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Traubenreife

Anfang September startet die Lese

Trotz Trockenheit und Hitze sieht es in den Weinbergen der Region gut aus. Der Vorstandsvorsitzende Götz Reustle von der Felsengartenkellerei Besigheim rechnet mit einem Lesebeginn in den ersten zwei Wochen im September. Und er glaubt, dass eine Erntemenge wie im vorigen Jahr erreicht werden könnte.

Ungewöhnlich ist in diesem Jahr der lockerbeerige Fruchtstand. Die Färbung der Trauben ist schon weit fortgeschritten.Foto: Alfred Drossel
Ungewöhnlich ist in diesem Jahr der lockerbeerige Fruchtstand. Die Färbung der Trauben ist schon weit fortgeschritten. Foto: Alfred Drossel
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Besigheim/Bönnigheim/Hessigheim. Die Wengerter sind während der Wachstumsperiode zwischen Juni und August mit Laubarbeiten beschäftigt. Zum Teil werden die Triebe festgebunden, um sie vor Windbruch zu schützen. Auch werden durch den Laubschnitt Blätter entfernt, um die Durchlüftung der Rebanlage zu fördern. Wenn Mitte bis Ende August die Reifephase eintritt, beginnt die sogenannte „grüne Lese“: Einige Beeren werden entfernt, damit die verbleibenden Beeren kräftiger werden. So soll insgesamt die Qualität der Rebstöcke verbessert werden. Ende August, Anfang September werden die Trauben dann weich. Von nun an beeinflusst die Witterung verstärkt die Entwicklung der Trauben, die Qualität und das Mostgewicht. Auffallend in diesem Jahr ist der lockerbeerige Fruchtstand. Das kann sich aber noch ändern.

Mit dem Reifezustand der Beeren ist Dr. Götz Reustle zufrieden. Dass die Trauben so lockerbeerig sind, sieht er bisher nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Dadurch werde, wenn die Wasserzufuhr größer werde und sich die Beeren im Volumen ausdehnen, die Fäulnisgefahr gemindert, sagt er. Im Bereich der Felsengartenkellerei, die mit einer Anbaufläche von 730 Hektar von Stuttgart bis Ilsfeld und 820 aktiven Wengertern zu den großen Gebietskellereien der Region zählt, blieben die Weinberge vom Frühjahrsfrost weitgehend verschont. Schaden genommen haben lediglich Anlagen bei Ilsfeld und Neckarwestheim.

Die Trockenheit hätten die Reben bisher gut überwunden, sagt Reustle. Überall dort, wo bewässert werde, müsse man mit einer frühen Ernte rechnen – auch beim Trollinger in den Steillagen. Prognosen über die Erntemenge abzugeben hält Reustle zum jetzigen Zeitpunkt für gewagt. Im vorigen Jahr hätten die Wengerter der Felsengartenkellerei insgesamt 8,1 Millionen Kilogramm Trauben geerntet, im Jahr 2018 waren es zehn Millionen Kilogramm. „Wir rechnen damit, dass wir die Erntemenge vom Vorjahr erreichen“, sagt Götz Reustle.

Der Weinherbst 2020 ist der letzte für Götz Reustle als Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei. Der 63-Jährige plant, bis zum Jahresende, wenn ein Nachfolger für ihn gefunden sei, in den Ruhestand zu gehen. Das Findungsverfahren laufe derzeit.

Karsten Faschian vom Hessigheimer Weingut exNicrum meint, dass mehr Wasser bei der Versorgung der Reben nicht automatisch bessere Ergebnisse bringe. Die Weinrebe sei schließlich ein Gewächs, das Wärme und Trockenheit vergleichsweise gut aushalten könne. „Hoffentlich werden wir von den negativen Seiten der Wärme verschont. Sonnenbrandschäden brauchen wir nicht, Hagelunwetter ebenfalls nicht“, sagt er. Karsten Faschian tritt Gerüchten entgegen, wonach er das Weingut verkauft haben soll. „Ich bin 52 Jahre alt und habe noch einiges vor“, sagt er. Nach wie vor sei er Mehrheitseigner von exNicrum.

Die Frühjahrsfröste haben den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu in einigen Bereichen, wie in Bönnigheim, Hohenhaslach und im Zabergäu, heftig zugesetzt. „Dort rechnen wir mit einem Ernteausfall von bis zu 25 Prozent“, sagt Vorstandsvorsitzender Jürgen Conz. In einigen frostgeschädigten Weinbergen habe es einen zweiten Austrieb gegeben, der sich gut entwickle. In den übrigen Weinbergen sehe es gut aus, betont Conz. Die Trockenheit habe bisher nur vereinzelt zu Problemen geführt. Weitere Niederschläge wären aber gut. Sie seien entscheidend für die Qualität der Trauben. Auch Conz rechnet mit einem Lesebeginn Anfang September.

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