteilte den Angeklagten wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen von jeweils 50 Euro wegen Körperverletzung.

Die Schläge und das Ausreißen ganzer Haarbüschel, das der nicht vorbestrafte Mann eingestanden hatte, bezeichnete die Richterin als heftig. „Da gibt es nichts zu beschönigen“. Andererseits habe das Opfer teils widersprüchliche Aussagen gemacht und versucht, sich in ein gutes Licht zu rücken. Das genaue Geschehen, etwa die Geschichte mit der Glastür, lasse sich deshalb nicht mehr rekonstruieren.

Frank Klein
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