Logo

Stimmung

Am Ende ist jeder ein Gewinner

Mit ausgefallenen Kostümen und motivierenden Plakaten sorgen Teilnehmer und Zuschauer für eine besondere Atmosphäre

Das Starterfeld des 39. Silvesterlaufs scheint kein Ende zu nehmen. Entlang der Strecke werden die Sportler beim letzten Lauf des Jahres lautstark angefeuert.Fotos: Ramona Theiss
Das Starterfeld des 39. Silvesterlaufs scheint kein Ende zu nehmen. Entlang der Strecke werden die Sportler beim letzten Lauf des Jahres lautstark angefeuert. Foto: Ramona Theiss

Bietigheim-Bissingen. Der Bogen über der Startlinie ist aufgeblasen. Die Streckenposten und Distanzschilder stehen an der richtigen Stelle. Einige Sportler laufen sich schon entlang der Enz warm. Bei sonnigem Wetter und einer Temperatur von drei Grad macht sich Bietigheim-Bissingen bereit für die 39. Auflage des Silvesterlaufs.

350_0008_1971922_31_12_2019Theiss_74
Bildergalerien

39. Bietigheimer Silvesterlauf

Vor der Sporthalle am Viadukt stehen in der Menge zwei Ananasse. Für ihre zweite Teilnahme am Lauf haben sich Sven Seidler aus Güglingen und Marc Langjahr aus Stuttgart Kostüme besorgt. „Wir lieben Ananas. Das ist unsere Lebenseinstellung. Denn sie schmeckt immer zweimal“, begründen die beiden ihre Wahl. Zur Stärkung haben sie eine Packung Saft und eine Tüte Trockenobst dabei – natürlich alles Ananas.

Gegen 14 Uhr ist es Zeit, sich für den Start aufzustellen. Noch eine Minute. Dann der Countdown. Endlich feuert Oberbürgermeister und Schirmherr Jürgen Kessing den Startschuss ab. Die Stoppuhren der Läufer piepsen. Bei den Zuschauern gehen Plakate, Smartphones und Rätschen in die Höhe.

Nach und nach begeben sich erst die Profisportler und dann die Hobbyläufer auf die 11,1 Kilometer lange Strecke. Während die Vordersten in kurzen Hosen und ärmellos unterwegs sind, stechen im Feld dahinter ausgefallene Accessoires ins Auge. Hier eine Hawaii-Blumenkette, dort ein Heiligenschein. Mal eine einzelne Nikolausmütze, dann ein ganzes Wikingerkostüm.

Auf dem Marktplatz haben die Läufer schon fast eine Runde geschafft. Hier werden sie von Moderator Achim Seiter begrüßt, der Sportler und Zuschauer gleichermaßen animiert. „Lächeln!“, ruft er den einen zu. „Bietigheim, wo seid ihr?“, will er von den anderen wissen. „Das ist ein Bär… oder so etwas Ähnliches“, kommentiert er weiter. Aus den Lautsprechern dröhnt der passende Song „Just Can’t Get Enough“.

Am Streckenrand werden norwegische Flaggen für die Teilnehmer Marius und Julia Köhler-Olsen aus Oslo geschwenkt. Ihre Kinder und die Bietigheimer Großmutter, bei der sie zu Besuch sind, warten am Marktplatz auf die beiden. „Die Musik ist toll. Hier feuern die Menschen so stark an. Und der Moderator ist sehr gut“, sagt die Großmutter.

Auch die Trommeln des Drummerteams, das sich wieder unter dem Stadttor positioniert hat, sind schon von weitem zu hören. Entlang der Hauptstraße werden heiße Getränke und Würstchen verkauft. Direkt aus ihrem Fenster hat eine ältere Frau den wohl besten Blick von oben auf das Event. Während sich manche Teilnehmer schon quälen müssen, wirken andere noch ziemlich fit. Die vordersten Läufer haben gerade die hintersten überholt. Sie haben es nicht mehr weit bis ins Ziel.

Im Läuferbereich können sie es sich dann erst einmal gut gehen lassen und sich stärken. Allein vom Früchtetee wurden 1000 Liter angeliefert und vom Technischen Hilfswerk erwärmt. Noch etwas außer Atem, aber glücklich steht dort Rita Apostolidis. „Mich hat es mehr mitgenommen als das Training, wohl weil der Druck höher war und man mithalten will“, fasst die Kleinsachsenheimerin ihre erste Teilnahme zusammen. „Am Jahresanfang konnte ich keine zwei Kilometer am Stück laufen. Der Silvesterlauf war mein Jahresziel für 2019“, freut sie sich.

Über die Lautsprecher ist das Fazit von Oberbürgermeister Jürgen Kessing zu hören. „Ich glaube, wir haben einen fantastischen Silvesterlauf erlebt“, zeigt er sich zufrieden und verweist gleich auf das 40. Jubiläum der Veranstaltung in einem Jahr. „Die Bedingungen waren nahezu perfekt für die Athleten. Wir haben großen Sport gesehen, nicht nur an der Spitze. Jeder, der ins Ziel kommt, ist ein Gewinner.“ Die beiden Ananasse sind trotz oder gerade wegen ihrer Verkleidung ebenfalls gut angekommen. „Es war lustig. Das Publikum war begeistert von den Kostümen. Das wird der neue Trend für 2020“, lautet ihre Prognose. Als die Sonne langsam hinter dem Viadukt verschwindet, geht damit auch der letzte Lauftag des Jahres zu Ende.

Autor: