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Bürgermeisterwahl in Tamm
Amtsinhaber Martin Bernhard bleibt an der Spitze des Rathauses

Martin Bernhard feiert seinen Wahlsieg mit seiner Frau Renate Metzner und dem Fanfarenzug des Musikvereins. Foto: Andreas Becker
Martin Bernhard feiert seinen Wahlsieg mit seiner Frau Renate Metzner und dem Fanfarenzug des Musikvereins. Foto: Andreas Becker
Der Neue ist der Alte: Martin Bernhard bleibt der Chef im Tammer Rathaus. Mit 86,25 Prozent der Stimmen wurde der amtierende Bürgermeister wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei schwachen 27,97 Prozent.

Tamm. „Immerhin“, kommentierte Wahlleiter Dr. Andreas Richter, das geringe Wählerinteresse. 9899 Tammer Einwohner waren zum Urnengang aufgerufen. Aber nur 2769 nahmen ihr demokratisches Grundrecht wahr. „Trotz oder wegen des unbeständigen herbstlichen Wählerwetters“, so der stellvertretende Bürgermeister Richter, den der Fanfarenzug des Musikvereins lautstark ankündigte.

Um 18.45 Uhr hörte das Balkendiagramm auf, sich zu verändern. Die 103 Wahlhelfer hatten alle elf Wahlbezirke und die beiden Briefwahlbezirke ausgezählt. Bernhard hat den Sieg völlig ungefährdet eingefahren. 2284 Tammer (86,25 Prozent) gaben ihm ihre Stimme. Sein chancenloser und einziger Kontrahent Ulrich Raisch kam immerhin auf 254 Stimmen. Das entspricht 9,59 Prozent und ist zugleich eines seiner besten Ergebnisse seiner nunmehr 65 Anläufe, den Chefsessel in einem Rathaus zu erobern. Niederlagen gewohnt, applaudierte er dem Sieger gelangweilt. 110 Tammer (4,15 Prozent) schrieben andere Namen auf ihren Stimmzettel, 121 Stimmen waren ungültig.

Amtsbonus für Bernhard

Zum Vergleich: Vor acht Jahren kegelte Bernhard gleich im ersten Wahlgang seinen Vorgänger Roland Zeller mit knapp 58 Prozent deutlich aus dem Amt. Raisch kam auf 0,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 44 Prozent. In diesem Jahr hatte Bernhard einen gewaltigen Amtsbonus, konnte mit zahlreichen Projekten punkten wie der Stadterhebung oder dem Aufbau des umweltfreundlichen Nahwärmenetzes und dem Ausbau der Kinderbetreuung. Und er hat noch viel vor: Unter anderem eine neue Grundschule, einen Neubau für die Feuerwehr, eine urbane Stadtmitte. Dem hatte Herausforderer Ulrich Raisch nichts entgegenzusetzen.

Frenetisch wurde der Sieg Bernhards im Treppenhaus vor dem Sitzungssaal des Rathauses gefeiert. Unter den zahlreichen Gästen waren die Landtagsabgeordnete Silke Gericke, Amtskollege Christian Eiberger aus Asperg sowie viele Stadträte und Verwaltungsangestellte. Andreas Richter gratulierte als einer der ersten und drückte aus, was die meisten dachten: „Schön, dass der Kapitän auch in stürmischen Zeiten an Bord bleibt.“

Wahlbeteiligung als große Sorge

Obwohl die Wahl mangels ernsthaftem Gegenkandidaten eigentlich schon mit dem Bewerbungsschluss vor vier Wochen gelaufen war, wirkte Bernhard angespannt. Seine große Sorge war die Wahlbeteiligung. Mit den knapp 28 Prozent kann er leben. „Ich hatte schon mit noch Schlimmerem gerechnet“, sagte er. Als das vorläufige amtliche Endergebnis auf dem Monitor erschien, wirkte er erleichtert. Das Lächeln kehrte zurück in sein Gesicht. Er nahm erste Glückwünsche entgegen, schüttelte Hände. Bernhard bedankte sich reihum: bei den Wählern, dem Gemeinderat, seinen Mitarbeitern, bei seiner Familie. Insbesondere aber bei seiner Frau Renate Metzner. „Ohne dich wäre alles anders gelaufen“, meinte er und schämte sich seiner Tränen nicht. „Ich wünsche mir, dass wir alle gemeinsam an der Zukunft unserer Stadt weiterarbeiten und sie gestalten“, sagte er. Zusammen werde man die bevorstehenden harten Zeiten auch besser durchstehen. „Auch das werden wir meistern“, gab er sich zuversichtlich. Er freue sich auf weitere acht Jahre und hob das Glas, um mit allen anzustoßen.