Ludwigsburg | 28. April 2018

Dieb und Schläger muss ins Gefängnis

Wegen mehreren gewerbsmäßigen Diebstählen und einer gefährlichen Körperverletzung auf dem Akademiehof hat das Ludwigsburger Jugendschöffengericht einen 20-Jährigen aus dem Stadtgebiet zu drei Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt. Der junge Mann geht nicht zum ersten Mal ins Gefängnis und musste sich – wenn er draußen war – auf der Straße durchschlagen. Bei ihm, so das Gericht, hätten alle bisher ergriffenen Jugendhilfemaßnahmen nicht gefruchtet, so dass er erzieherisch nur noch im geschlossenen Vollzug erreicht werden könne.

Weil Richter und Schöffen eine Einheitsjugendstrafe mit vorausgegangenen Urteilen gebildet haben, muss der 20-Jährige nur noch zwei Jahre ins Jugendgefängnis Adelsheim. Anderthalb Jahre hat er schon abgesessen. In seiner Verhandlung sah sich der 20-Jährige fünf Anklagen gegenüber, wovon eine auf unerlaubten Drogenbesitz eingestellt wurde.

Drei Anklagen lauteten auf Diebstahl, teilweise schwer. In der Absicht, Diebesgut auf der Straße zu Geld machen zu können, damit er von etwas leben kann, versuchte der Angeklagte am 4. April letzten Jahres im Marstallcenter ein Smartphone im Wert von 500 Euro zu stehlen, wurde dabei ertappt und aus dem Laden geworfen.

Das hielt ihn nicht davon ab, am Folgetag gegen 10 Uhr wieder im selben Laden zu stehen, eine Spielkonsole im Wert von rund 200 Euro mit dem Schraubenzieher zu entsichern und sie in seinen Hosenbund zu stecken. Eine rund 500 Euro teure Smartwatch holte sich der junge Dieb dann am 10. November in Stuttgart und tags darauf stahl er zwei Nintendos im Wert von etwa 600 Euro aus einem Geschäft in Bietigheim.

Die Diebstähle gab der Angeklagte vor Gericht alle zu. Was er aber vehement abstritt, war eine gefährliche Körperverletzung am 3. September 2017 kurz nach Mitternacht auf dem Ludwigsburger Akademiehof. Er wollte nicht derjenige gewesen sein, der einem 17-Jährigen eine Glasflasche auf den Hinterkopf geschlagen hat, wurde aber von Zeugen und dem Verletzungsbefund überführt. Weil der Verletzte hinterher mit einer Kopfplatzwunde da stand, kamen Rettungssanitäter, die wiederum die Polizei riefen, weil sie mit dem angetrunkenen Verletzten nicht fertig wurden, der partout in keine Klinik wollte. Das Opfer wollte der Polizei den Täter mit der Flasche, deren abgebrochener Hals auf dem Hof sicher gestellt wurde, nicht nennen.

Der 17-Jährige selber beteuerte vor Gericht, er habe nicht sehen können, wer ihm von hinten die Flasche auf den Kopf geschlagen hat. Sein 16-jähriger Kumpel benannte indes vor Gericht den Angeklagten als Täter. Er hätte dafür gesorgt, sagte der Schüler, dass der Krankenwagen kommt und den Sanitätern Brille und Mütze des Opfers überreicht. Dann habe er sich aber auf den Bus nach Hause gesputet, denn er sei zur Tatzeit erst 15 Jahre alt gewesen.

Hintergrund des Schlages mit der Flasche war der Beweisaufnahme nach eine Interaktion zwischen zwei Gruppen, die sich daran entzündete, dass sich einer aus Versehen auf das gefüllte Glas eines anderen setzte.

Heike Rommel
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige