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Kirche

Alle Zeichen stehen auf Fusion

Ditzinger Bezirkssynode entscheidet über Verhandlungen mit Vaihingen – Gespräche mit Mühlacker angedacht

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Auch die Zukunft der Konstanzer Kirche in Ditzingen ist ungewiss. Die Kirchengemeinden müssen sparen.Archivfoto: Ramona Theiss

Ditzingen. Heftig waren die Gegensätze bei der Bezirkssynode in Ditzingen angesichts der anstehenden Streichung von vier Pfarrstellen aufeinandergeprallt. In einer Kampfabstimmung gaben nur drei von vier Distrikten dem Pfarrplan 2024 ihren Segen. Einstimmig wurde dagegen anschließend der Antrag angenommen, mit dem Kirchenbezirk Vaihingen „vertiefende Gespräche“ hinsichtlich einer Fusion der beiden Kirchenbezirke aufzunehmen – und darüber hinaus den in einem anderen Landkreis befindlichen Kirchenbezirk Mühlacker zwecks Kooperation mit ins Boot zu nehmen.

Beide Themen spiegeln aber ein und dieselbe Problemlage: „Wir schrumpfen und bewegen uns auf Größen zu, die ein Zusammenspiel in größeren Einheiten nahelegen“, sagt dazu der Ditzinger Dekan Friedrich Zimmermann im Gespräch. Zur sinkenden Zahl an Mitgliedern kommt nach der anstehenden Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation ein Mangel beim Pfarrnachwuchs. Schon heute können in der evangelischen Landeskirche Württemberg Pfarrstellen nicht mehr besetzt werden.

Für Zimmermann steht deshalb fest, dass eine Fusion mit Vaihingen plus einer Kooperation mit Mühlacker „sinnvoll wäre“. Er verweist dabei auch auf bereits vollzogene Fusionen etwa in den Kirchenbezirken Reutlingen, Urach und Münsingen: „Es geht auch für uns darum, auf lange Sicht zukunftsfähig zu sein.“ Deshalb wolle man sich das „ ganz genau angucken“.

Voraussetzung für die offizielle Aufnahme von Gesprächen – Vorgespräche hatten bereits stattgefunden – ist zunächst die Zustimmung der Bezirkssynode Vaihingen. Bei der Herbstsynode wird den Delegierten ein mit Ditzingen identischer Beschlussantrag vorgelegt. Der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher geht aber davon aus, dass die Zustimmung erfolgt: „Ich halte eine Fusion für zwingend geboten. Je weniger Stellen wir haben und je kleiner wir werden, umso schwieriger wird es, unsere Aufgaben als Kirche wahrzunehmen.“ Vaihingen wird 3.5 Stellen verlieren und dann nur noch über 16 Pfarrstellen verfügen. Im nächsten Schritt, für 2030, rechnet Zeyher mit einem Schrumpfen „auf 13 oder weniger“.

Zudem ist die Zahl der Gemeindemitglieder im Kirchenbezirk seit 2010 von 30 000 auf 27 000 gesunken. „Bei weiter fallender Tendenz“, wie Zeyher hinzufügt. Damit würde auch die Belastung durch die Bezirksumlage proportional weiter steigen: „Und wenn kein Geld mehr da ist“, so der Dekan, „dann können wir den Laden dicht machen.“

Für ihn besteht also „eine doppelte Notwendigkeit“ zu einer Fusion: „Wenn wir in der Lage sein wollen, unsere Aufgaben weiter zu erfüllen, dann müssen wir das tun.“ Zeyher erwartet von einem Zusammengehen eine Reihe von Synergieeffekten: „Von einer gemeinsamen Verwaltungsstelle übers Schuldekanat und das Jugendwerk oder der Koordination der Kindergartenarbeit bis zum „ausgleichenden Verschieben von Stellen“. „Unbedingt mit im Boot“ sieht der Dekan des Kirchenbezirks Vaihingen – 1547 gegründet und damit eines der Urdekanate der Landeskirche– den Nachbarbezirk Mühlacker: „Dieser darf nicht abgehängt werden. Wir müssen über Kreisgrenzen hinaus denken“, betont Zeyher . „Wir müssen uns bewusst sein, dass aktuell eine historische Neuordnung im Gange ist. Dem müssen wir uns stellen.“