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Stadtbahn

Aktionsbündnis befürwortet Freischnitt der Markgröninger Bahn

Aktionsbündnis befürwortet Freischnitt der Markgröninger Bahn und kritisiert Landrat Allgaier – Damit ist es nicht alleine

Ja, wo verlaufen die Gleise denn? Ein Arbeiter erledigt an der Markgröninger Bahn Gehölzpflegearbeiten. Sie sollen die Reaktivierung der Trasse vorbereiten. Fotos: Holm Wolschendorf
Ja, wo verlaufen die Gleise denn? Ein Arbeiter erledigt an der Markgröninger Bahn Gehölzpflegearbeiten. Sie sollen die Reaktivierung der Trasse vorbereiten. Foto: Holm Wolschendorf
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Markgröningen/ Möglingen. Die stillgelegte Bahnstrecke zwischen Markgröningen und Möglingen ist Herrn L. bestens bekannt. Seinen Hund führt er hier regelmäßig Gassi, doch sein Ärger wächst. Seit fast zwei Jahren beobachtet Herr L., dass an der Trasse von einem Anhänger immer wieder kleieartiger Abfall abgeladen werde. „Inzwischen haben sich dort Ratten und Vogelschwärme angesiedelt“, sagt er unserer Zeitung. Er habe den Tatort auch schon mit dem Ordnungsamt inspiziert.

Gut möglich, dass es an der Markgröninger Bahn jetzt zum großen Aufräumen kommt – freilich aus anderen Gründen. Seit Montag lässt das Landratsamt in Markgröningen an der Zeppelinstraße die zugewachsene Strecke freischneiden. Seit Mittwoch ist die Daimlerstraße in Möglingen an der Reihe (wir berichteten). Das Landratsamt in Ludwigsburg spricht von Gehölzpflegearbeiten. Doch das Ziel ist klar: Bald wieder Züge zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg aufs Gleis zu setzen – und die Trasse dann als Stadtbahn bis Pattonville und Schwieberdingen auszubauen.

„Mit Freude“ habe jetzt auch das Aktionsbündnis Stadtbahn die Nachricht aufgenommen, dass der Landkreis Ludwigsburg den Auftrag erteilt hat, die zugewucherte Strecke freizuschneiden. Hinter dem Zusammenschluss stecken der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD), der BUND und der ADFC. Der Sprecher Klaus Arnoldi gibt sich aber auch noch skeptisch: „Ob das wirklich der Beginn der Bauarbeiten ist oder nur ein symbolischer Akt, bleibt abzuwarten.“

Kritisch sieht das Aktionsbündnis darüber hinaus die Rolle, die der Landrat Dietmar Allgaier in den vergangenen Monaten gespielt hat. Er befindet sich nach wie vor in Eigentumsverhandlungen mit der Deutschen Bahn, der die Strecke gehört. „Unverständlich ist, dass Landrat Allgaier seit einem dreiviertel Jahr mit der Deutschen Bahn über den Kauf verhandelt und so die Reaktivierung verzögert“, heißt es in der Mitteilung des Bündnisses. Der Kreistag habe im Januar 2019 einstimmig beschlossen, als ersten Schritt zum Aufbau eines Stadtbahnnetzes die noch vorhandene Strecke nach Markgröningen zu reaktivieren. „Seitdem sind zwei Jahre verstrichen, ohne dass viel geschehen ist“, so Arnoldi.

Ähnlich hat sich auch jüngst die Markgröninger SPD während der Generaldebatte im Gemeinderat geäußert. „Aus unserer Sicht kann die Strecke auch angemietet werden“, sagte der Fraktionschef Pedro Fernandes. Unabhängig vom Erfolg der Verhandlungen könne nach Ansicht der SPD zudem die Planung einer Brücke über die Markgröninger Ortsumfahrung erfolgen, die nötig ist, um die Bahn tatsächlich zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg verkehren zu lassen. Die Sozialdemokraten pochen darauf, dass die Strecke nach der Eisenbahnordnung betrieben werde.

Ein Sprecher des Ludwigsburger Landrats ließ zuletzt verlauten, dass die Gespräche mit der Bahn, die zum Ziel haben, die Strecke zu erwerben, gut verlaufen seien – und weiter „zielgerichtet fortgesetzt werden“.

Das Aktionsbündnis aus VCD, BUND und ADFC verweist unterdessen auf das hohe Verkehrspotenzial der Markgröninger Bahn. Sie könne zudem mit bis zu 90 Prozent vom Verkehrsministerium gefördert werden. Arnoldi: „Viele Pendler warten seit Jahren auf die Reaktivierung, um staufrei nach Ludwigsburg und zur S-Bahn zu gelangen.“

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