Ludwigsburg | 19. Oktober 2017

Ex-Jugendtrainer muss ins Gefängnis

Ein ehemaliger Tischtennis-Jugendtrainer des TSV Höfingen muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Stuttgarter Landgericht sprach den 62-jährigen Mann, der seinen Wohnsitz im Kreis Ludwigsburg hat, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in mindestens elf Fällen schuldig. Da der Mann aber keine Vorstrafen hat, könnte er weitaus früher wieder in Freiheit kommen, hieß es am letzten Prozesstag.

Seine Opfer waren zwischen sieben und elf Jahren alt. Vor der 2. Großen Jugendschutzkammer des Stuttgarter Landgerichts hatte der Beschuldigte bereits am ersten Verhandlungstag die schweren Vorwürfe zugegeben, was ihm nun bei der Strafzumessung zugutekam. Dennoch forderte die Staatsanwältin eine vierjährige Freiheitsstrafe gegen ihn – unter Berücksichtigung von zwei Fällen einer jeweils besonders schweren Tatausführung.

Es ging um die Jungen, mit denen er mehrfach Wochenendfreizeiten in Österreich und auch am Bodensee veranstaltet hatte. Bei diesen Reisen war es zu den sexuellen Übergriffen gegen die Kinder gekommen.

Doch nicht nur das Geständnis des 62-jährigen Angeklagten war ein Grund für eine recht milde Strafe. Damit erreichte er, dass die Opfer nicht als Zeugen auftreten mussten. Auch der Umstand, dass er bislang nicht vorbestraft ist und vor allem im einschlägigen Bereich keine Einträge verzeichnet sind, bewahrte ihn vor einer weitaus höheren Sanktion.

Zudem wird er die verhängten dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe wohl nicht ganz verbüßen müssen. In der Regel können Verurteilte im höheren Alter ohne einschlägige Vorverurteilungen bereits nach der Hälfte der Strafe aus der Haft entlassen werden. Außerdem sprach für den Angeklagten offenbar, dass er sich bereiterklärte, an die beiden Opfer, bei denen eine besonders schwere Tatausführung festgestellt wurde, Schmerzensgeldzahlungen von einmal 8000 beziehungsweise einmal 10 000 Euro zu leisten.

Erschwerend fielen dagegen die jeweiligen Tatausführungen ins Gewicht. Der Mann hatte laut dem Urteil mit den Jungen masturbiert und davon auch Bilder hergestellt, die er auf Datenträger speicherte. Unter dem Strich waren es insgesamt 20 Einzelfälle, die vor Gericht zur Sprache kamen. Sechs davon wurden angeklagt. Die Stuttgarter Richter stellten bei dem 62-Jährigen durch seine pädophile Neigung eine verminderte Schuldfähigkeit fest.

Vom TSV Höfingen ist der Verurteilte bereits unehrenhaft entlassen worden. Der Fall hatte auch bei Jugendabteilungen zahlreicher bundesweiter Sportvereine Veränderungen hervorgerufen. Unter anderem sind Ethik-Beauftragte eingestellt worden. Und Jugendtrainer müssen Führungszeugnisse vorlegen, bevor sie mit Jugendlichen arbeiten können.

Ob der 62-Jährige den Stuttgarter Richterspruch annimmt oder in Revision geht, ist noch offen.

VON BERND WINCKLER
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