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Abschied vom Athleten-Versteher

Hartmut Semsch hat das Orthopädietechnik-Unternehmen Ortema groß und Elitesportlern das Leben leichter gemacht – Jetzt ist er mit 59 Jahren gestorben

Hinterlässt eine große Lücke: Ortema-Geschäftsführer Hartmut Semsch. Foto: Holm Wolschendorf
Hinterlässt eine große Lücke: Ortema-Geschäftsführer Hartmut Semsch. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Als sich der Fußballweltmeister Bastian Schweinsteiger das Schlüsselbein bricht, reist er zu Hartmut Semsch nach Markgröningen, um sich einen Schutz aus Carbon bauen zu lassen. Auch die ehemalige Skirennfahrerin Hilde Gerg, Kampfname „Wilde Hilde“, vertraut dem Kopf des Orthopädietechnik-Unternehmens Ortema und bekommt im Strohgäu eine Orthese maßangefertigt. Denn Semsch, durchtrainiert und meistens braun gebrannt, weiß, was in Sportlerköpfen vorgeht – er war ja mal selbst einer.

Doch Ende der 80er Jahre reißt dem Skirennfahrer das Kreuzband. Semsch, der gelernte Orthopädiemechaniker, beginnt, anderen Leidensgenossen zu helfen, sich gar nicht erst zu verletzen oder nach Verletzungen schnell wieder Sport zu betreiben. Der gebürtige Ludwigsburger baut fortan Schienen, Prothesen oder Korsetts. Auch an Wochenenden und Feiertagen, nur damit Spitzensportler, Hobbyathleten oder Patienten zügig wieder fit werden. „Kein Weg war ihm zu weit, keine Nacht zu lang“, sagt ein Weggefährte. „Wenn seine Hilfe gefordert war, hat er alles möglich gemacht, was machbar ist.“ Zum Ausgleich sammelt Semsch italienische Motorräder von Ducati, Moto Guzzi oder Gilera.

Aus der kleinen orthopädischen Werkstatt der Markgröninger Klinik geht am 1. Januar 1994 eine 100-prozentige Tochter hervor: die Ortema GmbH. Von Anfang an dabei: Hartmut Semsch, den Freunde „Hartl“ rufen. Gründerzeitstimmung zieht in die Räumlichkeiten ein – und in vielen kleinen und größeren Schritten entsteht ein mittelständisches Unternehmen mit heute rund 250 Mitarbeitern, das über Markgröningen fast die ganze Welt erobert.

Auf der Kundenliste stehen Eishockeyteams, Motocrossfahrer oder Footballer. Semsch betont aber auch immer wieder, dass er nicht nur für Profisportler bereitsteht. „An uns kann sich jeder wenden“, sagt der Fachmann einmal zu unserer Zeitung und fügt schmunzelnd an: „Wer zum zehnten Mal kommt, erhält die goldene Karte.“

Die müssen nun andere verteilen. Denn Hartmut Semsch ist am Dienstag im Alter von 59 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Im firmeneigenen Intranet heißt es: „Die Ortema und Hartl Semsch werden immer miteinander verbunden bleiben.“

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