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An Projekten herrscht kein Mangel

Wenn das Innenministerium nicht anders entscheidet, steht am 26. April in Murr die Bürgermeisterwahl an. Amtsinhaber Torsten Bartzsch geht weitgehend unangefochten ins Rennen, Mitbewerber Ulrich Raisch holte zuletzt in Erdmannhausen vier Stimmen, Samuel Speitelsbach gilt ebenfalls als Dauerkandidat.

Torsten Bartzsch strebt eine zweite Amtszeit als Murrer Bürgermeister an. Am 26. April wird – Stand heute – in der Gemeinde gewählt.Foto: Holm Wolschendorf
Torsten Bartzsch strebt eine zweite Amtszeit als Murrer Bürgermeister an. Am 26. April wird – Stand heute – in der Gemeinde gewählt. Foto: Holm Wolschendorf

murr. Herr Bartzsch, als Sie sich entschieden haben, für eine zweite Amtszeit in Murr zu kandidieren, hätte niemand die aktuelle Situation vorhersagen können. Deshalb zunächst in kurzen Zügen: Wie kommt die Gemeinde mit den Folgen der Corona-Pandemie klar, was fordert Sie als Bürgermeister am meisten?

TORSTEN BARTZSCH: Da haben Sie recht, das hätte keiner vorhersagen können. Für uns alle ist dies eine sehr schwierige und herausfordernde Zeit. Es ist für alle Menschen wichtig, dass sie sich an die Einschränkungen halten und dadurch die Älteren und chronisch Kranken schützen. Ich freue mich, dass die Bürgerinnen und Bürger von Murr überwiegend sehr vernünftig sind. Im Rathaus und den Einrichtungen haben wir Vorkehrungen getroffen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, aber andererseits auch den Betrieb – soweit wie möglich – mit Einschränkungen aufrechtzuerhalten, wie zum Beispiel die Notbetreuung. Aktuell sind wir als Ortspolizeibehörde sehr stark gefordert. Die Aufgaben und Arbeitsinhalte haben sich für alle sehr verändert.

Die Coronakrise stellt natürlich auch einen Wahlkampf unter andere Vorzeichen. Es wird zum Beispiel keine öffentliche Kandidatenvorstellung geben. Was planen Sie?

Ich hatte schon in einer Gaststätte für eine Infoveranstaltung reserviert und auch einen kommunalpolitischen Spaziergang durch Murr geplant. Da keine persönlichen Begegnungen stattfinden können, ist ein herkömmlicher Wahlkampf tatsächlich eher schwierig. Ich versuche daher, die Menschen in Murr über Anzeigen im Nachrichtenblatt, meine Homepage, Facebook und über meine Broschüre, die in den nächsten Tagen an alle Haushalte verteilt wird, zu erreichen.

Nennt man die Begriffe Haushalt und Murr in einem Atemzug, geht es schnell um den prall gefüllten Sparstrumpf der Gemeinde. Investiert die Kommune eigentlich zu wenig?

Nein, die Gemeinde investiert nicht zu wenig. Was die Gemeinde Murr schon seit vielen Jahren auszeichnet, ist ein vorausschauendes Wirtschaften. Es werden alle notwendigen Investitionen für die Bürgerinnen und Bürger getätigt, aber immer mit Augenmaß und dem Blick auf die Folgekosten.

Wie sehen Sie die finanzielle Entwicklung der Gemeinde in nächster Zukunft? Die Auswirkungen der Coronakrise werden ja auch die Kommunen empfindlich treffen...

Viele Gewerbetreibende und Unternehmen kämpfen um ihre Existenz, Beschäftigte haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise machen mir große Sorgen. Wir können heute noch nicht quantifizieren, was dies konkret für unseren Haushalt bedeuten wird. Andererseits sind die Kommunen auch gefordert, in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu investieren, um die Konjunktur anzukurbeln.

Welche kommunalen Projekte sehen Sie als die zentralen Ihrer ersten Amtszeit?

Wir haben sehr viel Geld in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert und die Angebote in allen Bereichen erweitert, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Es ist uns gelungen, ein neues Sanierungsgebiet auf den Weg zu bringen, in dem aktuell sehr viele ortsbildprägende Gebäude mit finanzieller Unterstützung umfassend saniert werden. Auch der Verkehr hat mich regelmäßig beschäftigt. Die erfolgte Neuordnung der Parkierung in der Ortsdurchfahrt finde ich sehr wichtig, der neue Kreisverkehr trägt zu mehr Sicherheit bei.

