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Corona

„Aber bitte nicht alle auf einmal!“

Seit Mittwoch sind im Land die Spielplätze wieder geöffnet – Verantwortliche setzen vor allem auf Selbstdisziplin

Die Oberbürgermeister Ursula Keck und Dirk Schönberger sind zufrieden mit den eingehaltenen Regeln in Pattonville. Foto: Holm Wolschendorf
Die Oberbürgermeister Ursula Keck und Dirk Schönberger sind zufrieden mit den eingehaltenen Regeln in Pattonville. Foto: Holm Wolschendorf
Plakate wie dieses verdeutlichen die Regeln und maximale Besucherzahl. Illustration: privat
Plakate wie dieses verdeutlichen die Regeln und maximale Besucherzahl. Illustration: privat

Pattonville/Kreis Ludwigsburg. Was Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck und ihr Remsecker Amtskollege Dirk Schönberger an diesem Mittwochnachmittag auf dem Spielplatz im Bostonring in Pattonville sehen, gefällt ihnen. Nicht nur, dass nach der wochenlangen coronabedingten Sperrung wieder die ersten Kinder die Fläche in Beschlag genommen haben. „Wenn man die Kinder sieht, und die Mamas und Papas fragt, wird man hören, dass alle wieder froh sind“, so Keck. Froh sind die beiden hochrangigen Besucher aber vor allem, dass nach ihren Beobachtungen die Vorgaben eingehalten werden, wie auch an vielen anderen Orten.

Es gilt zum einen der mittlerweile übliche Mindestabstand von 1,50 Metern, zudem muss eine Aufsichtsperson anwesend sein. Diese wird aber – weil sie oft eh nur am Rand sitzt oder auch daheim den Kleinen sehr nahekommt – nicht einberechnet, wenn es um die Gesamtzahl der zulässigen Personen auf einem Spielplatz geht: Pro zehn Quadratmeter ist ein Kind erlaubt, so die neuen Bestimmungen des Landes, die mal wieder erst kurz vor knapp, am Dienstagnachmittag, bei den Kommunen eingetrudelt waren. „Das war eine ziemliche Hektik, alles rechtzeitig zu plakatieren“, sagt Schönberger dazu.

Und in der Tat sind am Mittwochnachmittag noch nicht alle Spielplätze im Kreis mit den Schildern ausgestattet, die kindgerecht auf die neuen Regeln und die jeweils maximal zulässige Besucherzahl hinweisen. In Ludwigsburg werden manche da erst noch geöffnet, vereinzelt gab es Klagen von Nutzern, die vor verschlossenen Toren standen. In Remseck hingegen habe er schon um sieben Uhr die ersten Kinder gesehen, berichtet Schönberger von seiner Fahrt ins Rathaus – und davon, dass der Bauhof bereits um sechs Uhr mit der Öffnung der ersten Spielplätze angefangen habe und den ganzen Mittwoch über nichts anderes mache.

Appell an Einsicht statt Sanktionierung

Doch kann das wirklich funktionieren, kleine Kinder, die beim Spielen und Toben einen Mindestabstand einhalten? Und freiwillig wieder umdrehen, wenn mit ihnen die maximale Nutzerzahl auf einem Spielplatz überschritten wäre? Wirklich überzeugt ist davon kaum einer, das machen sowohl die Kommentare aus der Bevölkerung, wie auch von den Verantwortlichen selbst deutlich – das zeigt auch die Formulierung „wo immer möglich“ beim Abstandsgebot in den Bestimmungen. Man appelliere da aber an Verständnis und Einsicht, so Schönberger. Denn weitere Lockerungen gebe es nur, wenn die Zahlen der Neuinfektionen nicht schlechter werden als derzeit. „Die Menschen akzeptieren die Regeln. Und freuen sich, dass sie nun wieder ein Stück weit Normalität bekommen“, ist Keck überzeugt.

Extra Kontrollen wird es deshalb auch in ihren Städten nicht geben. Im Rahmen des üblichen Streifendienstes von Polizei und Ordnungsamt werde aber auch nach den Spielplätzen geschaut, zudem schickt Remseck junge Mitarbeiter des Jugendreferats los, in Ludwigsburg werden ergänzend zum Ordnungsdienst Mitarbeiter der Jugendförderung unterwegs sein und „bei Bedarf auch freundlich auf die geltenden Hygieneregeln hinweisen“. Schönberger formuliert das so: „Wir wollen bei diesem Thema weniger als Polizeibehörde agieren. Und es geht auch nicht darum, Bußgelder zu verhängen, sondern um die Virusverbreitung zu minimieren.“

Zuversicht auch anderswo im Kreis

Kleinere Städte könnten diese Kontrollen noch viel weniger leisten, machen auch andere Bürgermeister deutlich. Man werde in Freiberg nun nicht mit Ordnungskräften auf den Spielplätzen präsent sein, so Dirk Schaible. Zumal es ja auch nachvollziehbar sei, dass ein Vier- oder Fünfjähriger die 1,50 Meter nicht schaffe. „Wir werden das aber im Auge behalten“, sagt er. Und: „Ich habe gute Hoffnung, dass das Ganze funktioniert.“

Das glaubt auch Frank Wittendorfer, vor allem mit Blick auf die bisherige Erfahrung in Oberriexingen. Und appelliert in einem Facebook-Posting an Eigenverantwortung und Selbstdisziplin der Erwachsenen. Bewusst spricht er aber auch nur von Richtwerten. Denn rein umgerechnet dürften etwa 40 Kinder auf dem 400 Quadratmeter großen neuen Spielplatzgelände am Funpark sein. „Dann wäre aber nix mehr mit Abstand und dichtes Gedränge auf den Geräten vorprogrammiert“, so Wittendorfer. Denn er erwartet angesichts der schon vor Wochen geplanten Eröffnung entsprechende Neugier und Andrang. Und sagt: „Nun ist es endlich so weit – aber bitte nicht alle auf einmal drauf stürzen!“ Zumal es nun zwei Richtwerte gibt: nicht mehr als 20 Kinder auf großen und zehn auf kleinen Spielplätzen. Das elfte oder 21. ankommende Kind solle aber nicht traurig umdrehen müssen, vielmehr seien wieder „gesunder Menschenverstand“ und „gegenseitige Rücksichtnahme“ gefragt. Funktioniere das dann doch nicht, werde es eben Änderungen geben.

Was übrigens die beiden OBs auf dem Spielplatz in Pattonville auch gefreut haben dürfte: Den Tagesablauf haben die anwesenden Eltern nicht geändert. Sie seien erst gerade gekommen – „zuerst mussten ja die Hausaufgaben gemacht werden“.

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