Ludwigsburg | 25. Oktober 2017

Ludwigsburger zwingt 14-Jährige zur Prostitution

Als Loverboy hat er sich aufgespielt, hat ihr schöne Augen gemacht, ihr vorgemacht, wie wichtig sie für ihn ist. Später hat er die 14-Jährige auf einer Internetseite für Sexdienste angeboten. In drei Fällen kam das Mädchen dem Drängen nach, sich gegen Geld zu prostituieren. Das Amtsgericht verurteilte den 28-jährigen Ludwigsburger jetzt zu einer Freiheitsstrafe. Er muss wegen gewerblichem Menschenhandel für drei Jahre und vier Monate hinter Gitter.

Laut Anklage hat der 28-Jährige das Mädchen auf einer Internet-Plattform kennengelernt. Wie Richter und ermittelnde Polizeibeamte darlegten, verfolgen die Täter dabei ein bestimmtes Schema. Sie geben vor, verliebt zu sein, sparen nicht mit Lob oder zeigen sich spendabel, indem sie Kleidung für die Angebetete kaufen. Sie geben vor, sich um sie zu kümmern. Umgekehrt merken die Loverboys schnell, ob ein Mädchen unsicher und schlecht integriert ist, ob sie ein schwaches Selbstwertgefühl hat. Das wird dann ausgenutzt.

Auf einer Internetseite wurde das Mädchen für Sexdienste angeboten. Der Angeklagte versuchte, sich damit eine Einnahmequelle zu verschaffen. Dreimal zwischen September 2015 und März 2016 kam auch ein Kontakt mit Freiern zustande. Das Mädchen hat sich auf Drängen des angeblichen Liebhabers prostituiert. Die Kontakte zu den Freiern wurden über Smartphone und den Mitteilungsdienst Whatsapp abgewickelt. Es wurde jeweils ein Treffpunkt vereinbart, die sexuellen Handlungen erfolgten im Auto der Freier.

Der Fall flog auf, weil eine Mitschülerin ihren Verdacht, dass sich das Mädchen für Sexdienste hergibt, einer Schulsozialarbeiterin geschildert hatte. Laut Richter Ulf Hiestermann, der den Fall gestern verhandelt hat, wurde die Schülerin daraufhin von dem Angeklagten mit Beleidigungen überschüttet. Als die Polizei die Wohnung des Angeklagten durchsuchte, fand sie bei ihm auch jugendpornographische Bilder.

Der Angeklagte zeigte sich geständig, das Urteil fiel dennoch entsprechend hoch aus. Er war bereits wegen eines ähnlichen Falls vor Gericht. Damals, so der Richter, hat sich das Mädchen trotz der Versuche, sie für Sexdienste zu gewinnen, geweigert mitzumachen. (hpj)

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