Ortskernsanierung, Baugebiet Langes Feld, ehemaliges Thürrauch-Areal: Wird in Murr ausreichend Wohnraum geschaffen? Wie groß ist der Druck im Bereich preisgünstiges Wohnungen?

Es wurde in den letzten Jahren viel Wohnraum geschaffen. Jede Wohneinheit, die geschaffen wird, wirkt sich positiv auf den großen Druck nach Wohnraum aus. Auch in Murr ist es sehr schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden oder ein Haus zu kaufen oder zu bauen. Wir wollen als Gemeinde günstigen Mietwohnraum schaffen, allerdings müssen wir selbst erst über passende Grundstücke verfügen.

Im Bereich Kinderbetreuung hat sich Murr entwickelt, in den letzten Jahren weitere Angebote geschaffen. Reichen die für die Zukunft aus? Gibt es weitere Ideen?

Nein, die Angebote werden nicht ausreichen. Durch den Einwohnerzuwachs werden wir weitere Plätze benötigen, hier ist ein Anbau im Kindergarten Lindenweg denkbar. Auch bei den Ganztagesplätzen im Kindergarten werden wir weitere Plätze schaffen müssen, da die Nachfrage weiter zunimmt.

Das neue Jugendhaus war eines der größten Projekte der letzten Jahre. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Neubau?

Ich bin sehr glücklich über dieses Projekt. Der Gemeinderat hatte sich ganz klar für einen Neubau ausgesprochen. Der gesamte Prozess mit dem Architektenwettbewerb war sehr spannend. Das Gebäude ist nun im Prinzip fertiggestellt, es sieht toll aus und fügt sich gut in die Landschaft ein. Neben der offenen Jugendarbeit, die weiterhin der Schwerpunkt sein wird, soll das neue Jugendhaus durch umfangreichere Angebote, Projekte und Kooperationen viele Murrer Kinder und Jugendliche anziehen. Die räumlichen Rahmenbedingungen stimmen, wir haben personell aufgerüstet, ein Konzept ist erstellt. Nun muss es mit Leben gefüllt werden.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte Ihrer zweiten Amtszeit – Ihre Wiederwahl natürlich vorausgesetzt?

Die geplante Erweiterung des Kleeblatt-Pflegeheims mit weiteren betreuten Seniorenwohnungen ist mir ein sehr großes Anliegen, da der Bedarf hierfür sehr groß ist. Die Planungen laufen bereits seit einiger Zeit, wir hatten einige Widerstände zu lösen. Ich hoffe, dass hier noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Der Natur- und Umweltschutz, die notwendige Energiewende, aber auch die Verkehrsthemen werden weitere Schwerpunkte der nächsten Jahre sein.

Was werten Sie als den größten Erfolg Ihrer ersten acht Jahre als Murrer Bürgermeister? Was war der größte Flop?

Ich richte meine gesamte Arbeit immer am Ziel eines konstruktiven Zusammenwirkens von Gemeinderat, Bürgerschaft sowie den Murrer Vereinen, Organisationen, Kirchengemeinden und Gewerbetreibenden aus. Alles, was wir anpacken, soll den Bürgern etwas Positives bringen. Deshalb liegt es mir fern, mich selbst zu wichtig zu nehmen und eine Liste mit persönlichen Erfolgen oder Flops zu führen.

Welches Ereignis hat Sie ganz besonders gefreut? Haben Sie sich auch über etwas so richtig geärgert?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass wir 2014 und 2019 mit nahezu allen Murrer Vereinen und Organisationen ein Dorfplatzfest gefeiert haben. Diese Feste verbinden, stärken die Gemeinschaft im Ort und zeigen, dass Murr sehr lebendig und vielfältig ist. Als Bürgermeister kann man es nie allen recht machen, insofern lässt sich Ärger im Alltag nicht vermeiden.

Wenn Sie eine Vision von Murr in acht Jahren entwickeln müssten, wie würde die aussehen?

Zunächst können wir stolz sein, was Murr aktuell schon alles zu bieten hat. Das gilt es zu erhalten. Bis in das Jahr 2028 stelle ich mir vor: Wir haben flächendeckend Glasfaser im Ort, damit uns die Digitalisierung in allen Bereichen gelingt. Unsere gesamten CO2-Emissionen in Murr konnten deutlich reduziert werden, um zur Energiewende beizutragen. Der Wohnraummangel ist kein Thema mehr, da es genügend bezahlbaren Wohnraum im Ort gibt.

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