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insektenmonitoring

Alles, was krabbelt, wird gezählt

Beim Insektenmonitoring sollen die Artenvielfalt und der Bestand von Insekten im Land auf 60 ausgesuchten Flächen untersucht werden. Eine der Dauerbeobachtungsflächen liegt bei Untermberg.

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Auf den Feldern bei Untermberg werden die Insektenfallen überprüft.
Auf den Feldern bei Untermberg werden die Insektenfallen überprüft.
Fazit: Die Zahl der Insekten hat abgenommen.Fotos: Alfred Drossel
Fazit: Die Zahl der Insekten hat abgenommen. Foto: Alfred Drossel

bietigheim-bissingen. In praller Sonne, bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius, ziehen Anette und Klaus Fürste, Torsten Bittner und Dr. Florian Theves vom Referat für Artenschutz der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) über die Getreidefelder bei Untermberg und entleeren zum wiederholten Male die eingegrabenen Insektenfallen. Die Wissenschaftler interessieren sich für Insekten, Falter und vor allem Laufkäfer. Sechs Wochen lang haben sie dieses ein Quadratkilometer große Gebiet abgesucht und die Funde dokumentiert.

Das Land hat Ende 2017 das Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt aufgelegt. Begleitet wird es durch ein Monitoring (Dauerbeobachtung), das unter anderem Daten zu Insekten erhebt. „Das Ziel ist die Schaffung einer verlässlichen Wissensgrundlage, die es erlaubt, sichere Aussagen zur Bestandsentwicklung dieser Tiergruppe zu treffen“, sagt Dr. Florian Theves, der die Beobachtungen leitet.

Sechs Indikatoren als Messgröße sind ausgewählt, nämlich Tagfalter und Widderchen, Nachtfalter, Heuschrecken, Laufkäfer und zudem die gesamte Biomasse in der Luft sowie am Boden. Alle drei bis vier Jahre werden die Erhebungen wiederholt, auf verschiedenen Flächen, die die Landschaftseinheiten und Landnutzungstypen Baden-Württembergs repräsentieren. Dieses Monitoring sei wichtig, sagt Theves, da Insekten eine Schlüsselfunktion in der Erbringung von Umweltleistungen einnehmen, etwa für die Bestäubung, die Nährstoffrückführung und den Bodenschutz. Seit einigen Jahren wurden jedoch teils dramatische Rückgänge der Insektenbestände beobachtet. Auch die Zählungen bei Untermberg bestätigen dies.

Bezüge zwischen den Ergebnissen und bestimmten Flächen oder konkreten Nutzungen stellt die LUBW nicht her. Der Sinn der Erhebungen liege einzig in der Beobachtung der Insektenbestände in der traditionell genutzten Landschaft und Schutzgebieten, sagt Theves.

Die fliegenden Insekten werden mit sogenannten Malaise-Fallen erfasst, wobei es sich um Stoffzelte handelt, die mit Stangen aufgespannt werden. Bei der Aufstellung wird nach Möglichkeit Rücksicht auf die reguläre Flächennutzung genommen. Die Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern – die Forscher müssen die Flächen schließlich betreten – seien zuweilen sehr aufwendig und zeitraubend gewesen, obwohl Entschädigungen angeboten wurden, so Theves.

Von Ostern bis Ende Oktober werden die Fallen von Wissenschaftlern des insektenkundlichen Vereins Krefeld und des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart betrieben. Dazu gehöre ein Wechsel der Fangbehälter alle zwei Wochen. Das wurde gestern bei Untermberg gemacht. Die Proben werden am Museum ausgewertet und hinterlegt.

Das Insektenmonitoring könne, so Theves, bei konsequenter Durchführung und Berücksichtigung der Schlussfolgerungen, ein wichtiger Index zur Schätzung der biologischen Vielfalt werden, da diese Tiergruppe sehr rasch und sensibel auf Umweltveränderungen reagiere. Die standardisierte Beobachtung von Insektenbeständen sei deshalb der richtige Schritt.

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