Ludwigsburg | 15. Dezember 2017

Schlägerei bis in den Morgen

„Familiäre Streitigkeiten als Wurzel allen Übels“ – so bezeichnete das Ludwigsburger Strafgericht einen Fall, den ihm eine Wirtschaft in der Innenstadt samt Umfeld beschert hat. Weil in der Wirtsfamilie Nachwuchs im Anmarsch war, der von anderen Familienangehörigen so nicht gewünscht war, kam es zu einer Schlägerei, die von der Nacht bis in den frühen Morgen ging.

Die zwei Angreifer und Schläger kassierten auf der Anklagebank Bewährungsstrafen von acht und sechs Monaten dafür, dass sie sich zu zweit einen ihrer Widersacher vornahmen.

Die beiden Angeklagten wollten vor Gericht nichts zugeben. Die Zeugenangaben darüber, was vom Abend des 17. Juni dieses Jahres bis zum frühen Morgen vor und in dem Lokal in der Stadtmitte passiert ist, gingen hin und her. Es gab zwei Lager, die den Angeklagten entweder entlasteten oder belasteten.

Hintergrund der Auseinandersetzung war, dass der 21-jährige Angeklagte Vater des Kindes der schwangeren Wirtstochter wird. Wegen ihm hatte sie ihren Mann verlassen, mit dem sie schon zwei Kinder hat. Das spaltete die Familie: Die Wirtin wollte nicht, dass ihre Tochter ihren Mann für den 21-Jährigen verlässt. Andere hingegen schon, wie der werdende Vater und sein 25-jähriger Freund, der ebenfalls verurteilt wurde.

Dieser stürmte nach einer lautstarken Auseinandersetzung vor dem Lokal in den Innenraum und ging auf einen 57-Jährigen los, der mit der Wirtsfamilie verschwägert ist und ebenfalls nicht wollte, dass die werdende Mutter ihren Mann verlässt. Der 25-Jährige riss ihn vom Barhocker und warf ihn zu Boden. Im Fallen schlug das Opfer an einem Tisch auf und zog sich dabei einen Nasenbeinbruch zu. Als der junge Mann auf das am Boden liegende Opfer mit Fäusten einschlug, bekam er Verstärkung von seinem 21-jährigen Mitangeklagten. Das Personal des Lokals alarmierte die Polizei, während sich das 57-jährige Opfer nach den Aussagen einer Bedienung versuchte, vor den Schlägen zu schützen. So kam es mit einer Platzwunde, Prellungen am ganzen Körper und einem Hämatom an der Stirn davon. Als die Polizei eintraf, seien alle aufgestanden und nach draußen gerannt. Es habe eine sehr aufgeheizte Stimmung geherrscht und die ganze Nachbarschaft sei in Aufruhr gewesen, so die Bedienung weiter.

Strafrichterin Julia Brenner fand es bei der Urteilsbegründung „sehr traurig, dass eine familiäre Streitigkeit so endet“. Die Familie sollte sich überlegen, wie sie zu einer Lösung kommt, ohne die Justiz zu beschäftigen. Damit die beiden Schläger ihre Strafe auch spüren, gab es Bewährungsauflagen: Der 25-Jährige muss 1000 Euro bezahlen und der 21-Jährige 100 Stunden gemeinnützig arbeiten.

Heike Rommel
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