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50 Jahre Eingliederung von Kleinbottwar nach Steinheim: „Ohne Veränderung geht es nicht“

50 Jahre Eingliederung von Kleinbottwar nach Steinheim stand am Wochenende auf dem Programm. Bürgermeister Winterhalter richtet seinen Blick allerdings nach vorne

Die Broschüre zum Jubiläum: (von links) Thomas Winterhalter, Klemens Weller, Helga Becker und Bernd Mannsperger. Foto: Ramona Theiss
Die Broschüre zum Jubiläum: (von links) Thomas Winterhalter, Klemens Weller, Helga Becker und Bernd Mannsperger. Foto: Ramona Theiss

Steinheim. Bewährtes erhalten und Neues zulassen: Unter dieses Motto stellte der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter seine Ansprache beim Festakt zur 50-jährigen Eingliederung von Kleinbottwar nach Steinheim. Winterhalter sprach von einer Erfolgsgeschichte, die weitergeschrieben wird.

Im Rahmen des Festaktes eröffnete Winterhalter überdies die historische Ausstellung in einem ebenfalls als Veranstaltungsort nutzbaren Raumes in der einstigen Kelter, die heute das Kulturwerk ist. Kein Heimatmuseum, keine Verklärung der Vergangenheit, sondern eine Dokumentation der Veränderungen und somit auch der Blick auf das was noch kommt.

Da ist das Neubaugebiet Scheibenäcker, das dem Stadtteil ein dickes Einwohnerplus bescheren wird. Und die Kelter, die der Kleinbottwarer Unternehmer Bernd Mannsperger von der Stadt gekauft und zum Kulturwerk mit Tanzstudio sowie Kursräumlichkeiten für den örtlichen Gesang- und Sportverein umgebaut hat. Das bezeichnete der Bürgermeister als Bindeglied zwischen altem Dorf und neuen Bewohnern.

Als i-Tüpfelchen kam nun die historische Ausstellung dazu, die am gestrigen Sonntag auch besichtigt werden konnte. Am Abend zuvor gab es den Festakt, bei dem auch das neue Büchlein „Kleinbottwar – Ein halbes Jahrhundert bei Steinheim“ vorgestellt wurde. Die Stadtarchivarin Helga Becker berichtet darin von einer Ehe, die innerhalb von drei Monaten geschlossen wurde und die sich laut Bürgermeister Winterhalter für Kleinbottwar finanziell auszahlte.

Denn die Stadt Steinheim habe ihre Versprechen eingehalten und der Weinort eine Blüte erlebt. Kleinbottwar wurde immerhin drei Mal zum schönsten Dorf im Landkreis Ludwigsburg gekürt. „Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch“, zitierte Klemens Weller im Namen des Ortschaftsrates einen Fernsehbeitrag aus den 60er-Jahren. Der Zuzug in den Ort habe sich auch für ihn als eingefleischten Großbottwarer gelohnt, fügte Weller an, der ebenfalls die Weiterentwicklung des Dorfes in den Mittelpunkt seiner Ansprache stellte. Mit mehr Urbanität aber auch mit dem Erhalt der ländlichen Prägung. Ohne Veränderung gehe es nicht, das machte der Bürgermeister deutlich.

Winterhalter würdigte in diesem Zusammenhang auch den Einsatz des früheren Ortsvorstehers Manfred Waters, der zusammen mit Erich Krautter alte Exponate gesammelt hatte, die jetzt zusammen mit Erinnerungsstücken der Familie Mannsperger in den Vitrinen zu sehen sind.

Sie stammen aus den Bereichen Haushalt, Handwerk sowie Weinbau und sie erzählen vom mühsamen Alltag früherer Zeiten.

Dass die Stadt Steinheim mit Helga Becker nicht nur über eine engagierte Archivarin, sondern auch über eine in der Region erfolgreiche Kabarettistin verfügt, trug zum Erfolg des Abends bei. Denn Helga Becker erzählte und sang als Frau Nägele von alten Zeiten. Das geschah immer mit einem Augenzwinkern.

Begleitet von Martin Lutz am E-Piano entführte sie im getupften Petticoat-Kleid in die 50er-Jahre, als die Frauen im Schwabenland nicht nur für ihr adrettes Äußeres, sondern vor allem für ihre „Schaffigkeit“ bekannt waren. Die ersten elektrischen Haushaltsgeräte brachten Erleichterung und so war Zeit zum Stricken, Häkeln oder Flicken. Dabei wurde Radio gehört und so sang Frau Nägele den Hit vom Honolulu Strandbikini, den Mädchen des im Kulturwerk ansässigen Tanzstudios von Tatjana Boschko-Mannsperger mit einer pfiffigen Choreographie umrahmten. Großen Applaus gab es auch für das gelungene Solo der Nachwuchstänzerinnen zum Cliff Richard-Hit „Rote Lippen soll man küssen“.

Schließlich erzählte Frau Nägele im Handwerkskittel und mit „Staubkapp“ von den Handwerksmeistern, die früher keine Managertypen waren. Zur singenden Reblaus wurde sie beim Thema Weinbau, wo sie ein Hoch auf den Württemberger Wein anstimmte.

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